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Zwei Büsten aus rotem, durchsichtigem Glas. Die linke zeigt Karl Marx, die rechte Ferdinand Lassalle.

Porträtbüsten von Karl Marx (links) und Ferdinand Lassalle; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

„Der kühnen Bahn nun folgen wir, die uns geführt Lasalle!“

Zum Todestag des Politikers und Publizisten Ferdinand Lassalle

Am 31. August 1864 starb Ferdinand Lassalle an den Folgen der Verletzungen, die er sich in einem Duell zugezogen hatte. Der deutsche Politiker und Publizist war einer der Gründer der ersten Arbeiterorganisation auf deutschem Boden, des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, der im Jahr zuvor entstanden war und heute als die „Wiege der Sozialdemokratie“ gilt.

In der Ausstellung 150 Jahre Sozialdemokratie, die das Moskauer Staatsarchiv 2013 präsentierte, wurden auch die Duell-Pistolen von Ferdinand Lassalle gezeigt. Der Politiker und charismatische Agitator für die Sache der organisierten Arbeiterschaft war erst 39 Jahre alt, als er Wilhelm von Dönniges zum Duell forderte, weil dieser ihm die Hand seiner Tochter verweigert hatte.

Nach seinem plötzlichen Tod entwickelte sich ein regelrechter Personenkult um Lassalle. Er manifestierte sich in Gedichten, Liedern und Ritualen, die während der weit verbreiteten Lassalle-Erinnerungsfeiern vorgetragen und durchgeführt wurden sowie in zahlreichen Memorabilia, die unter seinen Anhängern kursierten. Das erste Buch mit „Enthüllungen über das tragische Lebensende Lassalles“ erschien 1868, der Autor war ein enger politischer Weggefährte Lassalles. 

Bernhard Becker: Enthüllungen über das tragische Lebensende Ferdinand Lassalle's und seine Beziehungen zu Helene von Dönniges, Nürnberg: Verlag von Wörlein & Comp., 1892; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Leonore Maier

Porträtbüsten von Karl Marx (links) und Ferdinand Lassalle mit Spieluhr, ca. 1883 - 1900, Pressglas, Holz, Metall, H = 25,5 cm; Jüdisches Museum Berlin, Inv.-Nr. 2008/337/0, Foto: Jens Ziehe. Weitere Informationen zu diesem Objekt finden Sie in den digitalisierten Beständen unserer Sammlung

Büsten gleich denen von Karl Marx und Ferdinand Lasalle wurden vermutlich in Privaträumen oder in Vereinslokalen und Gewerkschaftshäusern aufgestellt. Die Exemplare im Jüdischen Museum bestehen aus Industrie- bzw. Pressglas, und erstrahlen nicht in revolutionärem Rot – seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Symbolfarbe der Arbeiterbewegung – sondern in zartem Rosa. Dies hat mit dem Herstellungsprozess zu tun: Pressglas konnte zu raisonablen Preisen nur in helleren Farben produziert werden. Das Material deutet auf eine hohe Auflage und größere Verbreitung der Büsten hin. Uns ist allerdings nicht bekannt, ob weitere Exemplare der beiden Büsten existieren, wer der Hersteller war und wo sie gefertigt wurden.

Die Frontseite des Sockels, der zur Büste von Lassalle gehört, ziert eine Wappenform mit einem Hammer und zwei verschlungenen Händen, dem Verbrüderungssymbol des von ihm gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins. Im Inneren des Sockels befindet sich eine Spieluhr, die die Melodie der Marseillaise spielt.

Jacob Audorf hatte unmittelbar nach dem Tod Lassalles die populäre und weit verbreitete Arbeiter-Marseillaise mit fünf Strophen geschaffen, in deren letzter Zeile Lassalle als Wegbereiter genannt wird: „Der kühnen Bahn nun folgen wir, die uns geführt Lasalle!“. In der Weimarer Republik wurde das Lied, das die Sozialdemokraten u.a. am Ende ihrer Parteitage sangen, schließlich von der Internationalen abgelöst.

Porträtbüste Ferdinand Lassalle (1825-1864); Jüdisches Museum Berlin, Foto: Roman März

Bei einer Führung durch die damalige Dauerausstellung anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Museums im Jahr 2011 stellte Gregor Gysi die Büsten als seine Lieblingsobjekte vor.

Jüdisches Museum Berlin, 2011

Leonore Maier, Kuratorin des Sammlungsbereichs Jüdisches Objekt: Alltagskultur

Zitierempfehlung:

Leonore Maier (2014), „Der kühnen Bahn nun folgen wir, die uns geführt Lasalle!“. Zum Todestag des Politikers und Publizisten Ferdinand Lassalle.
URL: www.jmberlin.de/node/10845

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