on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule feiert zehnjähriges Jubiläum

Am 12. Juni Aktionstag beim Besuch des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Leipzig

Pressemitteilung vom6. Juni 2017

Jubiläumsbesuch in Leipzig: Zum Auftakt der Sachsen-Tour am Montag, dem 12. Juni feiert die mobile Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin beim Besuch des Immanuel-Kant-Gymnasiums ihren 10. Geburtstag. Bei einem Aktionstag erwartet die Schüler ein besonderes Programm: Zusätzlich zur interaktiven Führung durch die mobile Ausstellung, zwei iPad-Workshops und einer Feier der teilnehmenden Schulklassen sind alle Schüler in der großen Pause zu einer großen Luftballonaktion eingeladen. Noch bis zum 16. Juni besucht on.tour vier weitere Schulen in Sachsen.

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Katharina Schmidt-Narischkin
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Stiftung Jüdisches Museum Berlin
Lindenstraße 9–14
10969 Berlin

Rückblick und Ausblick

Das in der Bildungsarbeit fest verankerte Outreach-Programm startete 2007 als Pilotprojekt in Deutschland und ist bis heute eine Erfolgs­geschichte. Seit ihrem Debüt am 11. Juni 2007 besuchte die mobile Ausstellung bundesweit 544 weiterführende Schulen sowie Jugend­strafanstalten in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Bis heute nahmen mehr als 69.500 Jugendliche an dem Programm teil. In seinem Jubiläumsjahr fährt on.tour 30 weiterführende Schulen in insgesamt acht Bundesländern an. Zudem werden die on.tour-Guides wieder mit Häftlingen in Jugend­strafanstalten arbeiten. »In den kommenden Jahren wollen wir an diese großen Erfolge anknüpfen. Wir werden die mobile Ausstellung weiterentwickeln und 2018 erstmals auch Berliner Schulen besuchen. So bleibt unser Museum auch während der Umbauphase der Dauerausstellung bei Berliner Schülern präsent und wir im Dialog über die Vielfältigkeit des Jüdischseins in Deutschland«, sagt Léontine Meijer-van Mensch, Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin.

Nominierung für den BKM-Preis Kulturelle Bildung

Im Jubiläumsjahr wurde on.tour erstmals für den BKM-Preis Kulturelle Bildung nominiert. Die Verleihung durch die Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters findet in diesem Jahr am 20. Juni im Schloss Genshagen statt. Mit dem Preis werden seit 2009 beispielhafte Projekte der kulturellen Vermittlung ausgezeichnet. Bei der Nominierung stehen Innovation und Nachhaltigkeit der Projekte im Mittelpunkt. Schon im Jahr 2009 wurde die mobile Ausstellung für ihre innovative pädagogische Pionier­arbeit von der Initiative »Deutschland – Land der Ideen« ausgezeichnet. Neben dem größten Outreach-Programm on.tour bietet das Jüdische Museum Berlin noch weitere Bildungsinitiativen, mit der Jugendliche außerhalb des Museums erreicht werden. Dazu zählen die langjährige Zusammenarbeit mit sechs Kooperationsschulen in Berlin, die Ausbildung von Jugendlichen zu Peer to Peer-Guides und Bildungsprojekte mit Geflüchteten.

Ziele und Inhalte des Outreach-Programms

Mit interaktiven Führungen durch die mobile Ausstellung und zwei iPad-Workshops laden die Museumspädagogen die Schüler vor Ort zum Gespräch über jüdische Geschichte ein. »In den zehn Jahren Vermittlungs­arbeit mit on.tour in allen Ecken Deutschlands haben wir gelernt, uns auf jeden Ort einzulassen. Im Dialog mit den Schülern stellen wir Bezüge zwischen den Inhalten der Ausstellung und der Lebensrealität der Jugendlichen her. Wir lernen dabei kontinuierlich viel über die Gedanken­welt und Wahr­nehmungen der Jugendlichen. Das macht unsere Arbeit mit on.tour so inspirierend und anregend und gibt uns die Möglichkeit unsere Arbeit ständig weiterzuentwickeln«, sagt Sarah Hiron, Leiterin Outreach in der Bildungs­abteilung des Jüdischen Museums Berlin. Die Pädagogen diskutieren mit den Schülern über die eigene Identität, Kultur und Religiosität und schaffen damit auch Grundlagen für eine differenzierte Sicht auf das »Eigene« und das »Andere«. Die Schüler entdecken so, wie vielfältig und unterschiedlich Jüdischsein in Deutschland gelebt wird und wurde. Dabei werden immer auch regionale Bezüge zu Orten jüdischen Lebens in Vergangenheit und Gegenwart in unmittelbarer Umgebung der Schulen hergestellt. »Jede Schülerin und jeder Schüler in Deutschland sollte mindestens einmal das Jüdische Museum Berlin besucht haben, bevor die Schule beendet ist«, damit formulierte Gründungsdirektor W. Michael Blumenthal schon 2007 das Ziel der mobilen Bildungsinitiative, diejenigen Schüler zu erreichen, die nicht ohne Weiteres nach Berlin reisen können.

Was hat Mr. Spock mit dem Judentum zu tun?

Die Ausstellung ermöglicht den Museumspädagogen die Arbeit in kleinen Gruppen von fünf bis acht Schülern. In fünf robuste hüfthohe Würfel sind insgesamt 16 Vitrinen eingebaut sowie Texte und Karten, Abbildungen und Fotografien an den Seiten angebracht. Die Würfel widmen sich den Themen »Jüdisches«, »Leben und Überleben«, »Lebenswege«, »Feste feiern« und »Anfang, Ende und dazwischen«. Unter Anleitung der Museumspädagogen erarbeiten sich die Schüler die fünf Themen in Kleingruppen und bewegen dabei die Würfel durch den Raum. So lernen die Jugendlichen in einer Collage mit 17 prominenten und nicht prominenten Jüdinnen und Juden, dass es eine Verbindung zwischen Mr. Spock aus der Fernsehserie Raumschiff Enterprise und der Synagoge gibt: Der Vulkaniergruß des jüdischen Schauspielers Leonard Nimoy ist einem Priestersegen in der Synagoge nachempfunden.

i-Pad-Workshop »So einfach war das«

In begleitenden Workshops beschäftigen sich die Schüler anhand von Biografien mit Fragen zu Identitäten und jüdischem Leben nach 1945. In dem iPad-Workshop »So einfach war das« stellte das Jüdische Museum Berlin bekannten und unbekannten, gläubigen und weniger gläubigen Juden verschiedener Generationen die Frage: »Wie war das eigentlich, nach 1945 als Jude in Deutschland aufzuwachsen?« Die Protagonisten erzählten zu einem Foto aus ihrer Kindheit oder Jugend eine für sie prägende Geschichte. An iPads können die Schüler die Kindheits- und Jugenderzählungen von Minka Pradelski, Andrzej Bodek, Michael Brenner, Rachel Singer, Tsafrir Cohen, Wladimir Kaminer, Ekaterina Kaufmann, Zwi Wasserstein und Daniel Wildmann auswählen und anhören. Anschließend tauschen sie sich über die einzelnen Biografien aus und setzen ihre eigenen Erfahrungen in Bezug zu dem Gehörten.

i-Pad-Workshop »Meine Seite(n)« zu Judentum heute

Hier steht die Arbeit mit aktuellen Biografien im Vordergrund: Die Schüler lernen die unterschiedlichen Lebenswelten von sechs jüdischen Jugendlichen in Deutschland kennen. Interaktive Tagebücher auf iPads geben einen Einblick in das Leben von Adam, Albina, Benjamin, David, Helen und Leon. Gleichzeitig zeigen sie die kulturelle Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland heute. In kleinen Gruppen erarbeiten sich die Schüler jeweils eine Biografie und entdecken dabei auch eigene Seiten. Wie geht beispielsweise Albina mit einem christlichen Großvater, muslimischem Vater und jüdischer Mutter mit ihrem Glauben um? Mit dieser und ähnlichen Fragen nähern sich die Schüler in der anschließenden Diskussion den Themen Identität und Interkulturalität, Herkunft, Glaube und Heimat.

Jubiläumsbesuch in Leipzig am 12. Juni:

Ablauf:

  • 8.00 Uhr: Start des Bildungsprogramms
  • 10.00-11.30 Uhr: Klassenführung durch die mobile Ausstellung
  • 11.30-12.00 Uhr: Luftballon-Aktion in der großen Pause
  • 12.00-13.30 Uhr: Feier mit on.tour-Kuchen mit den teilnehmenden Klassen
  • 13.30 Uhr: Ende des Bildungsprogramms
  • Ort: Immanuel-Kant-Gymnasium, Scharnhorststraße 15, 04275 Leipzig

Die Sachsen-Tour 2017

  • 12. Juni: Immanuel-Kant-Gymnasium, Leipzig
  • 13. Juni: Christian-Lehmann-Oberschule, Scheibenberg
  • 14. Juni: Berthold-Brecht-Gymnasium, Schwarzenberg
  • 15. Juni: Weinholdschule, Reichenbach/Vogtland
  • 16. Juni: Wehrdigtschule, Glauchau

Finanzierung

on.tour – Das jüdische Museum Berlin macht Schule wird unterstützt von den Freunden des Jüdischen Museums Berlin. Weitere Unterstützer waren die Daimler Financial Services AG und das Ehepaar Eric F. Ross und Lore Ross (sel. A.).

Mitarbeiterinnen und Guides von <cite>on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule</cite> mit Programmdirektorin Léontine Meijer-van Mensch

Mitarbeiterinnen und Guides von on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule mit Programmdirektorin Léontine Meijer-van Mensch; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Yves Sucksdorff