Die mobile Ausstellung on.tour besucht vom 3. bis 7. Juli Hamburg und Schleswig-Holstein

Die mobile Ausstellung »on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule« zeigt die Vielfalt des Jüdischseins in Deutschland – Presseinformation

Pressemitteilung vom28. Juni 2017

Vom 3. bis 7. Juli besucht das Jüdische Museum Berlin mit seiner mobilen Ausstellung fünf Schulen in Schleswig-Holstein und Hamburg. Das erfolgreiche Outreach-Programm on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule fährt im zehnten Jahr wieder 30 weiterführende Schulen im gesamten Bundesgebiet an. Bis Ende des Jahres ist das Jüdische Museum Berlin in insgesamt acht Bundesländern unterwegs. Zudem werden die on.tour-Guides im September wieder mit Häftlingen in Jugendstrafanstalten arbeiten.

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Stiftung Jüdisches Museum Berlin
Lindenstraße 9–14
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Mitarbeiterinnen und Guides von <cite>on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule</cite> mit Programmdirektorin Léontine Meijer-van Mensch

Mitarbeiterinnen und Guides von on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule mit Programmdirektorin Léontine Meijer-van Mensch; Foto: Jüdisches Museum Berlin, Foto: Yves Sucksdorff.

Mit interaktiven Führungen durch die mobile Ausstellung und zwei iPad-Workshops laden die Museumspädagogen die Schüler zum Gespräch über jüdische Geschichte ein. Ein Schwerpunkt ist bei dieser Tour, jüdische Religion in ihrer ganzen Vielfalt zu zeigen. »Was Jüdinnen und Juden in Deutschland heute ausmacht, ist ihre Vielfalt. Sie kommen aus Ost- und Westdeutschland, aus der ehemaligen Sowjetunion und aus Israel. Viele sprechen zwei Sprachen und verstehen sich längst als Weltenbürger. Als Gemeinsamkeit haben sie immer ihr Jüdischsein. Sie legen die Tradition und Rituale individuell sehr unterschiedlich aus, einige leben in einem Paradox von Vergangenheit und individueller Realität«, sagt Sarah Hiron, Leiterin Outreach in der Bildungsabteilung des Jüdischen Museums Berlin. Dabei achten die Pädagogen besonders auf den Bezug zur Lebenswelt der Teilnehmer: Sie diskutieren gemeinsam über die eigene Identität, Kultur und Religiosität und schaffen damit Grundlagen für eine differenzierte Sicht auf das »Eigene« und das »Andere«. Die Schüler entdecken so, wie vielfältig und unterschiedlich Jüdischsein in Deutschland gelebt wird und wurde.

Jüdisches Leben zwischen Hamburg und Flensburg

In der Arbeit mit den Schülern werden immer auch regionale Bezugspunkte zu Orten jüdischen Lebens in Vergangenheit und Gegenwart in unmittelbarer Umgebung der Schulen hergestellt. So gab es mit Ausnahme von Hamburg in den von on.tour besuchten Orten erst ab dem 19. Jahrhundert bis Anfang der 1940er Jahre kleinere jüdische Gemeinden und Gemeinschaften.

In Flensburg durften Juden erst Anfang des 19. Jahrhunderts und nur mit Unterstützung des dänischen Königs Friedrich VI. wohnen. Die jüdische Gemeinde bestand aus wenigen Familien, sie hatte weder eine Synagoge, noch einen eigenen Friedhof und nur wechselnde Betstuben. In den Städten Itzehoe, Heide und Quickborn lebten ebenfalls nur wenige Juden. In Quickborn gibt es heute die Gedenkstätte für die jüdischen Kriegsgefangenen im Quickborner Himmelmoor, die dort zwischen 1942 und 1945 Zwangsarbeit leisten mussten.

In Hamburg lebte seit dem 16. Jahrhundert eine bedeutende sephardische Gemeinde. Aus Hamburg stammte unter vielen anderen die weitgereiste Händlerin, erfolgreiche Geschäftsfrau und zwölffache Mutter Glikl bas Judah Leib, geboren 1646/47. Ihr Lebensbericht gibt eindrucksvolle Einblicke in die gesellschaftlichen Umstände jener Zeit. Die 1945 von Überlebenden der Schoa neu gegründete Gemeinde besitzt seit 1960 eine neugebaute Synagoge in der »Hohe Weide«. Nach der Zuwanderung von Juden aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion hat die Gemeinde heute etwa 3.100 Mitglieder.

Themen der mobilen Würfelausstellung

Die Ausstellung ermöglicht den Museumspädagogen die Arbeit in kleinen Gruppen von fünf bis acht Schülern. In die fünf robusten hüfthohen Würfel sind insgesamt 16 Vitrinen eingebaut sowie Texte und Karten, Abbildungen und Fotografien angebracht. Die Würfel widmen sich den Themen »Jüdisches«, »Leben und Überleben«, »Lebenswege«, »Feste feiern« und »Anfang, Ende und dazwischen«. Unter Anleitung der Museumspädagogen erarbeiten sich die Schüler die fünf Themen in Kleingruppen und bewegen dabei die Würfel durch den Raum. Der Ausstellungswürfel »Feste feiern« beispielsweise widmet sich den wichtigsten jüdischen Feiertagen. So lernen die Kinder und Jugendlichen, dass während des Pessach-Fests die Befreiung der Juden aus der ägyptischen Sklaverei gefeiert wird und dass das Chanukka-Fest an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem erinnert. Diese Feiertage werden unterschiedlich praktiziert, bei einigen stehen religiöse, bei anderen traditionelle Aspekte im Vordergrund.

i-Pad-Workshop »So einfach war das«

In begleitenden Workshops beschäftigen sich die Schüler anhand von Biografien mit Fragen zu Identitäten und jüdischem Leben nach 1945. In dem iPad-Workshop »So einfach war das« stellte das Jüdische Museum Berlin bekannten und unbekannten, gläubigen und weniger gläubigen Juden verschiedener Generationen die Frage: »Wie war das eigentlich, nach 1945 als Jude in Deutschland aufzuwachsen?« Die Protagonisten erzählten zu einem Foto aus ihrer Kindheit oder Jugend eine für sie prägende Geschichte. An iPads können die Schüler die Kindheits- und Jugenderzählungen von Minka Pradelski, Andrzej Bodek, Michael Brenner, Rachel Singer, Tsafrir Cohen, Wladimir Kaminer, Ekaterina Kaufmann, Zwi Wasserstein und Daniel Wildmann auswählen und anhören. Anschließend tauschen sie sich über die einzelnen Biografien aus und setzen ihre eigenen Erfahrungen in Bezug zu dem Gehörten.

i-Pad-Workshop »Meine Seite(n)« zu Judentum heute

Hier steht die Arbeit mit aktuellen Biografien im Vordergrund: Die Schüler lernen die unterschiedlichen Lebenswelten von sechs jüdischen Jugendlichen in Deutschland kennen. Interaktive Tagebücher auf iPads geben einen Einblick in das Leben von Adam, Albina, Benjamin, David, Helen und Leon. Gleichzeitig zeigen sie die kulturelle Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland heute. In kleinen Gruppen erarbeiten sich die Schüler jeweils eine Biografie und entdecken dabei auch eigene Seiten. Wie geht beispielsweise Albina mit einem christlichen Großvater, muslimischem Vater und jüdischer Mutter mit ihrem Glauben um? Mit dieser und ähnlichen Fragen nähern sich die Schüler in der anschließenden Diskussion den Themen Identität und Interkulturalität, Herkunft, Glaube und Heimat.

Die Hamburg/Schleswig-Holstein-Tour 2017
  • 3. Juli: Stadtteilschule Kirchwerder, Hamburg
  • 4. Juli: Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, Quickborn
  • 5. Juli: Gemeinschaftsschule am Lehmwohld, Itzehoe
  • 6. Juli: Klaus-Groth-Schule, Heide
  • 7. Juli: Goethe-Schule, Flensburg
Zehn Jahre Bildungsinitiative on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule

Das in der Bildungsarbeit fest verankerte Outreach-Programm startete 2007 als Pilotprojekt in Deutschland und ist bis heute eine Erfolgsgeschichte. »Jede Schülerin und jeder Schüler in Deutschland sollte mindestens einmal das Jüdische Museum Berlin besucht haben, bevor die Schule beendet ist«, damit formulierte Gründungsdirektor W. Michael Blumenthal schon 2007 das Ziel der mobilen Bildungsinitiative, diejenigen Schüler zu erreichen, die nicht ohne Weiteres nach Berlin reisen können. Seit ihrem Debüt am 11. Juni 2007 besuchte die mobile Ausstellung bundesweit 544 weiterführende Schulen sowie Jugendstrafanstalten in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Bis heute nahmen mehr als 69.500 Jugendliche an dem Programm teil.

Nominierung für den BKM-Preis Kulturelle Bildung

Im Jubiläumsjahr wurde on.tour erstmals für den BKM-Preis Kulturelle Bildung nominiert. Mit dem Preis werden beispielhafte Projekte der kulturellen Vermittlung ausgezeichnet. Bei der Nominierung stehen Innovation und Nachhaltigkeit der Projekte im Mittelpunkt. Schon im Jahr 2009 wurde die mobile Ausstellung für ihre innovative pädagogische Pionierarbeit von der Initiative »Deutschland – Land der Ideen« ausgezeichnet. Neben dem größten Outreach-Programm on.tour bietet das Jüdische Museum Berlin noch weitere Bildungsinitiativen, mit der Jugendliche außerhalb des Museums erreicht werden. Dazu zählen die langjährige Zusammenarbeit mit sechs Kooperationsschulen in Berlin, die Ausbildung von Jugendlichen zu Peer to Peer-Guides und Bildungsprojekte mit Geflüchteten. »In den kommenden Jahren wollen wir an diese großen Erfolge anknüpfen. Wir werden die mobile Ausstellung weiterentwickeln und 2018 erstmals auch Berliner Schulen besuchen. So bleibt unser Museum auch während der Umbauphase der Dauerausstellung bei Berliner Schülern präsent und wir im Dialog über die Vielfältigkeit des Jüdischseins in Deutschland«, sagt Léontine Meijer-van Mensch, Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin.

Finanzierung

on.tour – Das jüdische Museum Berlin macht Schule wird unterstützt von den Freunden des Jüdischen Museums Berlin. Weitere Unterstützer waren die Daimler Financial Services AG und das Ehepaar Eric F. Ross und Lore Ross (sel. A.).

Weitere Informationen und Fotos

Weitere Informationen und die Termine der bundesweiten Tour finden Sie hier: http://www.jmberlin.de/aktuelles-von-ontour.

Fotos für die aktuelle Berichterstattung können Sie unter Beachtung des Bildnachweises hier herunterladen: https://www.jmberlin.de/bildmaterial-ontour-das-juedische-museum-berlin-macht-schule.