Direkt zum Inhalt

Der Besuch des Museums ist nur mit einem Zeitfenster-Ticket möglich, das Sie in unserem Online-Shop erhalten.

Digitale Preisverleihung und Vorabbesichtigung für die Presse

DAGESH-Kunstpreis 2021 wird am 20. Mai an Talya Feldman verliehen

Pressemitteilung vom Mi, 12. Mai 2021

Am Donnerstag, dem 20. Mai wird die Künstlerin Talya Feldman mit dem 2. DAGESH-Kunstpreis für ihre Installation The Violence We Have Witnessed Carries a Weight on Our Hearts ausgezeichnet. Der mit 7000 Euro dotierte Preis wird vom Jüdischen Museum Berlin (JMB) und DAGESH. Jüdische Kunst im Kontext verliehen. Er stärkt eine neue und vielfältige Sichtbarkeit jüdischer Gegenwartspositionen und zeichnet Werke aus, die sich mit den Problemen der Gegenwart und der Frage von Zusammenleben auseinandersetzen. Das Thema des Wettbewerbes 2021 war „Wehrhafte Kunst“.

Die Installation wird vom 21. Mai bis zum 1. August in der Eric F. Ross Galerie im Libeskindbau des Jüdischen Museums Berlin ausgestellt.

Kontakt

Pressestelle
T +49 (0)30 259 93 419
F +49 (0)30 259 93 400
presse@jmberlin.de

Postadresse

Stiftung Jüdisches Museum Berlin
Lindenstraße 9–14
10969 Berlin

Übersichtsplan mit allen Gebäuden, die zum Jüdischen Museum Berlin gehören. Der Libeskind-Bau ist grün markiert

Ort

Libeskind-Bau EG, Eric F. Ross Galerie
Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin

Öffentliche digitale Preisverleihung am 20. Mai

Beginn: 19 Uhr
Ort: YouTube-Kanal von DAGESH

Programm

  • Begrüßung und Preisverleihung von Hetty Berg, Direktorin des Jüdischen Museums Berlin
  • Virtuelle Tour durch die Ausstellung mit der Künstlerin Talya Feldman, Julia Y. Alfandari, Programmkoordinatorin von DAGESH. Jüdische Kunst im Kontext, und Gregor H. Lersch, Leiter Ausstellungen und Kurator, Jüdisches Museum Berlin
  • Überlegungen zu „Wehrhafter Kunst“ und Verabschiedung von Jo Frank, Geschäftsführer von DAGESH. Jüdische Kunst im Kontext / Director of Development der Leo Baeck Foundation

Die Preisverleihung findet in deutscher und englischer Sprache statt.

Presse-Previews am 20. Mai

Um 11 Uhr gibt es die Möglichkeit zur Vorbesichtigung der Ausstellung vor Ort. Die Künstlerin ist anwesend.

Aufgrund der aktuellen Situation sind die Kapazitäten leider eingeschränkt.

Bitte melden Sie sich möglichst frühzeitig, ebenso für Interviewwünsche, unter: presse@jmberlin.de

Talya Feldman untersucht in ihrer multimedialen Arbeit The Violence We Have Witnessed Carries a Weight on Our Hearts die Kontinuitäten rechten Terrors in Deutschland von 1979 bis heute. Sie präsentiert Sprachaufnahmen von Überlebenden rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt sowie von Familien der Terroropfer und Initiativen, die gegen rechten Terror kämpfen.

Die raumgreifende Installation versammelt Dutzende von Stimmen aus 18 Städten, in denen Attentate und Anschläge stattgefunden haben – von der Ermordung von Raúl Garcia Paret und Delfin Guerra in Merseburg im Jahr 1979 bis zu den Morden an Ferhat Unvar, Said Nesar Hashemi, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin in Hanau im Jahr 2020.

Die Ausstellung stellt eine Landkarte Deutschlands mit Grundrissen der 18 Städte dar. Auf von der Decke hängenden Netzen – einem Material, das im Gerüstbau zum Schutz von Passanten vor herabfallenden Trümmern verwendet wird – sind Smartphones integriert, die in Sprachbotschaften die Überlebenden und Betroffenen der Anschläge zu Wort kommen lassen. Die Stimmen kommunizieren in einer komplexen Synchronisierung miteinander und bilden ein akustisches und auch visuelles Netzwerk: Die auf den Displays visualisierten Klangwellen verweisen auf das Format der Sprachnachrichten, die die Betroffenen während der Pandemie im letzten Jahr an Gedenk- oder Protesttagen untereinander verschickt haben, von Stadt zu Stadt, auf Deutsch, Türkisch, Englisch, Spanisch, Hebräisch und Französisch. Sie pulsieren wie Herzschläge, die zwischen den Menschen widerhallen und an die Gewalt und deren Opfer über Zeit und Raum hinweg erinnern.

Aus der Perspektive der betroffenen Menschen zeigt Talya Feldman, wie groß die Traumata für das Umfeld der Opfer auch nach den Anschlägen sind – bis heute. Die Stimmen in der Installation thematisieren auch die Rolle von Polizei, Verfassungsschutz und Justiz, die sich in zahlreichen Fällen zu spät und nicht ausreichend auf die Täter aus rechten Netzwerken konzentrierten. So wurden bereits 1980 im Fall der Ermordung von Shlomo Lewin und Frida Poeschke die Täter zunächst im Umfeld der Opfer gesucht, obwohl verschiedene Hinweise für rechtsextreme Täter sprachen. Nicht zuletzt die Anschlagsserie des NSU und die Anschläge von Halle und Hanau haben gezeigt, wie mangelhaft der Schutz vor und die Aufarbeitung von rechtem Terror in Deutschland nach 1945 funktioniert hat. Seit 1945 wurden in Deutschland Hunderte Menschen Todesopfer rechtsextremer Gewalt. Diese Kontinuität macht Talya Feldmans Installtion erfahrbar.

Ihre Arbeit The Violence We Have Witnessed Carries a Weight on Our Hearts wurde aus 60 Einreichungen zum Thema „Wehrhafte Kunst“ von einer achtköpfigen Jury ausgewählt.

Der DAGESH-Kunstpreis und die Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin werden durch eine Förderung der Freunde des Jüdischen Museums Berlin ermöglicht.

Informationen zur Künstlerin

Talya Feldman, geboren 1990 in Denver, Colorado, ist eine Medienkünstlerin, die derzeit in Hamburg arbeitet. Sie erhielt einen B.F.A. von der School of the Art Institute of Chicago und studiert aktuell an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Ihre Kunst wurde in Chicago, New York, Hamburg und zuletzt von dem Künstlerkollektiv Odessa Nomadic in Denver und dem Jüdischen Museum Frankfurt ausgestellt. Als Überlebende des rassistischen und antisemitischen Anschlags in Halle am 9. Oktober 2019 erhielt Feldman Anerkennung für ihre nachfolgenden Projekte gegen rechten Terror in Zusammenarbeit mit dem Aktivistennetzwerk NSU-Watch.

Mehr Infos auf der Website der Künstlerin

DAGESH-Kunstpreis

Der Preis wird vom Jüdischen Museum Berlin und DAGESH. Jüdische Kunst im Kontext verliehen. Zur Jury des 2. DAGESH-Kunstpreis zählten Ilit Azoulay (Bildende Künstlerin), Sasha Marianna Salzmann (Dramaturgin und Schriftstellerin), Noam Brusilovsky (Hörspiel- und Theaterregisseur), Hetty Berg (Direktorin, JMB), Jo Frank (Director of Development, Leo Baeck Foundation), Gregor H. Lersch (Leiter Ausstellungen, JMB), Inka Bertz (Leiterin Sammlung, JMB) und Daniel Laufer (Kurator, DAGESH).

Teilen, Newsletter, Feedback