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Ab 23. August 2020 präsentiert die vollständig neu gestaltete Dauer­ausstellung jüdische Geschichte und Gegenwart in Deutschland. Bis dahin bleibt das Jüdische Museum Berlin wegen Umbaus geschlossen.

Sensibilisierung für Flucht und Exil

Das mobile Museum zu Gast in Baden-Württemberg - Presseinformation

Pressemitteilung vom Do, 23. Jun 2016

Zum zehnten Mal besucht das Jüdische Museum Berlin mit seiner mobilen Ausstellung weiterführende Schulen im ganzen Bundesgebiet. Vom 27. Juni bis zum 1. Juli ist »on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule« zu Gast in Baden-Württemberg. Der Fokus der mobilen Ausstellung liegt in diesem Jahr auf den Themen Flucht und Exil. »Eines unserer Ziele ist es, Schülerinnen und Schüler für das Thema Flucht, Exil und Vielfalt in der Gesellschaft anhand der jüdischen Geschichte zu sensibilisieren«, sagt Sarah Hiron, Leiterin Outreach in der Bildungsabteilung des Jüdischen Museums Berlin.

Bis Ende 2016 besucht das Jüdische Museum Berlin insgesamt sieben Bundesländer und zwei Jugendstrafanstalten in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. So wird das Thema »Leben und Überleben« verdeutlicht an Fluchtgeschichten wie die der 1914 im württembergischen Laupheim geborenen Hochspringerin Gretel Bergmann, die 1936 bei den Olympischen Spielen als Favoritin für die Goldmedaille in den letzten Minuten von den Wettkämpfen ausgeschlossen wurde oder der Familie des damals 12-jährigen Fritz Freudenheim, dem 1938 die Flucht aus Berlin über Hamburg nach Uruguay gelang.

In den Gesprächen zwischen Guides und Schülern werden neben den jüdischen Flucht- und Exilgeschichten auch Bezugspunkte zu Flucht und Heimat heute thematisiert. Auch die jüdische Lokalgeschichte in den fünf Orten wird Thema sein: So gab es in Rottweil und Villingen im Mittelalter eine jüdische Gemeinde und in Söllingen (Gde. Pfinztal) überlebten Richard Pick und Eva Kolatka versteckt die nationalsozialistische Verfolgung.

Mit interaktiven Führungen durch die mobile Ausstellung und zwei iPad-Workshops laden die Museumspädagogen die Schüler zum Gespräch über jüdische Geschichte ein und diskutieren mit ihnen über jüdische Religion, Tradition und Identität. Die Ausstellung ermöglicht den Museumspädagogen die Arbeit in kleinen Gruppen von fünf bis acht Schülern.

Themen der mobilen Würfelausstellung

In die fünf robusten hüfthohen Würfel sind insgesamt 16 Vitrinen eingebaut sowie Texte und Karten, Abbildungen und Fotografien angebracht. Die Würfel widmen sich den Themen »Jüdisches«, »Leben und Überleben«, »Lebenswege«, »Feste feiern« und »Anfang, Ende und dazwischen«. Unter Anleitung der Museumspädagogen erarbeiten sich die Schüler die fünf Themen in Kleingruppen und bewegen dabei die Würfel durch den Raum.
Der Ausstellungswürfel »Feste feiern« beispielsweise widmet sich den wichtigsten jüdischen Feiertagen. So lernen die Kinder und Jugendlichen, dass während des Pessach-Fests die Befreiung der Juden aus der ägyptischen Sklaverei gefeiert wird und dass das Chanukka-Fest an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem erinnert.

i-Pad-Workshop »So einfach war das«

In begleitenden Workshops beschäftigen sich die Schüler anhand von Biografien mit Fragen zu Identitäten und jüdischem Leben nach 1945. In dem iPad-Workshop »So einfach war das« stellte das Jüdische Museum Berlin bekannten und unbekannten, gläubigen und weniger gläubigen Juden verschiedener Generationen die Frage: »Wie war das eigentlich nach 1945 als Jude in Deutschland aufzuwachsen?« Die Protagonisten erzählten zu einem Foto aus ihrer Kindheit oder Jugend eine für sie prägende Geschichte. An iPads können die Schüler die Kindheits- und Jugenderzählungen von Andrzej Bodek, Michael Brenner, Tsafrir Cohen, Wladimir Kaminer, Ekaterina Kaufmann, Minka Pradelski, Rachel Singer, Zwi Wasserstein und Daniel Wildmann auswählen und anhören. Anschließend tauschen sie sich über die einzelnen Biografien aus und setzen ihre eigenen Erfahrungen in Bezug zu dem Gehörten.

i-Pad-Workshop »Meine Seite(n)« zu Judentum heute

Hier steht die Arbeit mit aktuellen Biografien im Vordergrund: Die Schüler lernen die unterschiedlichen Lebenswelten von sechs jüdischen Jugendlichen in Deutschland kennen. Interaktive Tagebücher auf iPads geben einen Einblick in das Leben von Adam, Albina, Benjamin, David, Helen und Leon. Gleichzeitig zeigen sie die kulturelle Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland heute. In kleinen Gruppen erarbeiten sich die Schüler jeweils eine Biografie und entdecken dabei auch eigene Seiten. Wie geht beispielsweise Albina mit einem christlichen Großvater, muslimischem Vater und jüdischer Mutter, mit ihrem Glauben um? Mit dieser und ähnlichen Fragen nähern sich die Schüler in der anschließenden Diskussion den Themen Identität und Interkulturalität, Herkunft, Glaube und Heimat.

Die Bildungsinitiative »on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule«

»Jeder Schüler in Deutschland sollte mindestens einmal das Jüdische Museum Berlin besucht haben, bevor die Schule beendet ist«, sagt Gründungsdirektor W. Michael Blumenthal. Damit formulierte er das Ziel der mobilen Bildungsinitiative diejenigen Schüler zu erreichen, die nicht ohne Weiteres nach Berlin reisen können. Seit 2007 besuchte das mobile Museum bundesweit mehr als 500 weiterführende Schulen sowie die Jugendstrafanstalt Berlin. Für seine innovative pädagogische Pionierarbeit wurde »on.tour« 2009 von der Initiative »Deutschland – Land der Ideen« ausgezeichnet. Bis Ende 2015 nahmen mehr als 65.000 Jugendliche teil.

Die Baden-Württemberg-Tour 2016

  • Montag, 27.06.2016: Geschwister-Scholl-Schule, Pestalozzistr. 5, 69181 Leimen
  • Dienstag, 28.06.2016: Gymnasium Karlsbad, Am Schelmenbusch, 76307 Karlsbad
  • Mittwoch, 29.06.2016: Ludwig-Marum-Gymnasium, Schlossgartenstr. 11, 76327 Pfinztal
  • Donnerstag, 30.06.2016: Schulverbund am Deutenberg, Brandenburger Ring 131, 78056 VS-Schwenningen
  • Freitag, 01.07.2016: Maximilian-Kolbe-Schule, Bollershofstr. 14, 78628 Rottweil-Hausen

Finanzierung
Mit freundlicher Unterstützung von Daimler Financial Services, der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Jüdisches Museum Berlin e.V. und dem Ehepaar Eric F. Ross und Lore Ross (sel. A.).

Bei Interesse an Berichterstattung melden Sie sich bitte bei der Pressestelle an.

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