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Ab Samstag, 14. März 2020 bleibt das Jüdische Museum Berlin bis auf Weiteres für Besucher*innen geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Charlotte Salomon: Leben? oder Theater?

Mit einer Installation von Chantal Akermann

Als 23-Jährige malte Charlotte Salomon die Geschichte ihres Lebens: 1917 in Berlin geboren, flüchtete sie 1939 zu ihren bereits emigrierten Großeltern nach Südfrankreich. Erst nach dem Selbstmord ihrer Großmutter 1940 erfuhr Charlotte Salomon von ihrem Großvater, dass sich auch ihre 1926 verstorbene Mutter das Leben genommen hatte. Salomon stürzte in eine tiefe Krise und begann, sich malend mit ihrer Biografie auseinanderzusetzen: innerhalb weniger Monate fertigte sie 1.325 Gouachen und transparente Blätter an. Charlotte Salomon wurde 1943 verhaftet, über Drancy nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Ausstellung bereits beendet

Ort

Altbau 1. OG

Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin

Das Werk

Für ihren dreiteiligen Bilderzyklus Leben? oder Theater? Ein Singspiel wählte Charlotte Salomon 800 ihrer 1.325 Gouachen aus und nummerierte sie. Die Bilder erinnern an gezeichnete Film-Drehbücher oder Comics. An vielen Stellen notierte Salomon zudem die Titel der Musikstücke, die sie sich als Begleitmelodie zur jeweiligen Szene vorstellte.

Die Ausstellung

Die Wanderausstellung zeigte eine Auswahl von 277 Blätter aus dieser Bilderfolge. Sie war seit 2004 in zahlreichen Städten zu sehen, unter anderem im Frankfurter Städel Museum (2004) sowie in Yad Vashem in Jerusalem (2006). Die Schau in Berlin von 2007 bildete die letzte Station der Wanderausstellung.

Besonderheiten der Berliner Ausstellung

In Berlin, dem Schauplatz von Leben? oder Theater?, wurde die Ausstellung durch eine Dokumentation ergänzt. Gezeigt wurden Fotografien, Objekte und verschiedene Quellen aus Berliner Archiven und Privatsammlungen sowie dem Joods Historisch Museums. So erhielten die Besucher*innen Einblicke in das Berliner Familienleben der Salomons sowie Eindrücke von Charlotte Salomons Umfeld im südfranzösischen Exil. Anhand der vielen Berliner Originaldokumente konnten die Besucher*innen zudem den zunehmenden Ausschluss aller Familienmitglieder aus dem öffentlichen Leben, Bildungseinrichtungen bzw. Berufstätigkeit als Folge der antijüdischen Gesetzgebung nach 1933 unmittelbar nachvollziehen.

Als künstlerischer Kontrapunkt zu Leben? oder Theater? wurde im Jüdischen Museum Berlin die Installation Neben seinen Schnürsenkeln in einem leeren Kühlschrank laufen von Chantal Akerman gezeigt. Im Zentrum dieser Arbeit Akermans aus dem Jahr 2004 steht des Jugendtagebuch ihrer Großmutter, die in Auschwitz ermordet wurde.

Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin in Zusammenarbeit mit dem Joods Historisch Museum, Amsterdam.

Joods Historisch Museum

Das Amsterdamer Joods Historisch Museum (Jüdisches Historisches Museum, JHM)

sammelt und zeigt Zeugnisse jüdischen Lebens in den Niederlanden.
Website des Joods Historisch Museum (auf Niederländisch)

Website des Joods Historisch Museum (auf Englisch)

Über das Joods Historisch Museum:

Mehr bei Wikipedia

Charlotte Salomon

Wer mehr über Charlotte Salomons Biografie, insbesondere ihre Berliner Zeit, erfahren möchte, wird bei Wikipedia fündig:.

Mehr bei Wikipedia

Das Joods Historisch Museums zeigt die vollständige Sammlung aller Gouachen aus Leben? oder Theater?. Die auf den Blättern notierten Texte Salomons werden zusätzlich in deutscher, französischer und englischer Transkriptionen angeboten, auf Englisch auch als eingesprochene Audios. Wer mag, kann sie sich die Zeichnungen dort auch nach Themen und Personen sortiert anzeigen lassen.

Gouachen (Navigation auf Englisch)

Eine Einführung in Salomons Werk, Fotos der wichtigsten Protagonist*innen aus Leben? oder Theater?, andere Werke Salomons, eine Liste mit Filmen über Charlotte Salomon und weiteres Material stellt das Joods Historisch Museums ebenfalls online zur Verfügung:

Materialien zu Salomons Werk (auf Englisch)

Chantal Akerman

Die belgische Filmemacherin und Drehbuchautorin Chantal Akerman realisierte über 40 Dokumentar-, Essay- und Experimentalfilme. Akerman wurde 1950 in Brüssel geboren. Sie nahm sich 2015 in Paris das Leben.

Mehr bei Wikipedia

Die vollständig Filmografie Akermans, Trailer zu einigen ihrer Filme und weiteres Material finden Sie in der Internet Movie Database (IMDb):

Chantal Akerman bei IMDb (auf Englisch)

Informationen zur Ausstellung im Überblick

  • Wann

    17. Aug bis 25. Nov 2007

  • Wo

    Altbau 1. OG
    Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin
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