»Ohne Erinnerung keine Zukunft«

Neue Gesprächsreihe mit Zeitzeugen im Jüdischen Museum Berlin

Pressemitteilung vom17. Oktober 2017

Am Montag, dem 23. Oktober startet das Jüdische Museum Berlin eine neue Reihe unter dem Titel Zeitzeugen im Gespräch. Erfahrungen und Schicksale deutscher Juden im Nationalsozialismus. Damit wird die bewährte Zusammenarbeit mit Schulen und Stiftern jetzt einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.

»Ohne Erinnerung gibt es keine Zukunft«, sagt Peter Schäfer, Direktor des Jüdischen Museums Berlin. »Wir sind dankbar für die wertvollen persönlichen Kontakte mit unseren Stiftern. Der direkte Kontakt und lebendige Austausch mit diesen Holocaust-Überlebenden ist vor allem auch für die jüngere Generation von großer Bedeutung.«

Auftakt der moderierten Gespräche sind Lesungen autobiografischer Texte, Ausschnitte aus Filmen oder die Vorstellung gestifteter Objekte. Die neue Reihe mit Stiftern des Museums läuft bis September 2018.

Katharina Schmidt-Narischkin
Pressesprecherin
Tel.: 
+49 (0)30 259 93 419
Fax: 
+49 (0)30 259 93 400

Stiftung Jüdisches Museum Berlin
Lindenstraße 9–14
10969 Berlin

Auftaktveranstaltung mit Henry Wuga: Mit dem Kindertransport von Nürnberg nach Glasgow

Für die Auftaktveranstaltung reist Henry Wuga, 93, mit seiner Frau Ingrid Wolff aus Glasgow an. Er wird von dem Leben seiner Familie in Nürnberg erzählen, von seinen Erfahrungen zur Zeit des Nationalsozialismus und von seiner Rettung mit einem Kindertransport nach Schottland. In Glasgow lernte er im Refugee Club seine spätere Frau Ingrid Wolff kennen. 1947 konnte er seine Mutter, die im Versteck überlebt hatte, zu sich holen. Henry Wuga blieb in Glasgow und eröffnete nach einer Karriere als Chef de Cuisine im Grand Hotel zusammen mit Ingrid seinen eigenen koscheren Catering-Service. Als Einführung in diesen Abend werden kurze Auszüge aus dem Film Kindertransport – In eine fremde Welt gezeigt. Daran anschließend folgt das moderierte Gespräch.

Stifter und Nachlässe aus der ganzen Welt

Zu den Stiftern der Nachlässe pflegt das Jüdische Museum Berlin seit Gründung des Museums enge Kontakte. Allein in monatlichen Archivworkshops haben seit 2004 bis zu 100 Zeitzeugen ihre Erfahrungen an mehr als 8000 Schüler, Studenten und Lehrkräfte weitergegeben. »Die Zusammenarbeit mit Überlebenden des Holocaust ist ein wesentlicher Bestandteil der Bildungs- und Archivarbeit des Museums«, betont Aubrey Pomerance, Leiter des Archivs des Jüdischen Museums Berlin. Das Archiv bewahrt zahlreiche Nachlässe und Familiensammlungen, welche die Lebenswege von deutschen Juden und Juden in Deutschland umfangreich dokumentieren. Die Bestände reichen von der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart, mit einem Schwerpunkt auf dem 19. und 20. Jahrhundert.

Besonders umfangreich überliefert sind Zeugnisse zum Leben und zur Verfolgung in der NS-Zeit: von Diskriminierungen und Ausgrenzungen wie auch von Familienleben, Alltag und Selbstbehauptung unter dem Hakenkreuz, von der Emigration und dem Aufbau neuer Existenzen im Exil, aber auch von Internierung, Deportation und Ermordung. Gestiftet werden diese Zeugnisse von Familien aus der ganzen Welt.

Die Veranstaltungsreihe wird unterstützt von der Berliner Sparkasse.

Ort: Saal W. Michael Blumenthal Akademie
Eintritt: frei
Zeit: 19 Uhr
Besucheranmeldung: Tel. +49 (0)30 259 93 488 oder reservierung@jmberlin.de

Fortsetzung der Reihe

4. Dezember 2017

Kurt Roberg, 1924 in Celle geboren, emigrierte Ende 1938 in die Niederlande, wohin seine Familie folgte; Eltern und Brüder gelang es über Kuba in die USA einzureisen. Kurt erlebte die Bombardierung Rotterdams, musste im März 1941 nach Berlin zurückkehren und konnte im Mai desselben Jahres über Lissabon in die USA auswandern.
Einführung: Vorstellung der von ihm gestifteten Objekte und Dokumente

2018

Walter Frankenstein, 1924 in Flatow geboren, lebte ab 1936 im Auerbach’schen Waisenhaus in Berlin, wo er eine jüdische Schule besuchte. 1938 machte er eine Lehre als Maurer in der Bauschule der Jüdischen Gemeinde. 1942 heiratete er Leonie Rosner, mit der er 1943 und 1944 zwei Söhne bekam; zu dieser Zeit musste er Zwangsarbeit leisten. Als der Familie die Deportation drohte, tauchte sie unter und überlebten bis zur Befreiung 1945 im Versteck. Nach Kriegsende emigrierte die Familie nach Palästina; in den 1950er Jahren ging sie nach Schweden.
Einführung: Vorstellung der von ihm gestifteten Dokumente

Margot Friedlander, 1921 geboren, lebte mit ihrem vier Jahre jüngeren Bruder Ralph bei der Mutter Auguste Bendheim in Berlin-Kreuzberg. Eine geplante Ausreise in die USA scheiterte 1938. Am 20. Januar 1943 wurde ihr Bruder Ralph von der Gestapo verhaftet und zusammen mit der Mutter ins KZ Auschwitz deportiert und ermordet. Margot lebte fortan in verschiedenen Verstecken. Im Frühjahr 1944 wurde sie verhaftet und in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie überlebte und reiste 1946 nach New York aus.
Einführung: Lesung aus ihrer Biographie Versuche, dein Leben zu machen. Als Jüdin versteckt in Berlin

Anita Lasker Wallfisch, 1925 in Breslau geboren. Ihre Eltern wurden deportiert und ermordet. Sie war Cellistin im Frauen-Orchester in Auschwitz-Birkenau, wurde im April 1945 in Bergen-Belsen befreit und wanderte 1946 nach England aus.
Einführung: Lesung aus ihrer Biographie Ihr sollt die Wahrheit erben. Die Cellistin von Auschwitz. Erinnerungen

Hanni Levy, geboren 1924 in Berlin, leistete Zwangsarbeit in der Spinnstofffabrik Zehlendorf, tauchte kurz vor der Fabrikaktion unter und überlebte in Berlin. Ende 1946 emigrierte sie nach Paris zu ihrem Onkel.
Einführung: Ausschnitte aus dem Spielfilm Die Unsichtbaren. Wir wollen leben (2017)

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