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Ab 23. August 2020 präsentiert die vollständig neu gestaltete Dauer­ausstellung jüdische Geschichte und Gegenwart in Deutschland. Bis dahin bleibt das Jüdische Museum Berlin wegen Umbaus geschlossen.

Sensibilisierung für Flucht und Exil

Das mobile Museum »on.tour« besucht vom 26. bis 30. September fünf Schulen in Hessen

Pressemitteilung vom Mi, 21. Sep 2016

Ab Montag, dem 26. September macht »on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule« Station in Hessen. Mit der mobilen Ausstellung besucht das Museum eine Woche lang fünf Schulen in Kassel, Bad Hersfeld, Bad Vilbel, Bensheim und Limburg. Das Jüdische Museum Berlin fährt im zehnten Jahr weiterführende Schulen im ganzen Bundesgebiet an. Museumspädagogen laden die Schüler*innen mit der mobilen Ausstellung und in iPad-Workshops zum Gespräch über jüdische Geschichte, Religion, und Identität ein.

Noch heute existieren jüdische Gemeinden in Kassel, Limburg und Bad Vilbel, schon im hohen Mittelalter gab es in Kassel, Bad Hersfeld, Limburg und Bensheim Synagogen. Einige der Städte sind zudem geprägt von bekannten jüdischen Persönlichkeiten: So wurde 1886 in Kassel der Historiker und Philosoph Franz Rosenzweig geboren, der später zusammen mit Martin Buber die Bibel aus dem Hebräischen übersetzte. Aus Hersfeld stammt Marga Spiegel (1921-2014), die Tante Paul Spiegels, des ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland. Auf ihren Lebenserinnerungen basiert der Kinofilm »Unter Bauern – Retter in der Nacht«. In Limburg wurde der Jurist, Dichter und Schriftsteller Leo Sternberg (1876-1937) geboren, der 1934 unter den Nationalsozialisten als Amtsrichter suspendiert wurde, obwohl er zuvor zum Christentum übergetreten war.

»Eines unserer Ziele ist es, Schülerinnen und Schüler für das Thema Flucht, Exil und Vielfalt in der Gesellschaft anhand der jüdischen Geschichte zu sensibilisieren«, sagt Sarah Hiron, Leiterin Outreach in der Bildungsabteilung des Jüdischen Museums Berlin. So wird das Thema »Leben und Überleben« an Fluchtgeschichten wie der der Hochspringerin Gretel Bergmann verdeutlicht, die 1936 bei den Olympischen Spielen als Favoritin für die Goldmedaille in den letzten Minuten von den Wettkämpfen ausgeschlossen wurde oder der der Familie des damals 12-jährigen Fritz Freudenheim, dem 1938 mit seinen Eltern und der Schwester die Flucht aus Berlin über Hamburg nach Uruguay gelang.

In den Gesprächen zwischen Museumspädagog*innen und Schüler*innen werden neben den jüdischen Flucht- und Exilgeschichten auch Bezugspunkte zu Flucht und Ankommen heute thematisiert. Mit interaktiven Führungen durch die mobile Ausstellung und zwei iPad-Workshops laden die Guides die Schüler*innen zum Gespräch über jüdische Geschichte ein und diskutieren mit ihnen über jüdische Religion, Tradition und Identität. Die Ausstellung ermöglicht den Museumspädagog*innen die Arbeit in kleinen Gruppen von fünf bis acht Schülern.

Themen der mobilen Würfelausstellung

In die fünf robusten hüfthohen Würfel sind insgesamt 16 Vitrinen eingebaut sowie Texte und Karten, Abbildungen und Fotografien angebracht. Die Würfel widmen sich den Themen »Jüdisches«, »Leben und Überleben«, »Lebenswege«, »Feste feiern« und »Anfang, Ende und dazwischen«. Unter Anleitung der Museumspädagog*innen erarbeiten sich die Schüler*innen die fünf Themen in Kleingruppen und bewegen dabei die Würfel durch den Raum.
Der Ausstellungswürfel »Feste feiern« beispielsweise widmet sich den wichtigsten jüdischen Feiertagen. So lernen die Kinder und Jugendlichen, dass während des Pessach-Fests die Befreiung der Juden aus der ägyptischen Sklaverei gefeiert wird und dass das Chanukka-Fest an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem erinnert.

i-Pad-Workshop »So einfach war das«

In begleitenden Workshops beschäftigen sich die Schüler*innen anhand von Biografien mit Fragen zu Identitäten und jüdischem Leben nach 1945. In dem iPad-Workshop »So einfach war das« stellte das Jüdische Museum Berlin bekannten und unbekannten, gläubigen und weniger gläubigen Jüd*innen verschiedener Generationen die Frage: »Wie war das eigentlich nach 1945 als Jude in Deutschland aufzuwachsen?« Die Protagonisten erzählten zu einem Foto aus ihrer Kindheit oder Jugend eine für sie prägende Geschichte. An iPads können die Schüler*innen die Kindheits- und Jugenderzählungen von Minka Pradelski, Andrzej Bodek, Michael Brenner, Rachel Singer, Tsafrir Cohen, Wladimir Kaminer, Ekaterina Kaufmann, Zwi Wasserstein und Daniel Wildmann auswählen und anhören. Anschließend tauschen sie sich über die einzelnen Biografien aus und setzen ihre eigenen Erfahrungen in Bezug zu dem Gehörten.

i-Pad-Workshop »Meine Seite(n)« zu Judentum heute

Hier steht die Arbeit mit aktuellen Biografien im Vordergrund: Die Schüler*innen lernen die unterschiedlichen Lebenswelten von sechs jüdischen Jugendlichen in Deutschland kennen. Interaktive Tagebücher auf iPads geben einen Einblick in das Leben von Adam, Albina, Benjamin, David, Helen und Leon. Gleichzeitig zeigen sie die kulturelle Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland heute. In kleinen Gruppen erarbeiten sich die Schüler*innen jeweils eine Biografie und entdecken dabei auch eigene Seiten. Wie geht beispielsweise Albina mit einem christlichen Großvater, muslimischem Vater und jüdischer Mutter, mit ihrem Glauben um? Mit dieser und ähnlichen Fragen nähern sich die Schüler*innen in der anschließenden Diskussion den Themen Identität und Interkulturalität, Herkunft, Glaube und Heimat.

Die Bildungsinitiative »on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule«

»Jeder Schüler in Deutschland sollte mindestens einmal das Jüdische Museum Berlin besucht haben, bevor die Schule beendet ist«, sagt Gründungsdirektor W. Michael Blumenthal. Damit formulierte er das Ziel der mobilen Bildungsinitiative, diejenigen Schüler*innen zu erreichen, die nicht ohne Weiteres nach Berlin reisen können. Seit 2007 besuchte das mobile Museum bundesweit mehr als 500 weiterführende Schulen sowie zwei Jugendstrafanstalten. Für seine innovative pädagogische Pionierarbeit wurde »on.tour« 2009 von der Initiative »Deutschland – Land der Ideen« ausgezeichnet. Bis Ende 2015 nahmen fast 70.000 Jugendliche an dem Programm teil. Bis Jahresende besucht das Jüdische Museum Berlin sieben Bundesländer und zwei Jugendstrafanstalten in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.

Die Hessen-Tour 2016

26. September: Herderschule, Kassel
27. September: Konrad-Duden-Schule, Bad Hersfeld
28. September: John-F.-Kennedy-Schule, Bad Vilbel
29. September: Goethe-Gymnasium, Bensheim
30. September: Leo-Sternberg-Schule, Limburg

»on.tour – Das jüdische Museum Berlin macht Schule« wird unterstützt von der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Jüdisches Museum Berlin e.V., der Daimler Financial Services AG und dem Ehepaar Eric F. Ross und Lore Ross (sel. A.).

Weitere Informationen und die Termine der bundesweiten Touren finden Sie im Internet unter: www.jmberlin.de/ontour

Fotos für die aktuelle Berichterstattung finden Sie unter Beachtung des Bildnachweises hier: