Die Vielfalt des Jüdischseins in Deutschland

Presseinformation: Die mobile Ausstellung on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule besucht vom 4. bis 8. September Thüringen

Pressemitteilung vom29. August 2017

Ab Montag, den 4. September ist das erfolgreiche Outreach-Programm on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule in Thüringen unterwegs: Bis zum 8. September werden fünf Schulen in Waltershausen-Schnepfenthal, Hildburghausen, Stadtilm, Milda und Seelingstädt besucht. Die Museumspädagogen laden mit interaktiven Führungen durch die mobile Würfelausstellung und zwei iPad-Workshops zum Gespräch und zur Diskussion über jüdische Religion, Tradition und Identität ein. Darüber hinaus erfahren die Schüler mehr über die deutsch-jüdische Geschichte ihrer Region.

Kontakt und Presseakkreditierung
Katharina Schmidt-Narischkin
Pressesprecherin
Tel.: 
+49 (0)30 259 93 419
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+49 (0)30 259 93 400

Stiftung Jüdisches Museum Berlin
Lindenstraße 9–14
10969 Berlin

Ort

Jüdisches Museum Berlin

Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin

Jüdisches Leben zwischen Hildburghausen und Stadtilm

Oft finden sich in unmittelbarer Umgebung der Schulen Spuren jüdischen Lebens. Von den besuchten Orten gilt dies vor allem für Hildburghausen, wo seit dem 14. Jahrhundert Juden lebten. Im 19. Jahrhundert war hier Salomon Steinhard (1808–1871) als Religionslehrer tätig; der als aktiver Streiter bei der Durchsetzung der Emanzipation der Juden Sachsen-Meiningens galt. Sein besonderes Engagement galt der jüdischen Reformbewegung. Er vermittelte seine Überzeugungen auch am hiesigen Landeslehrerseminar künftigen jüdischen Pädagogen, die seine Ideen weiter verbreiteten.

Mit on.tour möchte das Jüdische Museum Berlin Schülern jüdisches Leben nahe bringen. Dabei achten sie besonders auf den Bezug zur Lebenswelt der Teilnehmer: Sie diskutieren gemeinsam über die eigene Identität, Kultur und Religiosität und schaffen damit Grundlagen für eine differenzierte Sicht auf das »Eigene« und das »Andere«. Die Schüler entdecken so, wie vielfältig und unterschiedlich Jüdischsein in Deutschland gelebt wird und wurde. Sarah Hiron, Leiterin Outreach in der Bildungsabteilung des Jüdischen Museums, erklärt diese Vielfalt mit der unterschiedlichen Herkunft von in Deutschland lebenden Juden aus Ost- und Westdeutschland, der ehemaligen Sowjetunion und aus Israel:

»Als Gemeinsamkeit haben sie immer ihr Jüdischsein. Sie legen die Tradition und Rituale individuell sehr unterschiedlich aus, einige leben in einem Paradox von Vergangenheit und individueller Realität.«

Das Programm besteht aus einer mobilen Ausstellung und zwei iPad-Workshops, in denen die Museumspädagogen die Schüler mit interaktiven Führungen zum Gespräch über jüdische Geschichte einladen.

Themen der mobilen Würfelausstellung

Die Ausstellung ermöglicht den Museumspädagogen die Arbeit in kleinen Gruppen von fünf bis acht Schülern. In die fünf robusten hüfthohen Würfel sind insgesamt 16 Vitrinen eingebaut sowie Texte und Karten, Abbildungen und Fotografien angebracht. Die Würfel widmen sich den Themen Jüdisches, Leben und Überleben, Lebenswege, Feste feiern und Anfang, Ende und dazwischen. Unter Anleitung der Museumspädagogen erarbeiten sich die Schüler die fünf Themen in Kleingruppen und bewegen dabei die Würfel durch den Raum. Der Ausstellungswürfel Feste feiern beispielsweise widmet sich den wichtigsten jüdischen Feiertagen. So lernen die Kinder und Jugendlichen, dass während des Pessach-Fests die Befreiung der Juden aus der ägyptischen Sklaverei gefeiert wird und dass das Chanukka-Fest an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem erinnert. Diese Feiertage werden unterschiedlich praktiziert, bei einigen stehen religiöse, bei anderen traditionelle Aspekte im Vordergrund

i-Pad-Workshop – So einfach war das

In begleitenden Workshops beschäftigen sich die Schüler anhand von Biografien mit Fragen zu Identitäten und jüdischem Leben nach 1945. In dem iPad-Workshop So einfach war das stellte das Jüdische Museum Berlin bekannten und unbekannten, gläubigen und weniger gläubigen Juden verschiedener Generationen die Frage: »Wie war das eigentlich, nach 1945 als Jude in Deutschland aufzuwachsen?« Die Protagonisten erzählten zu einem Foto aus ihrer Kindheit oder Jugend eine für sie prägende Geschichte. An iPads können die Schüler die Kindheits- und Jugenderzählungen von Minka Pradelski, Andrzej Bodek, Michael Brenner, Rachel Singer, Tsafrir Cohen, Wladimir Kaminer, Ekaterina Kaufmann, Zwi Wasserstein und Daniel Wildmann auswählen und anhören. Anschließend tauschen sie sich über die einzelnen Biografien aus und setzen ihre eigenen Erfahrungen in Bezug zu dem Gehörten.

i-Pad-Workshop – Meine Seite(n) zu Judentum heute

Hier steht die Arbeit mit aktuellen Biografien im Vordergrund: Die Schüler lernen die unterschiedlichen Lebenswelten von sechs jüdischen Jugendlichen in Deutschland kennen. Interaktive Tagebücher auf iPads geben einen Einblick in das Leben von Adam, Albina, Benjamin, David, Helen und Leon. Gleichzeitig zeigen sie die kulturelle Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland heute. In kleinen Gruppen erarbeiten sich die Schüler jeweils eine Biografie und entdecken dabei auch eigene Seiten. Wie geht beispielsweise Albina mit einem christlichen Großvater, muslimischem Vater und jüdischer Mutter mit ihrem Glauben um? Mit dieser und ähnlichen Fragen nähern sich die Schüler in der anschließenden Diskussion den Themen Identität und Interkulturalität, Herkunft, Glaube und Heimat.

Die Thüringen-Tour 2017

  • 4. September: Salzmannschule Schnepfenthal, Klostermühlenweg 2–8, 99880 Waltershausen-Schnepfenthal
  • 5. September: Berufsschule Hildburghausen, Wiesenstraße 20, 98646 Hildburghausen
  • 6. September: Thüringer Gemeinschaftsschule Stadtilm, Schulstraße 4, 99326 Stadtilm
  • 7. September: Freie Ganztagsschule Milda, Dorfstraße 92, 07751 Milda
  • 8. September: Regelschule Im Ländereck, Braunichswalder Weg 60, 07580 Seelingstädt

10 Jahre Bildungsinitiative on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule

Das erfolgreiche Outreach-Programm on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule startete 2007 als Pilotprojekt in Deutschland und ist bis heute eine Erfolgsgeschichte. Seitdem besuchte die mobile Ausstellung bundesweit 544 weiterführende Schulen sowie Jugendstrafanstalten in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Bis heute nahmen mehr als 69.500 Jugendliche an dem Programm teil. Nach Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, und Hamburg/Schleswig-Holstein ist Thüringen die fünfte Tour des Jüdischen Museums Berlin in diesem Jahr. Im September folgt eine Tour nach Niedersachsen und Bremen, außerdem werden die on.tour-Guides wieder mit Häftlingen in Jugendstrafanstalten arbeiten.

Anerkennung und Ausblick

2017 wurde on.tour erstmals für den BKM-Preis Kulturelle Bildung nominiert, mit dem beispielhafte Projekte der kulturellen Vermittlung ausgezeichnet werden. Bereits 2009 wurde die mobile Ausstellung für ihre innovative pädagogische Pionierarbeit von der Initiative Deutschland – Land der Ideen geehrt. Léontine Meijer-van Mensch, Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin, sieht dies als Ansporn:

»In den kommenden Jahren wollen wir an diese großen Erfolge anknüpfen. Wir werden die mobile Ausstellung weiterentwickeln und danach auch Berliner Schulen besuchen.«

Finanzierung

on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule wird unterstützt von den Freunden des Jüdischen Museums Berlin. Weitere Unterstützer waren die Daimler Financial Services AG und das Ehepaar Eric F. Ross und Lore Ross (sel. A.).

Weitere Informationen und die Termine der bundesweiten Tour finden Sie auf unserer Website unter www.jmberlin.de/aktuelles-von-ontour.

Bei Interesse an Berichterstattung vor Ort melden Sie sich bitte per Mail unter presse@jmberlin.de oder telefonisch unter +49 (0)30 259 93 419 an.

Fotos

Bildmaterial für die die aktuelle Berichterstattung unter Beachtung des Bildnachweises und die digitale Pressemappe zu on.tour finden Sie hier:

Ort

Jüdisches Museum Berlin

Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin

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