Wie hält die Kippa auf dem Kopf?

Frage des Monats zur Ausstellung „Die ganze Wahrheit“

Michael Friedlander

Setzt ein Nicht-Jude eine Kippa auf, rutscht sie ihm in der Regel vom Kopf. Das ist unfair, hat aber, wie wir sehen werden, seine Gründe.

Beim Besuch des jüdischen Friedhofs in Prag werden Männer gebeten, eine Kippa zu tragen. Besuchern, die ohne Kippa reisen, wird ersatzweise ein blaues, scharf gefaltetes, rundes Stück Papier ausgehändigt. Diese wenig robuste Kippa ist dann den Winden der Moldau ausgesetzt und flattert unweigerlich davon. Ähnlich geht es nicht-jüdischen Männern, die in Synagogen an Zeremonien wie Hochzeit oder Bar Mizwa teilnehmen und dafür eine Kippa benötigen. Ihnen wird meist eine starre, jedoch aus seidig-glattem, synthetischem Satin gefertigte Kippa angeboten. Der Gast hat keine Chance.

Was ist dann das Geheimnis einer gut sitzenden Kippa? Die Lösung ist geradezu enttäuschend simpel: Juden, die regelmäßig eine Kippa tragen, wissen, wo sie auf dem Kopf platziert werden muß (nämlich genau auf dem Scheitel). Auch besitzen sie oft ihre eigene, bewährte Kippa, die zudem die richtige Passform hat. Die etwas kleinere Kippa (im Gegensatz zur Kippa im Suppenschüssel-Stil) kann mit einer Klammer im Haar befestigt werden. Doch diese Lösung wird nicht überall gern gesehen, vor allem nicht bei überzeugten Traditionalisten. Entscheidet sich der Kippaträger für ein aus Wildleder gefertigtes Exemplar, hat dies den Vorteil, dass es auch auf kahlen Köpfen dank eines gewissen Reibungswiderstands gut haftet.

Im Notfall kann man auch schon einmal auf die ultimative, geheime Kippalösung zurückgreifen: Fixier- oder einseitiges Klettband. Bitte beachten: Das Klettband wird an der Kippa befestigt, nicht am Kopf.

Michal Friedlander, Kuratorin für Judaica und angewandte Kunst

Ein pinker Post-it-Zettel beschriftet mit "Wie hält die Kippa auf dem Kopf? mit einer Haarspange :-)"

„Wie hält die Kippa auf dem Kopf?“; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Anina Falasca

Zitierempfehlung: 
Michal Friedlander (2013), Wie hält die Kippa auf dem Kopf?. Frage des Monats zur Ausstellung „Die ganze Wahrheit“.
URL: www.jmberlin.de/node/6229
Hintergrund-Infos (6) Frage des Monats ... was sie schon immer über Jüdinnen*Juden wissen wollten Alle anzeigen

Frage des Monats ... was sie schon immer über Jüdinnen*Juden wissen wollten

Unsere Ausstellung Die ganze Wahrheit … was Sie schon immer über Juden wissen wollten baute auf 30 Fragen auf, die an das Jüdische Museum Berlin oder dessen Mitarbeiter*innen gerichtet wurden. In der Ausstellung hatten unsere Besucher*innen selbst die Möglichkeit, auf Post-its Fragen oder Kommentare zu hinterlassen. Einige dieser Fragen beantworten wir hier auf unserer Website.

Wie hält die Kippa auf dem Kopf?

Diese Frage beantwortet Michal Friedlander, Kuratorin für Judaica und angewandte Kunst.

Warum müssen die Frauen die Haare nach der Hochzeit entweder mit Perücke oder mit Kopftuch bedecken?

Diese Frage beantwortet Miriam Goldmann, Kuratorin der Sonderausstellung Die ganze Wahrheit

Warum beugen sich manche Juden beim Beten?

Diese Frage beantwortet Miriam Goldmann, Kuratorin der Sonderausstellung Die ganze Wahrheit

Haben Juden eine eigene Sprache?

Diese Frage beantwortet Martina Lüdicke, Kuratorin der Sonderausstellung Die ganze Wahrheit

Welche Rolle spielen Gender-Themen?

Diese Frage beantwortet Anina Falasca, ehemalige Kuratorin für Wechselausstellungen

Gibt es schwule Juden?

Diese Frage beantwortet Anina Falasca, ehemalige Kuratorin für Wechselaustellungen