Warum müssen die Frauen die Haare nach der Hochzeit entweder mit Perücke oder mit Kopftuch bedecken?

Frage des Monats zur Ausstellung „Die ganze Wahrheit“

Miriam Goldmann

Orthodoxe Frauen zeigen nach der Hochzeit ihre Haare nicht mehr in der Öffentlichkeit. Durch ein Kopftuch oder eine Perücke, auf Jiddisch Scheitel genannt, signalisieren sie ihrer Umwelt, dass sie verheiratet sind und sich nach den traditionellen Vorstellungen der Schicklichkeit richten.

Pinke Post-it-Zettel mit Fragen und Kommentare zur Kopfbedeckung

Fragen und Kommentare zur Kopfbedeckung; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Thomas Valentin Harb

Die erste Begegnung zwischen Rebekka und Isaak liefert den biblischen Ursprung: „Rebekka blickte auf und sah Isaak. Sie ließ sich vom Kamel herunter und fragte den Knecht: Wer ist der Mann dort, der uns auf dem Feld entgegenkommt? Der Knecht erwiderte: Das ist mein Herr. Da nahm sie den Schleier und verhüllte sich.“ (1. Buch Mose 24, 64f) Als Brauch setzte sich das Bedecken der Haare im 15. Jahrhundert durch und wird seither vom orthodoxen Judentum befolgt.

In den strenggläubigen chassidischen Gemeinden, die im 18. Jahrhundert in Osteuropa entstanden, war es sogar üblich, dass Frauen sich zur Hochzeit alle Haare abschnitten und danach das Tichel, ein Kopftuch, trugen. Dennoch gab es zwischen den verschiedenen orthodoxen Strömungen immer graduelle Unterschiede in der Auslegung, ob nach der Hochzeit alles Haar verhüllt bleibt oder wie viel von ihrem Haar eine Frau zeigt. Heute bedecken orthodoxe Frauen ihre Haare mit Scheitel, Tuch, Barett (einer Baskenmütze) oder Haarnetz.

Egal für welche Variante sich eine verheiratete Frau entscheidet, sie kann aus einem vielfältigen modischen Angebot wählen. Im Internet finden sich Anleitungen zum Binden attraktiver Tichel und Beispiele, wie ansprechend ein Scheitel sein kann.

Viele Frauen lehnen es heutzutage hingegen grundsätzlich ab, ihre Haare aus Gründen der Schicklichkeit vollständig zu bedecken.

Ordination an der Yeshivat Maharat in New York (von links nach rechts): Rabbinerin Sara Hurwitz (Vorsitzende der Yeshivat Maharat), Maharat Ruth Balinsky Friedman, Maharat Rachel Kohl Finegold und Maharat Abby Brown Scheier

Ordination an der Yeshivat Maharat in New York (von links nach rechts): Rabbinerin Sara Hurwitz (Vorsitzende der Yeshivat Maharat), Maharat Ruth Balinsky Friedman, Maharat Rachel Kohl Finegold und Maharat Abby Brown Scheier; Foto: Joan Roth mit freundlicher Genehmigung der Yeshivat Maharat.

Zitierempfehlung: 
Miriam Goldmann (2014), Warum müssen die Frauen die Haare nach der Hochzeit entweder mit Perücke oder mit Kopftuch bedecken?. Frage des Monats zur Ausstellung „Die ganze Wahrheit“.
URL: www.jmberlin.de/node/6255
Frage des Monats (7) Was sie schon immer über Jüdinnen*Juden wissen wollten Alle anzeigen

Was sie schon immer über Jüdinnen*Juden wissen wollten

Unsere Ausstellung Die ganze Wahrheit … was Sie schon immer über Juden wissen wollten baute auf 30 Fragen auf, die an das Jüdische Museum Berlin oder dessen Mitarbeiter*innen gerichtet wurden. In der Ausstellung hatten unsere Besucher*innen selbst die Möglichkeit, auf Post-its Fragen oder Kommentare zu hinterlassen. Einige dieser Fragen beantworten wir hier auf unserer Website.

Wie hält die Kippa auf dem Kopf?

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Warum müssen die Frauen die Haare nach der Hochzeit entweder mit Perücke oder mit Kopftuch bedecken?

Diese Frage beantwortet Miriam Goldmann, Kuratorin der Ausstellung Die ganze Wahrheit

Warum beugen sich manche Juden beim Beten?

Diese Frage beantwortet Miriam Goldmann, Kuratorin der Ausstellung Die ganze Wahrheit

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Cherchez la femme

Perücke, Burka, Ordenstracht

Ausstellung

31. März bis 27. August 2017
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