Der erste jüdische Schützenkönig

Blick ins Depot

Paul Spiegel, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland von 2000 bis 2006, berichtet über seinen Vater Hugo Spiegel (1905–1987): »In Warendorfs Schützenverein ›Hinter den 3 Brücken‹ wurde mein Vater 1962 Schützenkönig, zweifellos ein Ereignis mit symbolischem Charakter. Zum ersten Mal wurde ein Jude in Warendorf und im Münsterland und wohl auch in Deutschland Schützenkönig.«

»Ein würdiger König«

Und er fährt fort: »Ein würdiger König war er – aber kein gedankenloser. Als wir [...] endlich allein waren, sagte er, der nie über die Vergangenheit sprach [...]: ›Seht ihr! Es war richtig, heim nach Warendorf zu kehren!‹ Und dann, fast verstummend: ›Wenn unser Roselchen das hätte erleben können ...‹«

Paul Spiegel (1937–2006)

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Hugo Spiegel (1905–1987)

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Jüdische Gemeinde Warendorf

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Verfolgung und Neubeginn: die Geschichte der Familie Spiegel

Der Viehhändler Hugo Spiegel entstammte einer traditionellen jüdischen Familie, die schon seit Jahrhunderten in Westfalen lebte. Nach der Pogromnacht flüchtete er mit seiner Familie nach Brüssel. 1940 wurde er festgenommen und deportiert. Spiegel überlebte das Konzentrationslager und kehrte nach der Befreiung nach Warendorf zurück. Seine Frau und sein Sohn, die im Versteck überlebt hatten, kamen wenig später nach – die Tochter Rosa war in Auschwitz ermordet worden. Hugo Spiegel arbeitete wieder als Viehhändler und widmete sich dem Aufbau der jüdischen Gemeinde Münster.

Pogromnacht

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstörten die Nationalsozialist*innen in einer geplanten Aktion im ganzen deutschen Reich jüdische Geschäfte, Kultureinrichtungen und Synagogen. Während der Übergriffe wurden über 1.300 Menschen ermordet. Darüber hinaus wurden mehr als 30.000 jüdische Männer in »Schutzhaft« genommen und in Konzentrationslager verschleppt.

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KZ Auschwitz

Das Konzentrationslager Auschwitz war von 1940 bis 1945 ein nationalsozialistischer Lagerkomplex im vom Deutschen Reich besetzen Polen. Er bestand aus dem Stammlager Auschwitz, dem Vernichtungslager Birkenau, dem Arbeitslager Monowitz und ca. 50 weiteren Außenlagern.

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Fotografie von Hugo Spiegel als Schützenkönig

Leonard Freed, Hugo Spiegel als Schützenkönig; Jüdisches Museum Berlin

Der Fotograf Leonard Freed

Die Fotografie, die den Schützenkönig Hugo Spiegel zeigt, ist Teil der 1961/62 entstandenen Serie Deutsche Juden heute des renommierten Fotografen Leonard Freed (1929–2006). Er dokumentierte das Wiederaufleben der jüdischen Gemeinden in Westdeutschland und zeigt darin mit wenigen Ausnahmen vorwiegend positive Bilder jüdischen Lebens in Deutschland. Freed hat die Aufnahmen selbst in konzertierter Reihenfolge und mit teilweise längeren Bildunterschriften als Buch veröffentlicht: Leonard Freed: Deutsche Juden heute, München: Rütten & Loening Verlag 1965.

Fotograf Leonard Freed
Titel Hugo Spiegel als Schützenkönig aus der Serie Deutsche Juden heute
Sammlungsgebiet Fotografie
Ort und Datierung Warendorf, 1962
Material Fotografie auf Silbergelatine-Barytpapier
Maße 35 x 23,6 cm
Ausgewählte Objekte (6) Fotografische Sammlung Alle anzeigen

Fotografische Sammlung

Von einer frühen Werbefotografie der Fotografin Yva bis zur Dokumentation jüdischen Lebens in Deutschland vor und nach der Schoa: Entdecken Sie ausgewählte Objekte aus unserer Fotografischen Sammlung und die Geschichten dazu!

»Amor Skin«

Das Vintageprint ist ein Beispiel für frühe Werbefotografie: Durch Mehrfachbeleuchtung gelang es der Fotografin Yva, unwirkliche und traumhafte Erscheinungen heraufzubeschwören.

»Weiße Wochen« im Warenhaus Ury

Mit einer hell erleuchteten Fassade machten die Gebrüder Ury im Februar 1930 Kund*innen auf die »Weißen Wochen« aufmerksam. Die Werbekampagne war Teil ihrer modernen Geschäftsführung und damit ihres Erfolges.

Hugo Spiegel als Schützenkönig

Die Fotografie von Leonard Freed zeigt den Vater des späteren Zentralratspräsidenten Paul Spiegel. Der Schoa-Überlebende war vermutlich der erste jüdische Schützenkönig in Deutschland.

Sally Israel in bayrischer Landestracht

Um den Berliner Kaufmann versammeln sich drei weitere Kurgäste in volkstümlichen Trachten für ein Erinnerungsfoto aus Bad Reichenhall. Der Badeort war auch bei jüdischen Erholungssuchenden hoch geschätzt.

Synagoge im Jüdischen Erholungsheim Lehnitz

Die Synagoge war eine der letzten, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland eingeweiht wurde. Das Erholungsheim war für viele zu einem Ort jüdischer Selbstbehauptung inmitten einer feindseligen Umgebung geworden.

Wiedereinweihung der Synagoge des Jüdischen Krankenhauses

Ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde 1946 die Synagoge des Jüdischen Krankenhauses in der Iranischen Straße wieder eingeweiht. Dieses hatte sich allmählich zum Zentrum der Gemeindearbeit in Berlin entwickelt.

Leonard Freed (Fotograf)

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Überlebende*r der Schoa

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