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Collage in grau-blau auf orangem Hintergrund mit blauer Zickzacklinie: der Kopf eines Mannes in einer Taucherglocke, seine Hand umfasst einen Schlauch, daneben ein Manometer.

„Mein Dichten ist wie Dynamit“ Curt Blochs Het Onderwater Cabaret

Alle Audiostücke der Ausstellung mit Transkriptionen und Übersetzungen

Auf dieser Seite finden Sie folgende Audiostücke:

Rezitiert von Richard Gonlag.
Abbildungen: Jüdisches Museum Berlin, Konvolut/816, Sammlung Curt Bloch, Leihgabe der Charities Aid Foundation America dank der großzügigen Unterstützung der Familie von Curt Bloch

Der Falschspieler

2:15 Minuten

Audio als Lesetext (deutsch)

Und Goebbels dreht sich mit dem Wind,
Fällt es auch manchmal schwer,
Er sagt sich manchmal, Menschenskind,
Es geht nun bald nicht mehr.

Solange man Erfolge hatt’,
War seine Arbeit Spiel,
Sizilien, Tunis, Stalingrad,
Es wird nun etwas viel.

Deutschland alltäglich bombardiert,
Verwüstung, Bürger tot,
Und Mussolini pensioniert,
Man hat so seine Not.

Errang man früher einen Sieg,
Den blies man hoch vom Turm,
Gewonnen nannte man den Krieg
Beim ersten, besten Sturm.

Vorbei ist diese schöne Zeit,
Man hat ’ne neue Roll’,
Man spricht nun über Menschlichkeit
Und tut geheimnisvoll.

Der Bombenkrieg nicht deutsche Schuld,
Wir täten so was nie,
Nur einen Augenblick Geduld
Ist neue Melodie.

Wartet nur ab, ihr werdet sehn,
Es geht bald wieder gut
Und England wird es schlecht ergehn,
Harrt aus und haltet Mut.

Geschmiedet wird die Waffe nun,
Ihr fragt: Was wird es sein?
Geheimnis, um nicht kundzutun,
Ihr werdet’s schon verzeihn.

Ihr fragt mich, ob man’s wirklich hält,
Kriegt dies Versprechen Form?
Ich sag’: Bald sieht’s die ganze Welt,
Die Waffe ist enorm.

Der Krieg geht nun in’s fünfte Jahr.
Kriegsmüde? Keine Spur!
Die Stimmung einfach wunderbar,
Hurra in Reinkultur.

Die Trümpfe hat man in der Hand,
’ne Karte fabelhaft,
Wir machen sie bloß nicht bekannt,
Geheim nur hat sie Kraft.

Es ist ein Pokerkartenspiel,
Man blüfft und man betrügt,
Den Krieg verlängern heißt das Ziel
Und Goebbels schwindelt, lügt.

Der Sang heißt heute: Nur Geduld,
Durchhalten, bis zum Sieg,
Das Volk, seit Jahren eingelullt,
Wünscht ihn vorbei, den Krieg.

Wann wird es endlich ihm zuviel,
Wann wird der Trug erkannt,
Und wann schlägt es das Kartenspiel
Dem Schwindler aus der Hand?

Englische Übersetzung: The Cheater

And Goebbels swivels with the wind,
It gets quite rough sometimes,
At times he tells himself: poor soul,
The end is drawing near.

As long as they were scoring wins,
His work was more like play,
Now Tunis, Sic’ly, Stalingrad,
His plate is rather full.

The daily bombs on Germany,
Debris, civilians dead,
And Mussolini’s called it quits,
The situation’s grim.

Back then, after a victory
We’d shout it from the roof,
Declare the war already won
Upon our first attack.

That blissful time is over now,
Our role has shifted too:
To speak about humanity
And sneak behind closed doors.

The bombs were never Germans’ fault,
Who’d do such things? Not us!
And good things come to those who wait
Is our new melody.

Be patient, please, and soon you’ll see
Our luck will start to turn,
Then England will be suffering
Sit tight and keep the faith.

The weapon’s being built right now
What can it be, you ask?
A secret that I mustn’t spill,
Forgive me please for that.

You ask me if we stand a chance
And will this pledge be kept?
I say: the world will shortly see
Our secret weapon’s scope.

This war is now in its fifth year,
Fatigued? No, not a whit!
Our mood is simply marvelous,
Our joy is sterile, pure.

We’ve got the trump card up our sleeve,
The card that wins the round,
We’re simply not revealing it,
Its strength lies in surprise.

This is a game of poker here,
Of bluffing and deceit,
The goal is lengthening the war,
And Goebbels cheats and lies.

The watchword now is patience, please,
Endurance till we win,
The people, mollified for years,
Just want it done, this war.

When will they say enough at last?
When will they catch the trick?
When will they knock all of those cards
Straight from the cheater’s hand?

Het Onderwater Cabaret

1:36 Minuten
(niederländisch)

Deusche Übersetzung: Das Unterwasser-Kabarett

Sorgfältig hält man es versteckt,
Man wünscht nicht, dass man es entdeckt.
Denn findet man es, Freund, glaub es nur,
Dann wäre man wirklich der Dumme.

Ja, auch wenn das, was hier gesagt,
Den deutschen Herren schlecht gefällt,
Das OWC erzählt beherzt
Stets und immer worauf es besteht.

Ist unbeeinflusst von Zensur,
Unterliegt keiner Authorität,
Steht nicht unter Seyß-Inquarts Fuchtel,
Ist frei von NSB-Abschaum.

Ist unabhängig und ist frei
Und alles ist ihm einerlei,
Gefärbt ist es in Freiheitsfarben,
Ja, es ist ziemlich rot gesinnt.

Ist Bote einer neuen Zeit,
Die es mit Ungeduld verbreitet,
Der Leserkreis, für den es wirkt,
Ist derzeit sehr klein und begrenzt.

Aber man versteht, es ist keine Zeit
Für allzu große Verbreitung.
Doch wer bis jetzt Abonnent ist,
Ist mit dem OWC zufrieden.

Man weiß es schon, ein and’res Blatt,
Wo auch immer in den Niederlanden,
Kann seinen Lesern nicht bieten,
Was das OWC ihnen bietet.

Und doch hoffe ich, dass es in Kürze
Aufhört zu existieren,
Denn wenn der Frieden endlich kommt,
Verschwindet das OWC sofort.

Klar also, dass man will,
Es werde bald eingestellt,
Willig stirbt dann mit viel Freude
Das Unterwasser-Cabaret.

Audio als Lesetext (niederländisch)

Zorgvuldig houdt met het verstekt,
Men wenscht niet, dat men het ontdekt
Want vindt men het, vriend geloof het maar,
Dan was men werkelijk de sigaar.

Ja al hetgeen hier wordt gezegd
Bevalt de duitsche heeren slecht
Het OWC vertelt cordaat
Steeds en altijd, waarop het staat,

Is onbeïnvloed door censuur
En onderdaan aan geen bestuur
Staat niet onder Seyß-Inquarts duim
Is vrij van NSBer schuim,

Is onafhankelijk en is vrij
En alles is hem eenerlei,
Gekleurd is het in vrijheidstint,
Ja, het is tamelijk rood gezind,

Is bode van een nieuwe tijd,
Die het met ongeduld verbeidt,
De lezerkring, waarvoor het werkt
Is wel zeer klein thans en beperkt,

Maar men begrijpt, het is geen tijd
Voor alte groote ruchtbaarheid
Doch wie tot nu is abonnée,
Is met het OWC tevrêe.

Men weet het wel, een andere krant,
Waar het ook zij in Nederland
Kan aan zijn lezers bieden niet,
Hetgeen het OWC U biedt.

En toch hoop ik heel binnenkort,
Dat zijn bestaan geëindigd wordt
Want als er eindelijk komt de vreê,
Verdwijnt direct het OWC.

Natuurlijk dus, dat men begeert,
Het worde gauw gelikwideerd,
Gewillig sterft dan met veel pret
Het Onderwater-Cabaret.

Englische Übersetzung: The Underground Cabaret

Carefully, one keeps it hidden,
One does not wish it to be found
For when it’s found, believe me, friend,
One would truly be in trouble.

All that is said in here, indeed
Does not amuse the noble Germans.
The OWC firmly speaks
Its mind, each and every time

Is free from suppression and control,
Unrestricted by authority,
Seyss-Inquart has no power here
NSB dogs have no business here.

Is independent and free,
And opens its heart to all,
Coloured it is, in shades of freedom,
Indeed, it seems to favour red.

Is a messenger of a new era,
Which it impatiently awaits,
Yet, the readership for which it acts
Is quite small and limited,

But as one knows, these are not
The times for big publicity
Nonetheless, its readers up till now,
Are happy with the OWC.

One knows indeed, a different paper,
Wherever in Holland it may be
Can’t offer its readership,
That which does the OWC.

Yet I hope it won’t be long,
Until its life comes to an end
For when peace finally arrives
The OWC will vanish immediately.

So, naturally, one may desire
Its termination to be quick,
Willingly and full of joy then dies
The Onderwater-Cabaret.

Frauenautarkie

2:50 Minuten

Audio als Lesetext (deutsch)

Die Nazis propagierten stramm
Einst Mittelstandsinteressen.
Doch haben sie’s Parteiprogramm
Inzwischen längst vergessen.

Man hat aufs alte Repertoire
Seit langem schon verzichtet.
Nur einen Punkt machte man wahr:
Die Juden sind vernichtet.

Das Warenhaus wird liquidiert,
Hat man damals versprochen,
Der Mittelstand privilegiert,
Man hat sein Wort gebrochen.

Warenhaus und Konsumverein
Ließ weiter man bestehen,
Man ließ die Banken Banken sein
Und die Programmideen

Von der gebrochnen Zinsknechtschaft,
Die Bürgermassen packten,
Hat ungeniert man abgeschafft,
Sie kamen zu den Akten.

Frauen werden eliminiert
Aus männlichen Berufen
Und an den Küchenherd bugsiert,
So hat man einst gerufen.

Die deutsche Frau gehört ins Haus,
Muß kochen, Kinder kriegen,
Man malte alles prächtig aus,
Doch alles waren Lügen.

Die deutschen Männer sind im Krieg,
So kommt es, daß die meisten
Frauen für Hitlerdeutschlands Sieg
Jetzt Männerarbeit leisten.

Der Höhepunkt ist wohl erreicht,
Männer ersetzt durch Frauen,
In Zeitungsbildern wird gezeigt,
Wie sie das Land bebauen.

Wie Deutschlands Frau in der Fabrik
Flugzeuge kann montieren,
Die Hosentracht steht wirklich chique,
Wird jeder konstatieren.

Die deutsche Frau Briefträgerin,
Schaffnert auf Straßenbahnen,
Ja, auch als Eisenbahnerin
Steht sie unter den Fahnen.

So sucht man hier und sucht man da
Die Männer zu ersetzen,
Man reißt mit Siegheil und Hurra
Was früher war, in Fetzen.

Du klagst, verschmutzt sei dein Kamin?
Kein Grund, sich aufzuregen,
Die deutsche Schornsteinfegerin
Wird deinen Schornstein fegen.

Der Schornsteinfeger ist Soldat,
Die Frau besteigt die Leiter,
Tät sie es nicht, wär es Verrat
Und Hitler wurstelt weiter.

Und seitdem jüngst der Pfarrer fiel,
Hält seine Frau die Predigt,
’ne andere saß beim Orgelspiel
Und hat es leicht beschädigt.

Sie backen Brot, sie schmieden Stahl,
Sie sorgen für die Seele,
Und Adolf, Deutschlands Prinzipal,
Steht’s Wasser an der Kehle.

Die deutsche Frau ist sehr autark
Und ist sich dessen schlüssig:
Schwaches Geschlecht? Nein, wir sind stark,
Männer sind überflüssig.

Doch diese ganze Autarkie
Kann mir nicht imponieren,
Solange nicht autarkisch sie
Auch Kinder produzieren.

Englische Übersetzung: Women’s Self-Sufficiency

The Nazis once did advocate
For ordinary Germans.
Today those Party promises
Are buried and forgotten.

The speeches long have left behind
Their former repertoire,
Except one pledge that they saw through:
The Jews have been wiped out.

Department stores would be shut down,
Or so the Nazis said,
The middle class be lifted up,
But then they broke their word.

Department stores and grocers’ guilds,
Those all were kept in place.
The banks stayed banks, just as before,
And all the policies

Of ending interest slavery
That drew the masses in
Were cavalierly filed away
Into a dusty drawer.

All women would be freed for good
From masculine careers
So they could tend to home and hearth.
That’s what the slogans vowed.

The German wife belongs at home
To cook and raise the kids.
They painted them so perfectly,
Those never-ending lies.

The German men are off at war
And therefore the majority
Of women now do manly work
For Hitler’s German victory.

The peak is reached, it’s plain to see
The men replaced by gals,
As newspapers all illustrate
How ladies build the land.

Those German dames in factories
Assembling aeroplanes,
Do look quite chic in pantaloons.
No doubt you would agree.

A German woman carries mail,
Or checks the streetcar tickets.
She even rides the railway cars
Up front beneath the flags.

They go on searching high and low
For substitutes for men.
With shouts of “Sieg heil!” and “Hurrah!”
They tear old times to shreds.

Let’s say your flue is full of soot.
No need to be concerned.
The German lady chimney sweep
Will sweep your chimney clean.

The old sweep is a soldier now
A gal will climb the rungs
Since not to would be treasonous
While Hitler muddles on.

And since the minister has died,
The preacher is his wife.
The woman playing organist
Has lightly harmed the pipes.

They’re baking bread, they’re smelting steel,
They’re wearing priestly collars,
While Adolf, Deutschland’s number one,
Is waterlogged, neck-deep.

The German woman does it all
And feels quite self-assured:
The weaker sex? Oh no, we’re strong!
Who needs redundant men?

But all that self-sufficiency
Will not impress me much
Until they independently
Learn how to reproduce.

Deutsche Heldenoper

2:29 Minuten

Audio als Lesetext (deutsch)

Man spielte die Eroica,
Die Egmontouvertüre
Und manchem, der den Staatsakt sah,
Dem war’s, als ob er spüre,

Daß was man ’14 falsch gemacht
Demnächst berichtigt werde,
Deutschland erstand aus tiefster Nacht
Und wird die Macht der Erde.

Man ehrte die im vorigen Krieg
Für Deutschlands Größe starben
Und die, wenn sie auch nicht den Sieg,
Doch ewigen Ruhm erwarben.

Der Führer thront auf dem Balkon
Als nationaler Götze
Und die Elitekollektion
Besetzt die Nachbarplätze.

Vom Unbekannten stieg er auf
Zum deutschen Dalai-Lama,
So nahm das Schicksal seinen Lauf
Und so begann das Drama.

Man sieht die Nußknackerfigur
Des alten von Mackensen,
’ne Mumie in voller Montur,
An der viel Orden glänzen.

Und Hermann Görings Mondgesicht
Glänzt heiter und zufrieden,
Nein, damals wußte er noch nicht,
Was später ihm beschieden.

Und neben ihm im braunen Dreß
Sitzt Adolfs Stellvertreter,
Der wohlbekannte Rudolf Heß,
Der flog nach England später.

Und recht unrepräsentativ
Sitzt Goebbels in der Ecke,
Er ist nicht sehr dekorativ
Für solche Staatsaktzwecke.

Wie ’n Waisenknabe sieht er aus
Mit mickriger Visage
In diesem prächt’gen Opernhaus,
In dieser Entourage.

Doch Joseph Goebbels leistet mehr,
Als äußerlich erschiene.
Er ist der Stimmungsregisseur
Hinter der Hitlerbühne.

Er muß den geistigen Lügenbau
Des Dritten Reiches zimmern,
Dem Volke muß die Zukunft blau,
Rosig und golden schimmern.

Ja, im Berliner Opernbau
Saß man Unter den Linden
Und Adolf Hitler dachte schlau,
Das weitere wird sich finden.

Wir werden Deutschlands Position
Gehörig korrigieren,
Man wird es sehn, ich werd euch schon
Zu Macht und Größe führen.

Damals steckte das Dritte Reich
Noch in den Kinderschuhen
Und kluge Leute sagten gleich:
Adolf wird sich vertuen.

Englische Übersetzung: A German Heroic Opera

They played the old “Eroica,”
The Egmont overture.
Some concertgoers that grand night
Took home a sneaking sense

That what went wrong back in ’14
Would soon be rendered right
With Deutschland’s rise from deepest dark
To world supremacy.

They honored Great War soldiers who
Died for the German cause
And thus earned, if not victory,
Then glory evermore.

The Führer’s on his box-seat throne
The idol of the land
Surrounded by his privileged few
Elites in nearby seats.

From nobody he rose straight up
To German Dalai Lama
And that’s how destiny played out
And thus began the drama.

First off, the nutcracker physique
Of old August Mackensen,
A mummy in full uniform
Adorned with shiny medals.

And Hermann Goering’s moonlike face
Shone happy and content
For, at the time, he couldn’t know
The fate he’d one day meet.

Then, next to him, decked out in brown,
Sat Adolf’s right-hand man
The celebrated Rudolf Hess
Who’d later fly to England.

Behind them in a corner there
Sat Goebbels, unassuming,
Less ornamental on a night
Of pomp and circumstance.

He looked just like an orphan boy
With such a haggard face
In that resplendent opera house
Among that entourage.

But Joseph Goebbels’ walk-on part
Is more than meets the eye
As the Director of Morale
Behind Herr Hitler’s stage,

The mastermind of myths and lies
Who crafts the Third Reich’s lore.
The people sorely need to see
The future’s rose-gold glow.

In that Berliner opera house
Beside Unter den Linden,
Herr Adolf Hitler slyly thought
Those dreams would still come true.

Yes, Germany’s predicaments
Could still be rightly fixed.
Just watch and see, I’ll lead you yet
From strength to greater strength.

The Reich back then was but a child
Still learning how to walk
But clever minds predicted well
That Adolf would misstep.

Voor moeder

0:47 Minuten
(niederländisch)

Deutsche Übersetzung: Für Mutter

Ein Jahr ging dahin, ein Jahr ohne Nachrichten,
Ich weiß heute nicht, wo Sie sind,
Und doch werde ich heute etwas für Sie dichten,
Ich bin nun mal von jeher dran gewöhnt,

Für Ihren Geburtstag ein Gedicht zu schreiben,
Und darum tue ich das auch jetzt.
Auch wenn es vorläufig ungelesen bleiben wird,
Hoffe ich noch immer auf die kleine Chance,

Dass man einander nach Ablauf dieser Zeiten
Noch mal im Leben wiedersieht.
Man weiß nicht, wohin unser Schicksal führen wird
Und ob es für uns gut ausgeht – oder auch nicht.

Heute sind es keine Geburtstagsjubelklänge,
Der Jubel ist schon lang vorbei,
Ich möchte Ihnen, Mutter, heute nur danken
Für alles, was Sie für mich getan haben.

Audio als Lesetext (niederländisch)

Een jaar ging heen, een jaar zonder berichten,
Ik weet vandaag niet, waar U bent
En toch ga ik vandaag iets voor U dichten,
Ik ben nu eens van ouds eraan gewend,

Voor Uw verjaardag een gedicht te schrijven
En daarom doe ik het ook thans,
Al zal ’t voorloopig ongelezen blijven,
Ik hoop nog altijd op de kleine kans,

Dat men elkaar naar afloop dezer tijden
Nog eens in leven wederziet,
Men weet het niet, waarheen ons lot zal leiden
En of het voor ons goedkomt of ook niet.

Vandaag zijn ’t geen verjaardags jubelklanken,
De jubel is lang naar de maan,
Ik wensch U, Moeder, heden slechts te danken
Voor al hetgeen U voor me hebt gedaan.

Englische Übersetzung: For mother

A year went by, a year with no news,
Today I know not, where You are
And yet, I will write a poem for You today,
Since long has it been my habit,

To write a poem for Your birthday
So that’s what I will do once more,
Although it will remain unread for now,
I still hope for that small chance

That once these times come to an end
We will see each other once more in life,
We know not, whereto our fates will lead us
And whether a happy end awaits us, or not.

Today we don’t rejoice with birthday celebrations,
Those belong to times long past,
Today I merely wish to thank you, Mother,
For everything You have ever done for me.

Nazityrannie

2:07 Minuten

Audio als Lesetext (deutsch)

Tagtäglich fallen neue Tote,
Fließt immer wieder neues Blut
Der Helden, die eurem Gebote
Noch widerstehn und eurer Wut.

Ihr haltet eine Welt in Schrecken,
Der Schrecken ist’s, der euch erhält
Und eurer Missetaten Flecken,
Die sind die Pfeiler eurer Welt.

Der Menschen Angst ist eure Stütze,
Der Menschen Furcht ist euer Schild,
Ihr macht das Zittern euch zunütze
Vor eurem graus’gen Götzenbild.

Und niemals darf die Furcht erlahmen,
Nein, ständig haltet ihr sie wach,
Ihr schändetet den deutschen Namen,
Ja Deutschland wurde nach und nach

In aller Welt das Land des Bösen,
Der Grausamkeit, der Tyrannie,
Die Welt sah euer deutsches Wesen,
Sie sah es und vergißt es nie.

Ihr habt die Menschen aufgetrieben,
Ihr habt die Menschen aufgescheucht,
Hier, da und dort, hüben und drüben,
Und doch nicht euer Ziel erreicht.

Ihr habt gemartert und erschossen,
Ihr habt gefoltert und gequält,
Ihr habt das Blut der Welt vergossen,
Für’s Hirngespinst, das euch beseelt.

Ein Rattenschwanz von Raub und Morden,
Von Grausamkeit und Barbarei
Ist bei euch Staatsbetrieb geworden,
Die Mörder wurden Polizei.

Wenn Menschen für die Freiheit stritten,
Jagt man sie wie Verbrecher auf
Und dann haben sie ausgelitten,
Denn dann spricht euer Flintenlauf.

Er spricht die neue deutsche Sprache,
Die eurer Nazidespotie,
Und doch entgeht ihr nicht der Rache,
Nein, die erreicht euch irgendwie.

Es ist als ob vom Blut gerötet
Die Erde zu euch Mördern spricht:
Ob ihr die Freiheitskämpfer tötet,
Ihr tötet doch die Freiheit nicht.

Englische Übersetzung: Nazi Tyranny

More people die each passing day
More blood is spilled relentlessly
From heroes who defy your will
Who still resist you and your rage.

You keep the planet horrified
So horror’s what you shall receive
For your misdeeds, those stubborn stains,
Are pillars holding up your world.

The people’s panic props you up
The people’s terror is your shield
You put their trembling to use
Atop your grisly, morbid shrine.

You never let the terror fade,
Oh no, you keep it strong, alive,
As you defame the German name.
By now, the world sees Germany

As evil’s land, the headquarters
Of cruelty and tyranny.
The world has seen your German ways,
And what they’ve seen they shan’t forget.

You’ve rounded up the multitudes,
You’ve flushed them out from hiding spots,
From everywhere and all around,
And yet you haven’t reached your goal.

You’ve tortured and you’ve fired your guns,
You’ve wounded, maimed, and massacred.
The world is gushing with red blood
Because of figments of your mind.

Long sprees of theft and butchery,
Of ghastliness and savagery,
Are now, for you, affairs of state.
The murderers became police.

When people fight for liberty
They’re hunted down like criminals
Until you end their misery:
Your rifles have the final say.

They speak in the new German tongue
The cant of Nazi tyranny
And yet revenge won’t pass you by.
No, somehow it will reach you too.

As though alive, the bloodstained earth
Will speak to you vile murderers:
For freedom fighters you may kill,
But liberty shall never die.

De honden van de NSB

1:41 Minuten
(niederländisch)

Deutsche Übersetzung: Die Hunde von der NSB

Die Spürhunde der Besatzer,
Die Hunde von der NSB,
Pangermanisch haargenau,
Ergeben und folgsam dienen sie.

Schau, wie sie spüren, wie sie schnüffeln,
Sie sind voller Hundegeist,
Und kann sich an der Jagd erfreuen
Solch ein NSBer-Hundebiest.

Sie machen jedoch Jagd auf Menschen,
Das macht ihnen offensichtlich Freude
Und ist gemäß der Moffenwünsche,
Ihr Vaterland schert sie keinen Deut.

Man spürt und schnüffelt und gibt Pfoten,
Alle Kunststücke gekonnt umgesetzt,
Und verrät seine Landsgenossen
Mit Spionage und Gebell.

Man macht das eine und macht das andere,
Schreckt nicht zurück vor Schuld und Schande,
Und manch braven Niederländer
Spielt man den Deutschen in die Hand.

So arbeitet man treu für die Besetzer
Und tut, als ob man selbst der Boss ist,
Und ist ein Hund nur an der Kette,
Und das weiß Piet und das weiß Klaas.

Aber deshalb sind sie doch gefährlich
Und ängstlich schaut man nach ihnen aus,
Die meisten Menschen zittern wahrlich
Zurzeit vor einer NSBer-Schnauze.

An die Besatzer ist gebunden
Ihr Schicksal und ihr Wohl und Weh,
Das sind die Moffen-Kettenhunde,
Die Hunde von der NSB.

P.S. Les ich erneut, was ich geschrieben habe,
Bitte ich meinen Hund um Entschuldigung,
Denn dieser ist tausendmal erhaben
Über solch einen NSBer-Hund.

Audio als Lesetext (niederländisch)

De speurhonden van den bezetter,
De honden van de NSB.
Pangermanistisch volgens letter
Dienen ootmoedig en gedwee.

Kijk hoe zij speuren, hoe zij snuffeln,
Zij zitten vol van hondengeest,
Er kan zich aan de jacht verknuffeln
Zulk NSBer hondenbeest.

Zij maken echter jacht op menschen,
Dat trekt hun blijkbaar ten plezier
En is volgens de moffenwenschen,
Hun vaderland scheelt hun geen zier.

Men speurt en snuffelt en geeft poten,
Brengt alle kunstjes handig af
En men verraadt zijn landgenoten
Met spionage en geblaf

Men doet het een en doet het ander,
Deinst niet terug voor blaam en schand
En menig brave Nederlander
Speelt men de Duitschers in de hand.

Zoo werkt men trouw voor de bezetting
En doet alsof men zelf is baas
En is een hond slechts aan de ketting
En dat weet Piet en dat weet Klaas.

Maar daarom zijn zij wel gevaarlijk
En men kijkt angstig voor hun uit,
De meeste menschen beven waarlijk
Thans voor een NSBer snuit.

Aan de Bezetters is verbonden
Hun noodlot en hun wel en wee,
Dat zijn de moffenkettinghonden,
De honden van de NSB.

P.S. Herlees ik wat ik heb geschreven,
Vraag ik excuses aan m’n hond,
Want die is duizend keer verheven,
Boven zulk NSBer-hond.

Englische Übersetzung: The dogs of the NSB

The sniffing dogs of the enemy,
The dogs of the NSB.
Pan-Germanic to the letter
They serve humbly and with meekness.

Look how they sniff, how they search,
Brimming with canine senses,
In hunting they can find their taste
Those NSB hounds.

But these dogs, they hunt for people,
It seems to bring them thrill and joy
And it’s pleasing to the Brownshirts,
Their fatherland concerns them not.

They search and sniff and offer paws,
They show their well-trained tricks
And betray their countrymen
With espionage and barking

They do one thing and do another,
Not bothered by shame and blame
And many good Dutchmen
Are turned in to the Germans by their hand.

Thus, they loyally work for the occupier
And act like they are themselves the chiefs
While in truth they are in chains
Piet knows that, and so does Klaas.

Nonetheless, they pose a danger
And fearfully we watch out for them,
Most people truly tremble
When an NSB hound sniffs.

To the occupier is connected
Their fate and their well-being,
They are the chained dogs of the Nazis,
The dogs of the NSB.

P.S. Reread what I have written,
I offer my apologies to my dog,
For it rises above and beyond,
Such an NSB hound.

20. Juli 1944

1:30 Minuten

Audio als Lesetext (deutsch)

Neben Propagandaphrasen
Kommen aus der deutschen Küche
Eigenartige Gerüche
Und wir rümpfen unsre Nasen,

Denken an den Staat der Dänen,
Von dem Hamlet hat gesprochen,
Wo es ebenfalls in jenen
Zeiten hat sehr faul gerochen.

Von der vielgerühmten Einheit
Kriegt man eine neue Lesung,
Sie entpuppt sich als ein Schein heut,
Wirklichkeit ist die Verwesung.

Niemand glaubt, daß er’s Vertrauen
Und des Volkes Liebe hätte,
Adolf Hitler kann nur bauen
Auf die Macht der Bajonette,

Der SS und der Gestapo,
Wieder mordet man sehr fleißig,
Man erlebt heut ein Da Capo
Jener Nacht von ’34.

Wieder müßen Köpfe rollen.
Offizieren, Generälen,
Die nicht so wie Hitler wollen,
Jagt man aus dem Leib die Seelen.

Man führt seinen Krieg im Westen,
Man führt seinen Krieg im Osten,
Und im Süden steht mit Resten
Noch der Kesselring auf Posten.

Krieg nach außen und nach innen
Hitlerhaß und wilde Gärung
Und man spottet der Erschwerung
Und will noch den Krieg gewinnen.

Ich muß sagen, recht verschwommen
Ist die deutsche Volksgemeinschaft,
Ein paar Nazis ausgenommen
Seh ich nichts als Hitlerfeindschaft.

Englische Übersetzung: July 20, 1944

Other than their bogus slogans
German cooks are busy cooking
Rather odd, peculiar rumors
So we’re forced to hold our noses

Thinking of the Danish kingdom
In which Hamlet duly noted
There was likewise something fishy
Giving off a putrid odor.

Unity, once celebrated,
Looks pretend on second viewing,
Proves to be a clever costume;
Underneath, decay is rampant.

People’s trust and their affection
Do not lie in Adolf Hitler
All he has as a foundation
Is the power of the weapon

SS troops and the Gestapo
Murdering as much as ever
In a reminiscent echo
Of the Night of the Long Knives.

Once again the heads are rolling.
Officers, lieutenants, generals,
Who won’t march to Hitler’s trumpet
Lose the spirits from their bodies.

In the west they fight his battles
In the east they fight his battles
In the south, at battle stations
Kesselring has got the scraps.

War abroad and war domestic
Hitler-hatred growing rampant
But they only mock the setback
Still believe in German vict’ry.

I must say the German people
Seem ambivalent and iffy
Save for several stubborn Nazis
Anti-Hitler scorn seems total.

Der neue Prometheus

1:24 Minuten

Audio als Lesetext (deutsch)

Sechsundzwanzig Monde flohen
Und noch stets ist man gefangen
Und man fühlt der Feinde Drohen
Und das Herz ist voller Bangen.

Wird die Rettung nimmer tagen,
Kommt kein Ende an dies Grauen,
Das wir nun seit Jahren tragen,
Wird man nie die Sonne schauen?

Kommt uns niemals der Befreier,
Uns, die wir so lang gesessen,
Wie Prometheus einst vom Geier
Seine Leber ward zerfressen,

Nagt die Zeit an unsrer Galle,
Frißt die Zeit an unsren Seelen,
Man sitzt in der Mausefalle,
Fühlt das Messer an den Kehlen.

Jeder Laut bringt uns zum Beben,
Denn man könnte uns erwischen,
Angst und Furcht sind unser Leben,
Und in Höhlen und in Nischen

Halten wir uns scheu verborgen,
Scheu versteckt und scheu verkrochen,
Warten auf den Freiheitsmorgen,
Der uns lang schon ward versprochen.

Wie Prometheus durch die Götter
An den Felsen ward geschmiedet,
Sitz ich hier und fluch und wetter,
Denn ich finde, es ermüdet.

Englische Übersetzung: The New Prometheus

Twenty-six full moons have waned
Still we’re captive prisoners
Menaced by our enemies
Heartbeats drumming with our fear.

Will salvation never dawn?
Will these horrors never end?
Years of carrying this fright,
Will we ever see the sun?

Won’t they ever rescue us
Long-lost captives at long last?
Just like poor Prometheus,
Liver gnawed by vultures’ beaks,

Time gnaws harshly at our spleens
As it nibbles at our souls,
Sitting here like mice in traps
We feel razors at our throats.

Every echo makes us flinch,
Thinking we will soon be caught
Fear and dread our daily bread.
So, in caves and crevices

Cautiously we keep concealed
In the shadows, crouching low,
Waiting for our freedom’s dawn,
Long since promised, not yet here.

Like Prometheus, whom the gods
Chained to rocks then left alone,
Here I sit and curse and rage,
Weary with each passing day.

„Ich schieb Wache“

1:58 Minuten

Audio als Lesetext (deutsch)

Ich schieb Wache, feine Sache,
Und ich langweil mich gar sehr,
Ich bin traurig und ich lache
Schon seit Jahr und Tag nicht mehr.

Ohne Freude vorm Gebäude,
Wo der Kommandante haust,
Bonzen gehn in Samt und Seide,
Mich das Ungeziefer laust.

Juckt’s im Nacken, möcht ichs packen,
Doch auf Wache steht man stramm
Vor den Nazikakerlaken,
Hätt’ ich bloß ’nen Lausekamm.

Und so steh ich mit der Flinte
Irgendwo im fremden Land
Und das Reich sitzt in der Tinte
Und das Reich wird kahlgebrannt.

Meine Frau in Buxtehude
Schreibt, die Wohnung sei zerstört,
Sie haust in ’ner Selterbude
Und sie fröre unerhört,

Doch was mache schon die Kälte,
Für den Führer schlief sie gern
Unterm freien Himmelszelte,
Hitler ist ihr Augenstern.

England, schreibt sie, wird erliegen,
Und dann wird das Leben schön,
Denn wir werden sicher siegen,
Auf ein frohes Wiedersehn.

Dämmerts der noch nicht allmählich,
Wenn sie das, was ich weiß, wüßt!
Meine Olle glaubt noch fröhlich,
Daß der Krieg gewonnen ist.

Ich schieb Wache und ich lache
Seit ’nem Jahr zum ersten Mal,
Sie glaubt noch, der Führer mache
Einst ein Ende dieser Qual.

Und er tut, als ob er’s könnte,
Und in Wahrheit kann er’s nicht,
Nächstens kriegt sie Witwenrente,
Wenn sie nicht ’ne Bombe kriegt.

Und so steh ich mit der Knarre
Ohne Sinn und ohne Zweck
Und der Führer schiebt die Karre
Immer weiter in den Dreck.

Englische Übersetzung: “Standing guard”

Standing guard is a rare privilege
But I’m truly bored to tears
Feeling gloomy, haven’t chuckled
In at least six months or more.

Standing guard outside this building
Where the Commandant lives
Bigwigs flaunt their silk and velvet
As I scratch my itchy head.

Feel a tickle, want to scratch it
But a guard must stand up straight
With these Nazi lice out crawling
I could really use a comb.

So I’m standing with my musket
Somewhere in a foreign land,
And the Reich is deep in trouble
Wildfires burning it to bone.

My poor wife in Buxtehude
Writes that our apartment’s wrecked
Now she’s sleeping in a shelter
Shivering disgracefully.

But who cares about the weather?
For the Führer, she would sleep
Under heaven’s tabernacle,
Hitler’s star lights up her eyes.

Britain, she writes, will surrender,
Then life shall be beautiful,
Victory’s around the corner,
See you then! It shan’t be long.

Won’t she soon begin to realize?
If she knew what I now know!
Gullible is my old lady
Thinking that this war is won.

Standing guard, I start to chuckle
For the first time in a year.
She believes that Adolf Hitler
Still can end this agony.

He pretends it’s in his power
But in truth he’s impotent.
Soon she’ll get a widow’s pension,
If she doesn’t get a bomb.

So I’m standing with my rifle,
Without reason, without rhyme,
As the Führer drags the wagon
Deeper into muck and mire.

Abschied

1:25 Minuten

Audio als Lesetext (deutsch)

Von der Erde ausgespien
Und geächtet und verloren,
Stets verdammt zum Weiterziehen,
Scheint zum Wandern man geboren.

Ohne festen Zufluchtsort,
Stets verjagt und stets vertrieben,
Einmal hier und einmal dort,
Und kein Platz ist uns geblieben.

Und so muß Ahasver gleich
Wieder man sein Bündel schnüren
Und ich frag: Wohin wird euch,
Wohin mich das Schicksal führen?

Öffnet man uns eine Tür,
Willig uns Asyl zu geben,
Denn wir wollen weiterleben,
Wenn man auch nicht weiß, wofür.

Ist dies Leben wirklich wert
Und solch wunderbare Sache,
Daß man sich die Mühe mache
Und solch Sorge uns beschwert?

Laßt es laufen, wie es läuft,
Laßt nur kommen, was da wolle,
Laßt es rollen wie es rolle,
Glücklich jener, der begreift,

Daß am Ende dieser Zeit,
Daß am Ende dieser Sorgen,
Einmal tagt ein neuer Morgen
Ohne Schmerz und ohne Leid.

Bauend auf den guten Stern
Laßt uns auseinandergehen,
Hoffend, daß nicht allzufern
Winkt ein frohes Wiedersehen.

Englische Übersetzung: Farewell

We’re spit out by the earth
And ostracized and lost,
Condemned to wander on
As though born just to drift.

Without a safe retreat,
Chased off and driven out,
First here and later there,
And no place ours for good.

And thus, like Ahasver,
It’s time to pack our bags,
I ask: where will fate lead
For all of you and me?

Perhaps someone will think
To let us through their gate
Some place we can survive
Though we know not for what.

Is this life such a prize
And such a wondrous thing
For them to take such pains
To burden us with fear?

Let life go as it will
And yes, let come what may,
A random roll of dice.
A happy man will see

That when this era ends,
These worries are bygone,
A brand-new day will dawn
And leave all pain behind.

With faith in our good star,
We each must go our way,
And hope that before long
We’ll meet again with joy.

Was wird geschehn?

2:04 Minuten

Audio als Lesetext (deutsch)

Wie wird des Führers Lebensfilm
Nach diesem Kriege weiterlaufen,
Wird er wie einstmals Kaiser Wilm
Im Ausland einen Landsitz kaufen?

Von großem landschaftlichem Reiz,
’ne Art Ersatz für Berchtesgaden,
In Schweden oder in der Schweiz
Wird er im Sonnenlichte baden,

Wird er dort leben als Rentier,
Vielleicht wie Wilhelm Bäume sägen?
Wird er mit Goebbels und Darré
Des nachmittags Patiencen legen?

Wird man, wenn er den Krieg verlor,
Ihn so in Ruhe altern lassen,
Verborgen und gesichert vor
Dem Groll all derer, die ihn hassen?

Schickt man ihn nach St. Helena
Genau wie einstmals Bonaparte?
Sankt Helena ist viel zu nah,
Das zeigt ein Blick uns auf die Karte.

Was tut man nur, was tut man bloß
Mit diesem Bluthund, diesem schwierigen,
Wie werden wir dies Scheusal los,
Wie wär’s zum Beispiel mit Sibirien?

Doch wag ich solchen „Ehren“gast
Den Russen nicht mehr zuzumuten,
Die hatten schon genügend Last
Und mußten schon genügend bluten.

Wie wär’ es weiter mit Cayenne?
Dort wächst, wie jeder weiß, der Pfeffer!
So wie ich meine Leser kenn,
Besähen sie dies wohl als Treffer.

Cayenne ist unerträglich heiß
Und wohl bekannt als Teufelsinsel,
Von Adolfs Stirne perlte Schweiß
In unablässigem Gerinnsel,

Und ganz allmählich schmölze er
Zu einem kleinen Nichts zusammen,
Wenn Adolf so verschwunden wär,
Dann schlügen hoch der Freude Flammen.

Was wird geschehn? Ich weiß es nicht.
Sankt Helena? Cayenne?? Die Hölle??
Ich hoffe, daß das Weltgericht
Die richtige Entscheidung fälle.

Englische Übersetzung: What Shall Transpire?

How will the film of Hitler’s life
Proceed after the current war?
Will he, like Emp’ror Willy once,
Acquire a manor house abroad?

Somewhere with scenic, rustic charm,
A Berchtesgaden substitute,
In Sweden or in Switzerland
Will he be lounging in the sun?

Will he live there, a pensioner,
Perhaps like Wilhelm felling trees?
Play Patience in the afternoons
With Goebbels and his friend Darré?

Assuming he should lose the war,
Will he be left to age in peace,
Protected and secured from his
Resentful, bitter enemies?

Or exiled to St. Helena
Just like Napoleon Bonaparte?
St. Helena is much too close,
As any map will demonstrate.

Oh what to do, oh what to do?
This bloodhound is a tricky case.
Where can we put the beast away?
Perhaps in deep Siberia?

Yet sending such an “honored” guest
To Russia would be quite unfair.
They’ve borne plenty of burdens there
And shed more than their share of blood.

Or what about the Devil’s Isle?
Cayenne, the place where peppers grow!
If I can gauge my readers right,
They’d likely authorize that choice.

Cayenne is far too hot to bear
No wonder Satan loves the place
So Adolf’s brow would shine with sweat
In beads and streaming rivulets

Till, bit by bit, the man would melt
Into a little nothingness
If Adolf thus should disappear
Our flames of joy would rise sky-high.

What shall transpire? I do not know,
St. Helena? Cayenne?? Or Hell??
I dearly hope that the World Court
Will choose a fitting punishment.

To the Allied Forces

1:21 Minuten
(englisch)

Audio als Lesetext (englisch)

Almost five years we had to wait,
For many men you came too late,
My dearest Allied Forces,
But still it is a happy day,
The Huns away, the Huns away
With cars and bikes and horses.

The Huns away and we are free,
Sorry we are, there is no tea,
There is no gin nor wine,
The German took it all away,
But still it is a happy day,
You took the Siegfried-Line.

With Patton and Montgomery
You’re taking Western Germany.
It is no fairy tale,
Within a few days you’ll shake hands

At Berlin with our Russian friends,
The German nightingale,
Herr Hitler, doesn’t sing to-day
He’s feeling after some delay
Around his neck a tie.

He’ll be hung up, that makes him sad,
But we are glad, yes we are glad,
The Nazi-gang will die.

And there will be a time of peace,
There will be butter, sugar, cheese
And … freedom for us all.
You brought this freedom by your tanks
And thus to-day. I’m screaming: thanks.

The secret Music-Hall

Deutsche Übersetzung: An die Alliierten Streitkräfte

Fast fünf Jahre mussten wir warten,
Für viele Männer kamt ihr zu spät,
Meine geliebten Alliierten Streitkräfte,
Aber dennoch ist es ein glücklicher Tag,
Die Hunnen weg, die Hunnen weg
Mit Autos und Rädern und Pferden.

Die Hunnen weg und wir sind frei,
Es tut uns leid, es gibt keinen Tee
Es gibt keinen Gin und keinen Wein,
Die Deutschen haben alles weggenommen,
Aber dennoch ist es ein glücklicher Tag,
Ihr habt die Siegfried-Linie durchbrochen.

Mit Patton und Montgomery
Nehmt ihr Westdeutschland ein.
Es ist kein Märchen,
In wenigen Tagen schüttelt ihr Hände

In Berlin mit unseren russischen Freunden,
Die deutsche Nachtigall,
Herr Hitler, singt heute nicht,
Er fühlt nach einiger Verzögerung
Um seinen Hals eine Schlinge.

Er wird aufgehängt werden, das macht ihn traurig,
Doch wir sind froh, ja wir sind froh,
Die Nazi-Bande wird sterben.

Und es wird eine Zeit des Friedens geben,
Es wird Butter, Zucker, Käse geben
Und ... Freiheit für uns alle.
Ihr habt diese Freiheit mit euren Panzern gebracht
Und deshalb schreie ich heute: Danke.

Der geheime Musiksaal

An den Leserkreis des Secret Service (Secret Service)

1:03 Minuten

Audio als Lesetext (deutsch)

Mein Kind, der Secret Service ist
Das kleinste Blatt der Welt.
Ihn redigiert ein Journalist,
Ein Mensch ist’s, der ihn hält.

Du bist mein einz’ger Abonnent
Zu einem Gratispreis,
Gleichzeitig bist du Rezensent
Und bist du Leserkreis.

Ich redigier von spät bis früh,
Die Arbeit stimmt mich froh.
Du siehst, ich geb mir große Müh,
Sorg’ für Geschmack, Niveau.

Mein Wunsch ist, daß die Leserschaft
Die Redaktion versteht,
Verständnis gibt mir Freude, Kraft
Und Elastizität.

Mein Publikum, du meine Welt,
Durch jede Zeile klingt,
Ich hoffe, daß es dir gefällt,
Was „Secret Service“ bringt.

Englische Übersetzung: To the Secret Service Reader

My child, the Secret Service is
The smallest rag in all the world.
It's published by one journalist,
And one man holds it in his hands.

You’re my subscriber singular
Receiving it for free,
You also pen the one review
As the sole audience.

So I revise from dusk till dawn,
And working lifts my mood.
You see, I take the greatest pains
For quality and taste.

I hope the readership can grasp
The writer’s messages
For that would give me strength and joy
And elasticity.

My audience, my very world,
This echoes through each line,
I hope sincerely that you like
What “Secret Service” brings.

Flucht aus der Gegenwart (Secret Service)

1:32 Minuten

Audio als Lesetext (deutsch)

Man sieht sich jetzt so gut wie nie
(Das letzte mal vor gut drei Wochen)
Und doch, in meiner Phantasie
Bin ich bei dir ununterbrochen.

Wir sprechen über mein Gedicht,
Wir sprechen über Tagesfragen,
Und dann fühl ich die Fessel nicht,
An der wir beide so schwer tragen.#

Den Schrecken dieser Gegenwart
Kann man so wundersam entfliehen,
Im Geiste kann ich innig zart
Dich meine Liebste an mich ziehen.

Im Geiste spür ich deinen Kuß,
Den du mir kürzlich hast gegeben,
Ich fühl den Augenblicksgenuß
In meinem Herzen weiterleben.

Wir haben leider noch nicht viel
Gemeinsame Erinnerungen.
Nur ab und zu ein kurzes Spiel,
Wo beider Seele hat geklungen.

Und alles andere kam im Brief,
Aus unserem Briefwechsel wuchs Liebe,
Zunächst noch zögernd, später tief
Und beide fühlten, daß dies bliebe.#

Und beide hoffen auf die Zeit,
Daß aus den Briefen wachse Leben,
Die herrlich schöne Wirklichkeit,
Die man einander bald wird geben.

Englische Übersetzung: Escape from the Present

We hardly see each other now
(Most recently three weeks ago)
In my imagination, though,
I’m with you every waking hour.

We talk about my latest poem,
We talk about the daily news,
And then I do not feel the chains
That weigh us both down heavily.

The horrors of the present day
Can be escaped in brilliant ways,
And in my mind I still can draw
You close, beloved one, to me.

In spirit I can feel the kiss
That recently you gave to me,
I feel that momentary joy
Abiding there inside my heart.

Regrettably, we’ve lacked much time
Together forming memories
Apart from the sporadic bout
When our two spirits harmonized.

The rest all came by envelope,
In letters growing into love
That moved from cautious to profound
And we both felt that this would last.

And we both hope the day will come,
That out of letters life will grow,
A splendid new reality,
A gift that someday soon we’ll share.

Collage in grau-blau auf orangem Hintergrund mit blauer Zickzacklinie: der Kopf eines Mannes in einer Taucherglocke, seine Hand umfasst einen Schlauch, daneben ein Manometer.

Alle Angebote zur Ausstellung „Mein Dichten ist wie Dynamit“ Curt Blochs Het Onderwater Cabaret

Über die Ausstellung
„Mein Dichten ist wie Dynamit“ Curt Blochs Het Onderwater Cabaret – 9. Feb bis 26. Mai 2024
Begleitprogramm
Ausstellungseröffnung – 8. Feb 2024
Katastrophe. Wirken im Versteck. Führung durch die Ausstellung – Termin nach Absprache
Kuratorenführung für Mitglieder der FREUNDE DES JMB – 13. Feb 2024
Joodse vluchtelingen – Schicksale deutsch-jüdischer Emigrant*innen in den Niederlanden – 3. Mär 2024
Archivbestände zu deutschen Jüdinnen und Juden in den Niederlanden – Show and Tell für Mitglieder der FREUNDE DES JMB, 7. Mär 2024
Publikationen
JMB Journal 26: Het Onderwater Cabaret – Sonderausgabe zur Ausstellung
Digitale Angebote
OWC-Online-Feature – Ein Blick hinter die Kulissen der Aus­stellung
Leben und Werk von Curt Bloch – Essay mit biografischen Einblicken, JMB Journal 26
„Es ist kompliziert“ – Ein Text von Simone Bloch, Tochter von Curt Bloch, JMB Journal 26
„Ik neurie mee ’t propellerlied …“ – Essay über Het Onder­water-Cabaret als Zeugnis poli­tischen Wider­stands im nieder­ländischen Exil (1943–1945)
Untergrundliteratur in den Niederlanden 1940–1945 – Essay, JMB Journal 26
Aktuelle Seite: Alle Audiostücke der Ausstellung – mit Transkriptionen und Übersetzungen
Alle Ausgaben von Het Onderwater-Cabaret – zum Durchblättern
Siehe auch
Überleben im Versteck
Zum Webprojekt www.curt-bloch.com

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