Heimische Stube am Ruhetag: Jankel Adlers Gemälde „Sabbat“
Objekt im Fokus
Jankel Adlers Gemälde Sabbat gewährt den Blick in eine heimische Stube am wöchentlichen Ruhetag. Doch der Künstler zeigt nicht den feierlich-freudigen Moment der Begrüßung des Schabbats, den man aus vielen Darstellungen kennt, sondern die Stunden danach: Ein Mann liegt auf dem Sofa, sein Gebetbuch in der Hand, neben sich den Gebetsschal. Seine Frau sitzt auf einem Stuhl und hält eine Schale Sonnenblumenkerne im Schoß. Auf dem Tisch stehen Gegenstände und Speisen für den Schabbat. Doch sind die Kerzen heruntergebrannt, das Challebrot ist zur Hälfte gegessen und das Weinglas leer.
Jankel Adler, Sabbat, Öl auf Leinwand; Jüdisches Museum Berlin, Inv.-Nr. 2003/207/0, Foto: Roman März. Sie finden das Gemälde auch in unseren digitalisierten Sammlungsbeständen.
Ein Gedicht von Else Lasker-Schüler
Jüdische Themen, einzelne jiddische Wörter und Anspielungen auf Bräuche finden sich in vielen Werken von Jankel Adler. Daher schrieb die Dichterin Else Lasker-Schüler über ihren Freund:
Weiht er doch jedes Bildnis, das er malt,
Mit dichterischer, großer Harfenschrift
Seinem jungen Gotte Zebaoth.
Der Künstler Jankel Adler
Jankel Adler war 1913 aus Łódź an die Kunstgewerbeschule in Barmen, heute Wuppertal, gekommen. In den 1920er-Jahren beteiligte er sich an den Aktivitäten der Düsseldorfer, Kölner und zeitweilig auch Berliner linken Avantgarde. Dass er sich in dieser Zeit intensiv mit Wandmalerei beschäftigte, schlug sich auch in seiner Maltechnik nieder: eine Mischung aus Ölfarbe und Sand, in die er Muster ritzte.
Das Gemälde Sabbat entstand 1927/28 in Adlers – kurzen – erfolgreichen Jahren in Düsseldorf. Zu dieser Zeit bildete sich um ihn eine kleine jüdische Kunstgemeinde, zu der wohl auch Joseph Gottlieb zählte, der Düsseldorfer Rechtsanwalt, von dessen Erben unser Museum das Gemälde erwarb.
Weiterer Lebensweg
1933 ging Jankel Adler nach Paris ins Exil und schloss sich mit Kriegsausbruch 1939 den polnischen Streitkräften an. Zwei Jahre später musste er aus gesundheitlichen Gründen entlassen werden und lebte zunächst in Schottland und ab 1943 in London. Dort starb Jankel Adler 1949 in dem Wissen, dass keines seiner neun Geschwister die Schoa überlebt hatte.
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Titel |
Sabbat |
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Künstler |
Jankel Adler (1895–1949) |
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Sammlungsgebiet |
Bildende Kunst |
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Ort und Datierung |
Düsseldorf 1927/28 |
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Material |
Mischtechnik, Öl, Sand auf Leinwand |
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Maße |
120 x 110 cm |
Ein Audio aus unserer JMB App widmet sich dem Gemälde Sabbat
Mitlesetext
In diesem Gemälde ist Ruhe eingekehrt.
Es zeigt den Blick in eine Stube: Ein Mann liegt seitlings auf einer Bank, Gebetsschal und Buch vor ihm auf der gepolsterten Sitzfläche. Ihm schräg gegenüber sitzt eine Frau, einem leeren Stuhl zugewandt und eine Schale mit Körnern im Schoß. Auf dem Tisch zwischen den beiden stehen Gegenstände und Speisen des Schabbat: Zwei Kerzenständer mit heruntergebrannten Kerzen, ein angeschnittenes Zopfbrot, ein leeres Weinglas. Ganz rechts im Bild zeigt sich ein Vogel im offenen Fenster. Das feierliche Ritual am Freitagabend ist vorüber, der Schabbat hat begonnen.
Jankel Adler wurde 1895 in der Nähe von Łódź geboren. Bevor er ins Rheinland kam, gehörte er zur Gruppe Jung Jiddisch, einer Vereinigung bildender Künstler und Schriftsteller in Polen. Die Assimilation und die akademische Malweise ihrer Vorgängergeneration lehnten sie ab. Stattdessen nutzten sie die Formensprache des Expressionismus, um die jüdische Kunst als solche in die europäische Moderne einzugliedern. Zu den Aufgaben des Künstlers zähle es, laut Jankel Adler …
Jankel Adler: „… eine Synthese zu finden, eine angemessene Form, um jene Einzigartigkeit im Bild zu gestalten, die die jüdischen Massen in sich tragen, wie ein selbstverständliches Erbe ...“
Das Gemälde Sabbat entstand etliche Jahre später, als Adler zu einer neuen Formensprache – der Neuen Sachlichkeit – gefunden hatte. Doch fuhr er fort, sich mit jüdischen Themen auseinanderzusetzen.