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Selbstporträt an der Staffelei, Gemälde von Ludwig Meidner

Objekt im Fokus

Das Entstehungsjahr des Gemäldes Selbstporträt an der Staffelei markiert einen Wendepunkt im Schaffen Ludwig Meidners (1884–1966), einem der bedeutendsten jüdischen Vertreter des Expressionismus. 
 

Ludwig Meidner: Selbstporträt an der Staffelei, 1912, Öl auf Leinwand, 89,80 x 69,00 x 2,30 cm 
© Ludwig Meidner-Archiv, Jüdisches Museum der Stadt Frankfurt am Main, Foto: Jens Ziehe

Die Pathetiker als künstlerische Revolte

Im November 1912 stellte Meidner gemeinsam mit Jakob Steinhardt und Richard Janthur in Herwarth Waldens Galerie Der Sturm aus. Die drei Künstler nannten sich Die Pathetiker und wollten unter dem Vorzeichen eines neuen Pathos, wie der Schriftsteller Kurt Pinthus sich erinnerte, 

„bewusst mit übersteigertem Ausdruck, in feurigem Ausbruch überalterte Formen in den Künsten und der Gesellschaft zersprengen (…), um Neues, wie wir glaubten: Besseres aus zukunftsgläubigem Herzen und ‚tätigem Geist' zu schaffen oder wenigstens vorzubereiten“. 

Die Verbindung von künstlerischem, gesellschaftlichem und religiösem Aufbruch prägte Meidners Werk ebenso wie sein Leben. Vom links-anarchistischen Revolutionär wandelte er sich zum religiösen Mystiker und schließlich zum streng observanten Maler biblischer Themen.

Ludwig Meidner (1884–1966)

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Galerie Der Sturm

Die Galerie Der Sturm wurde 1912 von Herwarth Walden in Berlin gegründet und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Zentren der expressionistischen und avantgardistischen Kunst in Deutschland. 
Mehr auf der Website der Staatlichen Museen zu Berlin

Meidners Selbstbildnisse 

Die zahlreichen Selbstporträts Meidners waren Ausdruck einer fortwährenden künstlerischen Selbstbefragung. In ihnen erprobte der Künstler unterschiedliche Rollen und Vorbilder und gab sich dabei mal selbstquälerisch zweifelnd, mal dämonisch, mal frech. Im Selbstporträt an der Staffelei begegnet er den Betrachter*innen hingegen mit Selbstbewusstsein. 

Zwar orientiert sich die Komposition an den traditionellen Konventionen des Künstlerporträts und zeigt Ludwig Meidner im Akt des Malens. Dennoch löst sich das Werk deutlich von akademischen Vorbildern: Ein expressiver malerischer Duktus mit heftigen Pinselschwüngen, kantig übersteigerten Formen und intensiven, teils grellen Farben verleiht dem Gemälde eine dynamische Unruhe. So greift Meidner zwar die Bildtradition des Künstlerporträts auf, überschreitet deren konventionellen Rahmen jedoch durch seine expressive Formensprache deutlich. 

Titel

Selbstporträt an der Staffelei

Künstler

Ludwig Meidner (1884–1966)

Sammlungsgebiet

Bildende Kunst

Datierung

1912

Material

Öl auf Leinwand

Maße

89 x 69 cm

Erwerb

Ankauf aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin

Ausgewählte Objekte: Sammlung Bildende Kunst (14)

  • Sammlung Bildende Kunst

    Werfen Sie einen Blick in unser Kunst-Depot mit Werken der klassischen Moderne von Max Liebermann und Lovis Corinth oder Werbegrafik von Louis Oppenheim. Unter den Motiven finden sich biblische Themen und jüdische Motive ebenso wie intime Porträts oder Felix Nussbaums eindrückliche Verarbeitung seiner Verfolgungs erfahrung.

  • Gemälde von Albertine Mendelssohn-Bartholdy in goldenem Rahmen.

    Albertine Mendelssohn als Braut von August Theodor Kaselowsky

    Albertine Heine wirkt auf diesem Gemälde wie eine christliche Madonna: Sie hält den Ring auf Höhe ihres Herzens, trägt ein weißes Kleid und hat den Blick demütig gesenkt

    Objekt im Fokus
    1835

  • Karte des Heiligen Landes mit englischer und hebräischer Beschriftung

    Biblische Karte des Heiligen Landes

    Die „neue und originale biblische Karte des Heiligen Landes“ von 1983 war vermutlich nie dafür gedacht, Pilger*innen oder Reisenden vor Ort von Nutzen zu sein

    Objekt im Fokus
    1893

  • Malerei, ein Mann läuft einen Gang entlang.

    Einsamkeit von Felix Nussbaum

    Eindrücklich wie kaum ein anderer Künstler thematisiert Felix Nussbaum mit diesem Gemälde seine Situation als Verfolgter. Es entstand 1942 in Brüssel, wo sich der Maler versteckt hielt

    Objekt im Fokus
    1942

  • Malerei zeigt eine Familie aus Vater, Mutter, Kind.

    Familie Plesch von Max Slevogt

    Max Slevogt malte dieses Bild einer befreundeten Arztfamilie im Jahr 1928: Es stellt familiäre Intimität dar und ist zugleich ein Gruppenporträt repräsentativen Charakters

    Objekt im Fokus
    1928

  • Abstraktes Gemälde in Blau-, Schwarz- und Gelbtönen

    Komposition von Otto Freundlich

    Diese abstrakte Komposition malte Otto Freundlich im Jahr 1938 – ein Jahr nachdem ein anderes Werk von ihm im nationalsozialistischen Deutschland zum Inbegriff der „Entarteten Kunst“ geworden war

    Objekt im Fokus
    1938

  • Malerei zeigt die Umrisse eines Mannes.

    Moses sieht das Gelobte Land von Lesser Ury

    Für den Maler Lesser Ury war das Gemälde der Abschluss seiner lebenslangen Beschäftigung mit der Gestalt des Moses. Erhalten ist jedoch nur eine Pastellzeichnung des Motivs

    Objekt im Fokus
    1928

  • Porträt einer Frau (Charlotte Berend), die im Dreiviertelprofil auf einem roten Sessel vor einem Fenster sitzt.

    Petermannchen von Lovis Corinth

    Während eines Badeurlaubs an der Ostsee malte Lovis Corinth dieses Porträt seiner Schülerin und späteren Frau Charlotte Berend. Darin versteckt ist eine zweideutige Liebesbotschaft

    Objekt im Fokus
    1902

  • Ausschnitt aus einem Ölgemälde mit liegendem Mann mit Buch in der Hand und einer Frau mit Kopftuch am Tisch.

    Sabbat von Jankel Adler

    Jankel Adlers Gemälde Sabbat gewährt den Blick in eine heimische Stube am wöchen tlichen Ruhetag. Doch der Künstler zeigt nicht den feierlich-freudigen Moment der Begrüßung des Schabbats

    Objekt im Fokus
    1927/28

  • Statue eines nackten Mädchens aus Bronze.

    Schreitendes Mädchen von Elisabeth Wolff

    Die Skulptur von Elisabeth Wolff war 1934 ein Preis beim ersten Sportfest des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände. Das Kunstwerk befindet sich nur zur Verwahrung in unserer Sammlung

    Objekt im Fokus
    1934

  • Gemälde eines älteren Mannes im Anzug und Strohhut.

    Selbstportät mit Strohhut von Max Liebermann

    Auf dem späten Selbstporträt zeigt sich der Künstler als Bürger, mit dunklem Anzug und Panamahut. Zwei Jahre nach seinem 80. Geburtstag malte er sich mit einem Anflug von Resignation und Melancholie

    Objekt im Fokus
    1929

  • Farblithografie: Louis Oppenheim, Werbeplakat für S. Adam.

    Werbeplakat S. Adam von Louis Oppenheim

    Mit einem Plakat des bekannten Werbegrafikers Louis Oppenheim bewarb das Bekleidungsgeschäft S. Adam im Jahr 1908 seine Produkte für sportbegeisterte Frauen und Männer

    Objekt im Fokus
    1908

  • Druckgrafik: ein Mann steht in einer Menschenmenge.

    Zug durch’s Rote Meer von Jakob Steinhardt

    Der Holzschnitt von Jakob Steinhardt illustriert eine Haggada aus den 1920er Jahren: Ganz deutlich steht darin Moses ins Gesicht geschrieben, mit welch knapper Not sein Volk das rettende Ufer erreichte

    Objekt im Fokus
    ca. 1921

  • Kubistisch inspiriertes Gemälde einer Jazzband mit Saxophonist, Trompeter, Schlagzeuger, Gitarrist und im Hintergrund Hände am Klavier.

    Gemalter Jazz

    Wie Musik in Max Oppenheimers Gemälde Jazzband (Weintraubs Syncopators) sichtbar wird

    Objekt im Fokus
    1927

  • Ölgemälde in dunklen Farben, auf dem ein Maler mit Pinsel vor einer Staffelei sitzt und die Betrachtenden anschaut.

    Selbstporträt an der Staffelei von Ludwig Meidner

    Mit kraftvollem Duktus und gesteigerter Farbigkeit inszeniert Ludwig Meidner sich in diesem Selbstporträt als Künstlerfigur der Moderne

    Objekt im Fokus
    1912