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Zeugnisse von Aufstieg und Ausgrenzung: Die Praxisschilder des Arztes Dr. Oscar Hirschberg

Blick ins Depot

In unserer Sammlung befinden sich insgesamt sieben Schilder, mit denen Oscar Hirschberg (1866–1946) auf seine Praxis als praktischer Arzt aufmerksam machte. Sie dokumentieren nicht nur seinen beruflichen Werdegang, sondern auch politische Veränderungen über 40 Jahre.

Hellblaues Praxisschild mit gelbem Davidstern von Dr. Hirschberg

Praxisschild von Dr. Oscar Hirschberg, Berlin 1939–1945; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

Dr. Oscar Hirschbergs Lebensweg

Nach dem Studium in Berlin war Oscar Hirschberg ab 1889 zunächst in Bromberg tätig, das damals zur preußischen Provinz Posen gehörte. 1920 wurde Bromberg, dann Bydgoszcz, polnisch – möglicherweise ein Grund, warum der Arzt ab 1921 seine Praxis in Berlin betrieb.

Antisemitische Vorschriften

Im Oktober 1938 erhielt Oscar Hirschberg mit einem Rundschreiben des Beauftragten für »Jüdische Behandler« die Anweisung, wie sein Praxisschild zukünftig auszusehen habe. Es sei »ausschließlich in der Größe 30 mal 25 cm anzufertigen«, auf »himmelblauem Grund« seien in schwarzer Schrift der Name und der Zusatz »Zur ärztlichen Behandlung ausschließlich von Juden berechtigt« anzubringen. Die linke obere Ecke müsse eine »zitronengelbe runde Fläche« – Durchmesser 5 cm – mit einem blauen Davidstern – Dreieckshöhe 3,5 cm – zeigen. »Zur Vermeidung späterer Unkosten« wurde empfohlen, schon jetzt den Zusatznamen »Israel« auf das Schild zu setzen.

Berufsverbot für jüdische Ärzt*innen

Im Oktober 1938 erloschen die Approbationen der über 3.000 jüdischen Ärzt*innen, die noch im Deutschen Reich praktizierten. Aufgrund antijüdischer Boykotte, lokaler Initiativen der Berufsorganisationen und diskriminierender Verordnungen war es für sie seit 1933 zunehmend unmöglich geworden, vom Arztberuf zu leben. Lediglich 709 Ärzt*innen, die nach dem Reichsbürgergesetz als Jüd*innen galten, erhielten ab Herbst 1938 eine Sondergenehmigung. Diese erlaubte ausschließlich die Behandlung jüdischer Patient*innen, der eigenen Kinder sowie des*der Ehepartner*in und konnte jederzeit widerrufen werden. Es war zudem untersagt, sich Ärzt*in zu nennen; die Praxen mussten entsprechend gekennzeichnet werden. Ein Grund für die Erteilung der Sondergenehmigung konnte sein, dass der*die betroffene Ärzt*in in einer »Mischehe« lebte. Auch Oscar Hirschberg überlebte die Schoa dank seiner nichtjüdischen Ehefrau. Bis zu seinem Tod im Jahr 1946 war er als Arzt in Berlin tätig.

Aprilboykott

Am 1. April 1933 begann mit einem landesweiten Boykott von Geschäften, Arztpraxen und Anwaltskanzleien, die von Jüd*innen betrieben wurden, die organisierte Jüd*innenverfolgung im nationalsozialistischen Deutschland. Der sogenannte Aprilboykott wurde von der Parteileitung der NSDAP angeordnet und organisiert und war vielfach mit einer Beschädigung und Plünderung der betroffenen Geschäfte und Gewalt gegen ihre Betreiber*innen verbunden.

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Titel Praxisschild des Arztes Dr. Oscar Hirschberg
Sammlungsgebiet Alltagskultur
Ort und Datierung Berlin, 1938-1945
Material Blech, emailliert
Maße 25x30x2 cm
Erwerb Schenkung

In unserem Archiv befinden sich auch Patientenunterlagen aus dem Nachlass von Dr. Oscar Hirschberg. Warum wir diese Unterlagen jedoch nicht öffentlich zugänglich machen, erklärt Dr. Manfred Wichmann, ehemaliger Mitarbeiter im Archiv, in unserer Reihe »Was wir nicht zeigen«.

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Ausgewählte Objekte: Sammlung Alltagskultur (10)