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Haskala/Aufklärung

Der hebräische Begriff Haskala (השכלה) bezeichnet die jüdische Aufklärung. Seine Wurzel setzt sich aus den Buchstaben Schin (ש), Kaf (כ) und Lamed (ל) zusammen, die für sich genommen das Wort „Verstand“ bilden. So verweist der Begriff selbst auf das Ziel der Haskala: Es galt, das jüdisch-hebräische Erbe zu bewahren – und den Verstand zu respektieren. Es ging um keine geringere Aufgabe, als die Religion mit Philosophie und Wissenschaft zu versöhnen.

Die Haskala entstand als Teil der europäischen Aufklärungsbewegungen im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts in Berlin und Königsberg. Ihre Anhänger, die Maskilim, wollten der kulturellen und gesellschaftlichen Isolation der jüdischen Gemeinschaft ein Ende setzen. Sie plädierten für die Aneignung von Bildung und weltlichem Wissen – ein Weg, den sie selbst bereits erfolgreich beschritten hatten. Das traditionelle Judentum versuchten sie mit der modernen Kultur ihrer Zeit in Einklang zu bringen. Dabei betonten sie diejenigen Elemente der jüdischen Tradition, die Judentum und Christentum gemeinsam waren: Sie gaben der Bibel und dem biblischen Hebräisch den Vorrang vor dem Talmud.

Die Maskilim gründeten moderne jüdische Schulen. In Büchern und Zeitschriften warben sie unter den Jüdinnen*Juden in Deutschland und später auch in Osteuropa für ihre Ideen. Einige der Salonièren gehörten zu den ersten jüdischen Frauen überhaupt, die Texte unter ihrem eigenen Namen veröffentlichten. Da sich all diese Schriften zum großen Teil an ein jüdisches Publikum richteten, bedienten sich ihre Autor*innen oft der hebräischen Sprache. Andere verwandten die deutsche Sprache, um ihre aufklärerischen Ziele zu erreichen. Teilweise wurden diese Schriften in hebräischen Buchstaben gedruckt, da der Mehrheit der jüdischen Bevölkerung diese Schrift vertrauter war.

Ziel der Maskilim war aber auch die Aufklärung der nichtjüdischen Öffentlichkeit: Sie wiesen darauf hin, dass die jüdische Religion mit der modernen Aufklärungsphilosophie nicht in Widerspruch stand und dass Jüdinnen*Juden den Christ*innen ebenbürtig seien. Sie kämpften für die Gleichberechtigung und gesellschaftliche Anerkennung der jüdischen Minderheit.

Schriftzug égalité in Neonleuchtschrift, darunter schräg durch den Raum hängende Zitate wie: Die Menschen sind und bleiben von Geburt frei und gleich an Rechten.

Übergang zum Ausstellungs­bereich Auch Juden werden Deutsche in der Dauerausstellung des Jüdischen Museums Berlin; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Yves Sucksdorff

Die Symbolfigur der jüdischen Aufklärung war Moses Mendelssohn. Er hielt noch strikt an der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz, fest. Doch viele seiner Nachfolger*innen kritisierten offen die jüdische Tradition. Sie befürworteten eine Reform der jüdischen Religion und die Abschaffung all jener Gebote, die sich mit einem Leben in der Gesellschaft nur schwer vereinbaren ließen. So begann im Zeitalter der Aufklärung die komplizierte Gratwanderung der deutschen Jüdinnen*Juden zwischen dem Wunsch nach Integration und Bewahrung ihrer religiösen und kulturellen Eigenart.

Wer ist Moses Mendelssohn?

Moses Mendelssohn (1729–1786), bedeutender Philosoph der Aufklärung, Wegbereiter der Gleichberechtigung der Jüdinnen*Juden in Deutschland

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