Geschichte unseres Museums, Teil 4

Seit der Eröffnung

Deckenkonstruktion des Glashofs vor blauem Himmel

Das Jüdische Museum Berlin entwickelte sich seit seiner Eröffnung zu einer besonderen Institution in der deutschen Museumslandschaft. Mit seinen Ausstellungen und seiner Sammlung, seinen Publikationen, der pädagogischen Arbeit und einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm stellt es einen lebendigen Ort der Diskussion und des Nachdenkens über jüdische Geschichte und Kultur sowie über Migration und gesellschaftliche Vielfalt in Deutschland dar. Es ist ein Museum für alle: jung und alt, jüdisch und nichtjüdisch, aus Deutschland oder anderen Ländern.

  1. Finanzierung der Museumsarbeit
  2. Orientierung an den Besucher*innen
  3. Unsere Dauerausstellung
  4. Das Rafael Roth Learning Center
  5. Temporäre Ausstellungen
  6. Bildungsarbeit und Kulturveranstaltungen
  7. Unsere Akademie
  8. Ein neuer Museumsdirektor und eine neue Programmdirektorin

Finanzierung der Museumsarbeit

Als öffentlich-rechtliche Stiftung erhält unser Museum von der Bundesrepublik Deutschland eine jährliche Finanzierung; die restlichen Mittel werden durch Spenden und Einnahmen des Hauses aufgebracht. Seit 2002 wird beim jährlichen Jubiläums-Dinner mit Freund*innen und Förder*innen des Museums der Preis für Verständigung und Toleranz verliehen. Die Spendenerlöse kommen der Kinder- und Jugendbildungsarbeit des Museums zugute.

Orientierung an den Besucher*innen

Seit der Eröffnung besichtigten jährlich etwa 700.000, d. h. täglich etwa 2.000 Menschen das Jüdische Museum Berlin. Am 19. November 2015 konnten wir unsere zehnmillionste Besucherin begrüßen.

Unser Haus orientiert sich an den Interessen seiner Besucher*innen, die von einer eigenen Abteilung erforscht werden. In allen Publikumsbereichen finden Sie freundliche und kompetente Ansprechpartner*innen.

Unsere Dauerausstellung

Unsere Dauerausstellung lädt auf über 3.000 qm Ausstellungsfläche zu einer Entdeckungsreise durch nahezu zwei Jahrtausende Geschichte ein. In 14 Epochenbildern vom Mittelalter bis zur Gegenwart zeichnet die Ausstellung ein Bild jüdischen Lebens. Alltags- und Kunstobjekte, Fotos und Briefe, interaktive Elemente und Medienstationen erzählen von jüdischer Kultur in Deutschland und zeigen, wie eng jüdisches Leben mit der gesamtdeutschen Geschichte verwoben ist. Derzeit arbeiten wir am Konzept einer neuen Dauerausstellung.

Das Rafael Roth Learning Center

Bis März 2017 lud das multimediale Rafael Roth Learning Center Besucher*innen ein, an 20 Computerstationen jüdische Geschichte und Kultur zu entdecken. Es erweiterte das Ausstellungsangebot des Museums um vielfältige Medienanwendungen. Dokumente, Objekte, Filme, Tonaufnahmen und interaktive Spiele zeigten Vielfalt und Wechselhaftigkeit der jüdischen Geschichte in Deutschland.

Foto von v.l.n.r.: W. Michael Blumenthal, Monika Grütters, Paula Konga, Peter Schäfer

Gründungsdirektor W. Michael Blumenthal, Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Museumsdirektor Peter Schäfer (v. l.) begrüßen die zehnmillionste Besucherin, Paula Konga (mit Blumenstrauß); Jüdisches Museum Berlin, Foto: Svea Pietschmann.

Innenansicht des Rafael Roth Learning Centers im Jüdischen Museum Berlin. Man sieht mehrere Personen vor Bildschirmen.

Das von Rafael Roth gestiftete Learning Center im Untergeschoss des Museums ist mittlerweile Geschichte; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Thomas Bruns. Mehr über dessen Namensgeber auf unserem Blog.

Temporäre Ausstellungen

Jährlich bis halbjährlich wechselnde Ausstellungen mit einem Themenspektrum von Geschichte über Gesellschaft bis hin zu zeitgenössischer Kunst, Fotografie, Literatur oder Comics sowie kleinere Ausstellungen mit Objekten aus unserer Sammlung ergänzen auf drei Ausstellungsflächen die kulturgeschichtliche Dauerausstellung.

Bildungsarbeit und Kulturveranstaltungen

Ein besonderer Schwerpunkt unserer Museumstätigkeit liegt auf der Bildungsarbeit: Das umfangreiche pädagogische Angebot, die Forschungsmöglichkeiten in Bibliothek und Archiv sowie das vielfältige Veranstaltungsprogramm richten sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Neben Führungen und Workshops finden Vorträge, Konzerte und Lesungen statt. Jährlich wird ein Kultursommer veranstaltet. Im Jahr 2007 wurde zudem die Bildungsinitiative »on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule« ins Leben gerufen, bei der das Museum mit einem Tourbus und einer mobilen Ausstellung Schulen in allen Bundesländern besucht. Außerdem erstellen wir Unterrichtsmaterialien für Schulen.
Im November 2012 ging eine Datenbank mit ausgewählten Beständen unserer Sammlung online: http://objekte.jmberlin.de.

Unsere Akademie

Skulptur, die Superman zeigt, wie er aus senkrechtem Flug auf dem Boden aufprallt

Marcus Wittmers, Auch Helden haben schlechte Tage, 2005; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

Foto aus der Vogelperspektive von der Akademie in der ehemaligen Blumengroßmarkthalle

Akademie des Jüdischen Museums Berlin (Vogelperspektive, Juli 2013); Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

Ebenfalls im November 2012 wurde ein neues, von Daniel Libeskind umgestaltetes Gebäude eröffnet: die Akademie des Jüdischen Museums Berlin. Sie ist nach Libeskinds Entwurf »Zwischenräume« in die ehemalige Blumengroßmarkthalle vis à vis des Museums integriert; der Umbau wurde durch eine großzügige Spende von Eric F. Ross finanziert. Das Gebäude vereint auf einer Fläche von 6.000 qm unser Archiv, unsere Bibliothek, die Bildungsabteilung sowie die Veranstaltungen der Akademieprogramme, die aus einem Themenschwerpunkt zu Migration und Diversität sowie einem Jüdisch-Islamischen Forum bestehen. Durch die Akademieprogramme widmen wir uns seit 2013 neben der Geschichte und Kultur des deutschen Judentums auch den Wechselbeziehungen religiöser und ethnischer Minderheiten untereinander. Dabei befassen wir uns verstärkt mit den politischen, sozialen und kulturellen Bedingungen, die notwendig sind, um die gesellschaftliche Teilhabe von Minderheiten sicherzustellen.

Ein eigenes Fellowship-Programm schärft seit 2012 dieses wissenschaftliche Profil. Das erste Fellow-Projekt Lebenswirklichkeiten. Jüdische Gegenwart in Deutschland von Dr. Karen Körber beschäftigte sich mit der zweiten Generation der eingewanderten russischsprachigen Jüd*innen in Deutschland und wurde Ende 2014 abgeschlossen. Aus Anlass des 90. Geburtstags von W.  Michael Blumenthal wurde 2016 ein nach ihm benanntes Fellowship im Bereich Jüdisch-Islamisches Forum eingerichtet. Erster W.  Michael Blumenthal Fellow seit November 2016 ist Walid Abdelgawad mit seinem Postdoc-Projekt »Wer eine Religion kennt, kennt keine.« Reflexionen über Islam und Judentum in Schriften deutschsprachiger jüdischer Orientalisten (1833–1955), das neue Aspekte in der jüdisch-islamischen Beziehungsgeschichte der Moderne beleuchtet. Seit Januar 2017 ist als zweite W. Michael Blumenthal Fellow die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Rosa Fava mit ihrem Postdoc-Projekt zur Didaktik des Nahostkonflikts am Museum.

Entwurfszeichnung eines Gebäudes

Entwurf von Daniel Libeskind für die Akademie des Jüdischen Museums Berlin; Daniel Libeskind

Ein neuer Museumsdirektor und eine neue Programmdirektorin

Im September 2014 gab Direktor W. Michael Blumenthal, der die Entstehung und Weiterentwicklung unseres Museums seit 1997 maßgeblich geprägt hatte, sein Amt auf. Zum neuen Direktor wurde der international angesehene Judaist Peter Schäfer berufen. 2015 verlieh das Museum seinem Gründungsdirektor Blumenthal den Preis für Verständigung und Toleranz und benannte im Januar 2016 die Akademie zu seinen Ehren in W. Michael Blumenthal Akademie um.

Seit dem 1. Februar 2017 ist Léontine Meijer-van Mensch neue Programmdirektorin und Stellvertreterin des Direktors des Jüdischen Museums Berlin. Sie folgte auf Cilly Kugelmann, die das Museum von September 2002 bis März 2017 als Programmdirektorin und Stellvertreterin des Direktors begleitet hatte.

Portrait Peter Schäfer

Peter Schäfer, Juni 2014; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Yves Sucksdorff

CC by-sa

Hier finden Sie einen Audiomitschnitt der Rede, die W. Michael Blumenthal anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Preis für Verständigung und Toleranz 2015 gehalten hat. Er spricht über seine Geschichte mit dem Jüdischen Museum Berlin, aber auch über aktuelle Politik und neue Projekte des Museums. Seine Freude über die Auszeichnung wurde überschattet durch den terroristischen Anschlag in Paris am Vortag der Preisrede.

Museumsgeschichte (5) Ideen, Debatten, Entscheidungen, Eröffnung Show all

Ideen, Debatten, Entscheidungen, Eröffnung

Hier finden Sie die Entstehungsgeschichte unseres Museums in vier Kapiteln und einer chronologischen Übersicht – vom ersten Jüdischen Museum in Berlin, das 1938 zwangsweise geschlossen wurde und an dessen Sammlungskonzept unser Museum anknüpft, bis zur Benennung unserer Akademie nach dem Gründungsdirektor W. Michael Blumenthal im Jahr 2016.

Vorgeschichte (1971–1992)

1971 entstand in West-Berlin die Idee eines Jüdischen Museums, das an das Berlin Museum angebunden sein sollte. 1992 wurde schließlich der Grundstein des dafür vorgesehenen Gebäudes nach dem Entwurf von Daniel Libeskind gelegt.

Kontroversen und Widersprüche (die 1990er-Jahre)

In den 1990er-Jahren spitzen sich die Konflikte zwischen denjenigen, die für ein eigenständiges Jüdisches Museum in Berlin eintraten, und denjenigen, die es als Teil des Berlin Museums verstanden, immer mehr zu.

Politische Entscheidungen (2001)

Die Ernennung W. Michael Blumenthals zum Museumsdirektor sowie die Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin führten schließlich zu einem eigenständigen Jüdischen Museum Berlin, das am 9. September 2001 eröffnete.

Seit der Eröffnung (2001–heute)

Mit Ausstellungen und Publikationen, der pädagogischen Arbeit und einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm entwickelte sich unser Museum zu einem lebendigen Ort der Reflexion über jüdische Geschichte und Kultur sowie über Migration und gesellschaftliche Vielfalt in Deutschland.

Zeitleiste (1933–2017)

Ein Überblick anhand von Daten:
Von der Eröffnung des ersten Jüdischen Museums in Berlin 1933 bis zum Amtsantritt der neuen Programmdirektorin und Stellvertreterin des Direktors des Jüdischen Museums Berlin, Léontine Meijer-van Mensch, am 1. Februar 2017.