Geschichte des Jüdischen Museums Berlin

Ein Überblick anhand von Daten

Hier finden Sie einen chronologischen Überblick von der Eröffnung des ersten Jüdischen Museums in Berlin 1933 bis zur Benennung unserer Akademie nach dem Gründungsdirektor des heutigen Jüdischen Museums Berlin, W. Michael Blumenthal, im Jahr 2016.

Januar 1933 Am 24. Januar 1933, wenige Tage vor der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933, eröffnet das erste Jüdische Museum Berlins in der Oranienburger Straße. Im Zuge des Novemberpogroms wird es 1938 von der Gestapo geschlossen und seine Bestände beschlagnahmt. Trägerin des ersten Jüdischen Museums war die Jüdische Gemeinde zu Berlin. Mehr zum ersten Jüdischen Museum in Berlin ...
Februar 1976 Nach der Gründungsversammlung am 18. November 1975 konstituiert sich im Februar 1976 die »Gesellschaft für ein Jüdisches Museum in Berlin e. V.« und veröffentlicht ihre Satzung. Ihr Ziel war es, vis à vis unseres heutigen Museums das Ephraim-Palais wieder aufzubauen und darin das neue Jüdische Museum unterzubringen. Der Plan wurde jedoch nicht verwirklicht.
August 1981 Das Berlin Museum erwirbt die Judaica-Sammlung des 1980 verstorbenen Münsteraner Kantors Zvi Sofer für das künftige Jüdische Museum. In der Sammlung befinden sich zahlreiche Zeremonialobjekte wie Tora-Schmuck, Textilien, Leuchter und Schofare. Mehr über unsere heutige Judaica-Sammlung ...
November 1986 Am 26. November 1986 eröffnet die »Jüdische Abteilung« des Berlin Museums drei Ausstellungsräume im Martin-Gropius-Bau. Bis 1998 werden hier Dauer- und Wechselausstellungen zur Geschichte und Kultur der Berliner Jüd*innen gezeigt.
Juni 1989 Der Berliner Senat schreibt Ende 1988 einen »Realisierungswettbewerb für den Erweiterungsbau des Berlin Museums mit Abteilung Jüdisches Museum« aus. Im Juni 1989 wählt das Preisgericht unter 165 Einsendungen den Entwurf »Between the Lines« von Daniel Libeskind. Mehr zum Libeskind-Bau ...
November 1990 Die Jüdische Abteilung im Berlin Museum erhält 1990 zehn Gemälde aus dem Israel Museum als langfristige Leihgabe. Sie stammen aus dem Bestand des ehemaligen Jüdischen Museums in Berlin, das 1938 geschlossen und dessen Sammlung konfisziert wurde. Teile der Gemäldesammlung wurden 1946 wiedergefunden und später dem Israel Museum in Jerusalem übergeben. Mehr über unsere heutige Kunstsammlung ...
November 1992 Durch die Vereinigung der stadthistorischen Museen in West und Ost werden die Objekte zur jüdischen Geschichte Berlins zusammengeführt, darunter alte Bestände des Märkischen Museums, aber auch Erwerbungen aus der Zeit der NS-Herrschaft. Die Ausstellung Die andere Hälfte präsentiert diese Objekte im November 1992 in den Räumen der Jüdischen Abteilung des Berlin Museums im Martin-Gropius-Bau.
April 1995 1994 wird der israelische Kurator Amnon Barzel zum Leiter der »Abteilung Jüdisches Museum« im Berlin Museum ernannt. Im April 1995 eröffnet für das Richtfest im Rohbau des neuen Museumsgebäudes von Daniel Libeskind die Ausstellung ÜberLeben in Sarajevo mit Fotografien von Edward Serotta.
Mai 1995 Zum Richtfest des Erweiterungsbaus erscheint die Broschüre Ein Museum für Berlin. Darin werden die gegensätzlichen Positionen zum Grad der administrativen Eigenständigkeit des Jüdischen Museums Berlin bereits sichtbar.
Sommer 1997 Der Konflikt zwischen dem Leiter des »Jüdischen Museums« Amnon Barzel, der den gesamten Erweiterungsbau und nicht nur das Untergeschoss für ein gänzlich eigenständiges Jüdisches Museum reklamierte, und der Berliner Kulturverwaltung mündet darin, dass Barzel im Sommer 1997 gekündigt wird.
Dezember 1997 Der ehemalige amerikanische Finanzminister W. Michael Blumenthal wird im Dezember 1997 zum Direktor des Jüdischen Museums Berlin berufen. Blumenthal erwirkt die Eigenständigkeit des Hauses und die Überführung aus der Verwaltung des Landes Berlin in die des Bundes.
Januar 1999 Im Rahmen einer feierlichen Eröffnung wird der Museumsbau Ende Januar 1999 an die Kulturverwaltung des Berliner Senats übergeben. Bis zum Frühjahr 2001 besuchen 350.000 Menschen aus aller Welt das noch leere Gebäude. Die öffentliche Wahrnehmung der spektakulären Architektur des Libeskind-Baus und der Streit um den institutionellen Rahmen fördern den Wunsch nach einem eigenständigen Jüdischen Museum.
August 2001 Am 16. August 2001 verabschiedet der 14. Deutsche Bundestag das Gesetz zur Errichtung einer »Stiftung Jüdisches Museum Berlin«. Damit wird das Jüdische Museum Berlin zu einer bundeseigenen Stiftung des öffentlichen Rechts. Mehr zum Stiftungsgesetz ...
September 2001 Am 9. September 2001 eröffnet das Jüdische Museum Berlin seine Dauerausstellung. Zwei Jahrtausende jüdischer Geschichte werden leicht verständlich und mit interaktiven Elementen beleuchtet. Mehr zu unserer Dauerausstellung ...
September 2002 Cilly Kugelmann, die seit 2000 im Museum bereits als Leiterin der Bildungsabteilung, der Abteilung Wissenschaft und Forschung sowie der Ausstellungsabteilung tätig war, wird Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin und Stellvertreterin des Direktors. Mehr über Cilly Kugelmann ...
April 2005 In der Dauerausstellung wird das neue Kapitel »Deutsche und Juden zugleich« eröffnet. Vor dem Hintergrund der Geschichte von Emanzipation und Antisemitismus stellt es den Patriotismus, den Zionismus, den Sozialismus und die Taufe als mögliche Identitäten deutscher Jüd*innen in der Zeit von 1800 bis 1914 dar.
Januar 2006 Ein weiteres Kapitel bereichert unsere Dauerausstellung: Der neu eingerichtete Raum zur Gegenwart »So einfach war das« beschäftigt sich mit jüdischer Kindheit und Jugend im deutschsprachigen Europa seit 1945.
Februar 2006 Der Berliner Unternehmer Rafael Roth stiftet dem Museum ein multimediales Learning Center. Es lädt die Besucher*innen ein, an Computerstationen jüdische Geschichte und Kultur zu entdecken. Für die dortige Kindergeschichte »Sansanvis Park« gewinnt unser Museum den Deutschen Bildungssoftware-Preis »digita« in der Kategorie »Privates Lernen unter 10 Jahren«. Mehr zum Rafael Roth Learning Center ...
November 2006 Museumsdirektor W. Michael Blumenthal wird in Berlin mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
März 2007 In Kooperation mit Human Rights Watch startet unser Museum eine Aktionswoche: »Darfur: Verbrechen gegen die Menschlichkeit«. Zwei Ausstellungen, eine internationale Konferenz und weitere Veranstaltungen machen auf das Morden und die Menschenrechtsverletzungen im Sudan aufmerksam. Mehr zu den Darfur-Ausstellungen Vor den Augen der Welt sowie Vom Krieg gezeichnet ...
Juni 2007 Das Bildungsprojekt »on.tour – Das Jüdische Museum Berlin macht Schule« startet im Juni 2007. Mit einer mobilen Ausstellung, einem interaktiven Workshop und einem Tourbus steuert unser Museum Schulen in mehreren Bundesländern an. Mehr zu on.tour ...
September 2007 Der Innenhof des Museumsaltbaus wird überdacht. So entsteht der neue Glashof unseres Museums, entworfen von Daniel Libeskind. Er wird im Beisein des Architekten und vieler prominenter Gäste feierlich eröffnet. Mehr zum Glashof ...
August 2010–Juni 2013 In der ehemaligen Blumengroßmarkthalle auf der gegenüberliegenden Straßenseite entsteht ein Erweiterungsbau: die neue Akademie des Jüdischen Museums Berlin. Das Gebäude wird nach dem Entwurf »Zwischenräume« von Daniel Libeskind und mit großzügiger finanzieller Unterstützung durch Eric F. Ross umgebaut. Es soll das Bildungs- und Forschungsprogramm des Museums beherbergen. Mehr zu unserer Akademie ...
September 2011 Unser Museum nimmt sein zehnjähriges Jubiläum zum Anlass für eine Bestandsaufnahme: Die Sonderausstellung Heimatkunde zeigt Arbeiten von 30 Künstler*innen, die zentrale Aspekte ihrer Wahrnehmung in und von Deutschland thematisieren. Acht Auftragsarbeiten sind eigens für die Ausstellung entstanden: von Arnold Dreyblatt, Via Lewandowsky und Durs Grünbein, Anny und Sibel Öztürk, Julian Rosefeldt, Misha Shenbrot, Paul Brody, Azra Akšamija, Lilli Engel und Raffael Rheinsberg. Mehr zur Ausstellung Heimatkunde ...
April 2012 Unter dem Namen »intonations« ist das Jerusalem International Chamber Music Festival erstmals im Jüdischen Museum Berlin zu Gast und findet seitdem jährlich hier statt. Künstler*innen verschiedenster Nationen feiern gemeinsam mit der Festivalleiterin Elena Bashkirova an sechs ausverkauften Konzertabenden den Dialog der Kulturen und die Liebe zur Kammermusik. Mehr zum Festival »intonations« ...
August 2012 Das Schuljahr 2012/2013 beginnt und damit auch die erste Schulpatenschaft des Museums. Geprägt von der Idee des wechselseitigen Lernens soll das auf vier Jahre angelegte Projekt mit der 8. Integrierten Sekundarschule (heute Refik-Veseli-Schule) in Berlin-Kreuzberg die historischen, kommunikativen und interkulturellen Kompetenzen der Schüler*innen stärken.
Oktober 2012 Unser Museum startet ein Fellowship-Programm zur jüdischen Geschichte und Kultur sowie zu Migration und Diversität in Deutschland. Erste Fellow wird die Soziologin Karen Körber. Unter dem Titel »Lebenswirklichkeiten. Jüdische Gegenwart in Deutschland« forscht sie zur zweiten Generation der seit den 1990er Jahren eingewanderten russischsprachigen Jüd*innen. Mehr über Karen Körber und ihr Projekt ...
November 2012 Im Rahmen der jährlichen Verleihung des Preises für Verständigung und Toleranz wird die Akademie des Jüdischen Museums Berlin feierlich eröffnet. Mehr zum Preis für Verständigung und Toleranz ...
Frühjahr 2013 Im Inneren des Akademie-Gebäudes erwacht auf 737qm der »Garten der Diaspora« mit circa 60 verschiedenen Pflanzen. Vom Landschaftsarchitekturbüro »atelier le balto« gestaltet setzt sich der Garten und seine Bepflanzung mit Aspekten des Lebens in der Diaspora auseinander. Mehr zum Garten der Diaspora ...
Mai 2013 Unser Museum erweitert seinen inhaltlichen Schwerpunkt: Die Akademieprogramme zu Migration und Diversität (mehr ...) widmen sich in einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm mit Lesungen, internationalen Konferenzen, Podiumsdiskussionen und Workshops der Migrations- und Antidiskriminierungsforschung sowie den Erinnerungskulturen in der Migrationsgesellschaft. Ein Jüdisch-Islamisches Forum (mehr ...) beschäftigt sich mit religionsphilosophischen und religionspraktischen Fragen zur jüdisch-muslimischen Beziehungsgeschichte.
Juni 2013 Das neue Kapitel in der Dauerausstellung »Vor Gericht: Auschwitz/Majdanek« nähert sich den beiden bedeutendsten deutschen NS-Prozessen, dem Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963–1965) und dem Düsseldorfer Majdanek-Prozess (1975–1981) sowie seinen Akteur*innen. Mehr zum Ausstellungskapitel »Vor Gericht« ...
Juli 2013 Nachdem auch unsere Bibliothek und unser Archiv in die Akademie umgezogen sind, wird diese für Besucher*innen geöffnet. Sie können nun unter anderem im öffentlichen Lesesaal recherchieren oder den Garten der Diaspora besuchen. Mehr zum Lesesaal ...
August 2013 In einem neu aufgestellten »Kunstautomaten« in der Dauerausstellung können Besucher*innen kleine Kunstwerke erwerben und mit nach Hause nehmen. Der umgebaute und neu gestaltete Warenautomat aus den 1970er-Jahren wird laufend mit Originalarbeiten in Berlin lebender jüdischer Künstler*innen bestückt, die in limitierter Auflage extra für den Automaten entstehen. Mehr zum Kunstautomaten ...
September 2014 Gründungsdirektor W. Michael Blumenthal, der die Entstehung und Weiterentwicklung des Museums seit 1997 maßgeblich geprägt hatte, gibt sein Amt auf. Zum neuen Direktor wird der international angesehene Judaist Peter Schäfer berufen. W. Michael Blumenthal begleitet das Museum auf Wunsch von Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Peter Schäfer für eine Übergangszeit in beratender Funktion. Mehr über W. Michael Blumenthal und Peter Schäfer ...
November 2015 Unser Museum begrüßt die zehnmillionste Besucher*in seit der Eröffnung im Beisein von Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, Peter Schäfer, Direktor unseres Museums, und W. Michael Blumenthal, Gründungsdirektor unseres Museums.

Beim jährlichen Jubiläums-Dinner verleiht unser Museum seinem Gründungsdirektor W. Michael Blumenthal den Preis für Verständigung und Toleranz.

Januar 2016 Zum 90. Geburtstag unseres Gründungsdirektors und geistigen Vaters der Akademie des Jüdischen Museums Berlin wird diese in W. Michael Blumenthal Akademie umbenannt. Mehr über die W. Michael Blumenthal Akademie ...
Museumsgeschichte (5) Ideen, Debatten, Entscheidungen, Eröffnung Alle anzeigen

Ideen, Debatten, Entscheidungen, Eröffnung

Hier finden Sie die Entstehungsgeschichte unseres Museums in vier Kapiteln und einer chronologischen Übersicht – vom ersten Jüdischen Museum in Berlin, das 1938 zwangsweise geschlossen wurde und an dessen Sammlungskonzept unser Museum anknüpft, bis zur Benennung unserer Akademie nach dem Gründungsdirektor W. Michael Blumenthal im Jahr 2016.

Vorgeschichte (1971–1992)

1971 entstand in West-Berlin die Idee eines Jüdischen Museums, das an das Berlin Museum angebunden sein sollte. 1992 wurde schließlich der Grundstein des dafür vorgesehenen Gebäudes nach dem Entwurf von Daniel Libeskind gelegt.

Kontroversen und Widersprüche (die 1990er-Jahre)

In den 1990er-Jahren spitzen sich die Konflikte zwischen denjenigen, die für ein eigenständiges Jüdisches Museum in Berlin eintraten, und denjenigen, die es als Teil des Berlin Museums verstanden, immer mehr zu.

Politische Entscheidungen (2001)

Die Ernennung W. Michael Blumenthals zum Museumsdirektor sowie die Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin führten schließlich zu einem eigenständigen Jüdischen Museum Berlin, das am 9. September 2001 eröffnete.

Seit der Eröffnung (2001–heute)

Mit Ausstellungen und Publikationen, der pädagogischen Arbeit und einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm entwickelte sich unser Museum zu einem lebendigen Ort der Reflexion über jüdische Geschichte und Kultur sowie über Migration und gesellschaftliche Vielfalt in Deutschland.

Zeitleiste (1933–2015)

Ein Überblick anhand von Daten:
Von der Eröffnung des ersten Jüdischen Museums in Berlin 1933 bis zur Verleihung des Preises für Verständigung und Toleranz 2015 an W. Michael Blumenthal, Gründungsdirektor des heutigen Jüdischen Museums Berlin.

Geschichte des Jüdischen Museums Berlin

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