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Die Quintessenz unseres Gedächtnisses

Objekttag Regensburg: Galyna Norkina

»Zeigen Sie uns Ihre Geschichte!« – dieser Einladung folgen seit vergangenem Jahr Jüdinnen*Juden, die uns für das Projekt Objekttage ihre Migrationsgeschichte erzählen.

Ein älteres Ehepaar hält ein Fotoalbum in Händen

Galyna Norkina (rechts), geboren 1940 in Dnepropetrowsk, UdSSR, heute Ukraine.
Seit 2002 in Deutschland.
Ärztin und Therapeutin.
Jüdisches Museum Berlin, Foto: Stephan Pramme

Ich habe ein kleines Fotoalbum mitgebracht, wir nennen es »Durch die Seiten unserer Erinnerung«. Es ist im Leben so gekommen, dass mein Mann und ich allein hierhergekommen sind. Unsere Kinder und Enkelkinder sind zuhause in Donezk geblieben. Deshalb fiel es uns sehr schwer, uns hier einzuleben, so weit weg von den Kindern zu sein. Dieses kleine Fotoalbum ist unser Lichtblick, es ist die Quintessenz unseres Gedächtnisses. Ich kann jederzeit da hineinschauen, auf meine Kinder, Söhne, Enkeltöchter. Da zu weinen, dort mich zu erinnern. Schon seit sechs Jahren arbeite ich ehrenamtlich in der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde Regensburg. Dort baue ich die Chronik unserer Gemeinde auf. Seit über fünf Jahren bin ich außerdem Volontärin im Programm »Nicht beanspruchtes Gedächtnis« eines weißrussischen Historikers, der in Israel lebt. Er hat Frontbriefe sowjetischer Soldaten des Zweiten Weltkrieges gesammelt und ich habe bereits fünftausend dieser Briefe entziffert! Das mache ich für die zukünftigen Generationen.

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