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Andenken an die Großmutter

Objekttag Regensburg: Ilya Haradzetski

»Zeigen Sie uns Ihre Geschichte!« – dieser Einladung folgen seit vergangenem Jahr Jüdinnen*Juden, die uns für das Projekt Objekttage ihre Migrationsgeschichte erzählen.

Ein älteres Ehepaar hält eine alte Schwarz-Weiß-Fotografie in Händen

Ilya Haradzetski (links im Bild) mit seiner Frau Sofiya Haradzetskaya, geboren 1932 in Mosyr, UdSSR, heute Weißrussland.
Seit 2000 in Deutschland.
Bauingenieur.
Jüdisches Museum Berlin, Foto: Stephan Pramme

Das Foto zeigt meine Großeltern und meine Mutter, sie ist damals wohl 16 Jahre alt, es wurde um 1913 aufgenommen. Das ist das einzige Foto, das während des Kriegs erhalten geblieben ist. Mein Großvater war Verwalter eines Gutsherrn und Kantor, meine Großmutter war sehr religiös. Wo immer sie war: jeden Freitag, jeden Samstag zündete sie Kerzen an und las die Tora – auf der Flucht, auf dem Bahnhof, auf dem Dampfer. Sie sammelte das ganze Jahr über Mehl von Verkaufstresen, siebte es durch und backte zu Pessach Mazze. Dafür ließ sie den Herd bis zur Glut ausdampfen, um ihn koscher zu machen. Sie war ein sehr gläubiger und unabhängiger Mensch. Sie hat seit 1940 bis zu ihrem Tod bei uns gelebt und uns während der Evakuation das Leben gerettet – sie hat Gemüse angebaut, nachts hat sie es bewacht, damit es nicht gestohlen wird. Das Foto ist über hundert Jahre alt. Früher gehörte es meiner älteren Schwester. Nachdem sie 2011 starb, habe ich es immer bei mir.

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