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Vom 2. bis 30. November bleibt das Jüdische Museum Berlin aufgrund der Corona-Beschränkungen geschlossen.

Meine Mutter war Partisanin

Objekttag Regensburg: Sofiya Haradzetskaya

»Zeigen Sie uns Ihre Geschichte!« – dieser Einladung folgen seit vergangenem Jahr Jüdinnen*Juden, die uns für das Projekt Objekttage ihre Migrationsgeschichte erzählen.

Ein älteres Ehepaar (rechts: Sofiya Haradzetskaya) mit einer alten Schwarz-Weiß-Fotografie

Sofiya Haradzetskaya (rechts im Bild) mit ihrem Mann Ilya Haradzetski.
Geboren 1933 in Dubrowno, Witebskaya Oblast, Weißrussland.
Seit 2000 in Deutschland.
Krankenschwester.
Jüdisches Museum Berlin, Foto: Stephan Pramme

Meine Mutter schloss sich den Partisanen an und kämpfte mit ihnen bis Ende 1944. Eine Freundin meiner Mutter hat mich aus dem Ghetto Dubrowno rausgeholt, meine Großeltern wurden erschossen. Sie hat mich zu ihren Verwandten gebracht, 30 Kilometer entfernt. Sie gaben vor, ich sei das Kind aus erster Ehe. Ich habe dort überlebt, habe die Kuh gehütet, ich sah nicht jüdisch aus. Später rettete diese Freundin auch meine Mutter aus dem Ghetto. Als Weißrussland befreit wurde, hat man zuerst nur den östlichen Teil befreit: Mosyr, Gomel. Der restliche Teil blieb bis November 1944 besetzt. Als die Rote Armee vorrückte, haben die Deutschen alle aus Dubrowno nach Orscha getrieben, damit für die Rote Armee nichts mehr übrigblieb, keine Unterstützung, keine Verpflegung, nichts. Ich ging barfuß, es war Winter. Ich habe bis heute Schmerzen in den Beinen. Da Orscha ein wichtiger Verkehrsknoten war, wollte die Wehrmacht die Stadt nicht aufgeben. Es gab schwere Kämpfe um die Stadt. Ich hütete wieder Kühe, auch nach der Befreiung von Oscha. So konnte ich mich über Wasser halten. Dann kam meine Mutter zurück, es war April 1945. Als sie mich gefunden hat, war ich 12 Jahre alt.

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