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Der Rosenstraße-Protest

Objekttag Regensburg: Dorothea Woiczechowski-Fried

»Zeigen Sie uns Ihre Geschichte!« – dieser Einladung folgen seit vergangenem Jahr Jüdinnen*Juden, die uns für das Projekt Objekttage ihre Migrationsgeschichte erzählen.

Ältere Dame hält ein silbernes Täschchen und einen silbernen Löffel in Händen

Dorothea Woiczechowski-Fried, geboren 1940 in Berlin.
Nicht eingewandert, überlebte den Krieg als »halbarisches Kind«.
Kinderärztin.

Meine Mutter war Jüdin. Sie war während der NS-Zeit durch meinen Vater geschützt, der nicht jüdisch war. Er durfte in seiner Zahnarzt-Praxis in Berlin nur noch Privatpatienten behandeln, darunter auch einige Gestapo-Leute, die mit ihren schwarzen Autos vorgefahren kamen. Das war sehr belastend für meine Eltern. Meine Mutter musste keinen Stern tragen, weil sie halbjüdische Kinder hatte. »Halbarische Kinder« hieß das damals. Meine Mutter hatte immer Angst. Sie ist irgendwann nicht mehr in den Luftschutzkeller gegangen, weil sie es einfach nicht mehr verkraftet hat. Schlimmer als die Bombenangriffe war für sie die ständige Bedrohung. Es wurden ja rundum Freunde und Verwandte abgeholt. Eines Tages war meine Mutter verschwunden. Weg. Und mein Vater wusste nicht, wo sie war. Meine Mutter hatte sich freiwillig gemeldet in dem Sammellager in der Rosenstraße. Die berühmte Geschichte des Rosenstraße-Protests ist vielleicht bekannt. Mein Vater war daran beteiligt. Meine Mutter wurde nach einigen Wochen entlassen. Ich habe noch den Entlassungs-Schein. Mein Vater hat zu meiner Mutter gestanden, das war damals ja nicht selbstverständlich. Ich habe einen Brief meiner Tante aus New York gefunden, die emigrieren konnte. Zum Tod meines Vaters schrieb sie: »He was standing by [your] mother so firm and strong through all these terrible years«.
Der silberne Löffel gehört zu einem Besteck, das meiner Urgroßmutter gehört hat. Meine Mutter hat es mir vererbt, es trägt die Initialen meiner Urgroßmutter. Wir benutzen es zum Schabbat. Das silberne Täschchen halte ich hoch in Ehren. Es ist ein Geschenk meiner Tante Toni Milch, geborene Honigmann. Es war ihr Hochzeitstäschchen. Ihr Mann war Professor Werner Milch, der Ziehbruder und Cousin meiner Mutter. Er konnte nach Haft zusammen mit seiner Frau nach England emigrieren.

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