Sammlung Bildende Kunst

Farbige Entwurfszeichnung von Zvi Hecker

Zvi Hecker, Jewish Primary School Berlin (Heinz-Galinski-Schule): Entwurfszeichnung der Jüdischen Schule Berlin, rainwater collection, 1993; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

Sammlungsgebiet Bildende Kunst

Unser Sammlungsgebiet Bildende Kunst dokumentiert und erforscht die jüdische Geschichte aus der Perspektive der visuellen Kultur. Derzeit umfasst der Bestand circa 470 Gemälde, 5.300 Blatt Druckgrafik, 2.000 Zeichnungen und etwa 240 Skulpturen und Architekturmodelle.

Sammlungsschwerpunkte und Sujets

Einen Schwerpunkt der Sammlung bilden Werke der klassischen Moderne, beispielsweise von Max Liebermann, Lesser Ury oder Ludwig Meidner. Damit knüpfen wir an die Tradition des ersten Jüdischen Museums in Berlin an, das 1938 zwangsweise geschlossen wurde. Ein weiterer Schwerpunkt ist die zeitgenössische Kunst, auf die sich unser Museum schon mit seiner Architektur bezieht. Außerdem finden Sie in unserer Dauerausstellung Installationen von Menashe Kadishman, Via Lewandowski und Arnold Dreyblatt.

Die Druckgrafik ist ebenfalls ein umfangreicher und wichtiger Teil unserer Kunstsammlung. Sie umfasst auch Plakate und Gebrauchsgrafik und steht in engem Zusammenhang mit den Werken der Buchkunst, die in der Bibliothek zusammengetragen werden. Darüber hinaus sammeln wir in Zusammenarbeit mit unserem Archiv und der Fotografischen Sammlung biografisches und dokumentarisches Material über Künstler*innen, wie beispielsweise Fotos, Korrespondenzen und Druckschriften.

Unter den Sujets sind biblische Themen und jüdische Motive stark vertreten, doch unser Interesse gilt auch allen anderen Bildgegenständen und besonders der ästhetischen Verarbeitung von Verfolgungs- und Emigrationserfahrungen. Wie in jeder kulturhistorischen Sammlung spielen zudem Porträts eine große Rolle. Viele davon stammen aus Nachlässen von Familien, die unserem Museum gestiftet wurden und auch Dokumente, Fotos und Objekte enthalten. Daneben sind die Bildnisse jüdischer Aufklärer des 18. Jahrhunderts besonders bemerkenswert.

Unser Gemäldebestand ist seit der 4. Auflage im Handbuch Gemälde in deutschen Museen. Katalog der ausgestellten und depotgelagerten Werke von Hans F. Schweers verzeichnet (4., aktualisierte und erweiterte Auflage. München: Saur 2005).

Was uns die Kunstwerke über die jüdische Geschichte sagen

Das Interesse eines kulturgeschichtlichen Museums an Kunst ist immer auch thematisch motiviert. Jedes Kunstwerk betrachten wir mit den Fragen, die sich unser Museum generell stellt: nach Tradition und Erinnerung, nach jüdischer Gegenwart und Visionen für die Zukunft.

In den Werken jüdischer Künstler*innen und den Erwartungen jüdischer Auftraggeber*innen verbinden sich die Bilderwelten der jüdischen Tradition mit denen ihrer Gegenwart. Die Arbeiten zeigen, wie Jüd*innen am kulturellen Leben ihrer Zeit teilhaben. Sie gestalten und interpretieren ihre Umwelt, positionieren sich in der deutschen Gesellschaft und reflektieren ihre Haltung zum Judentum. Auch als Auftraggeber*innen, etwa von Porträts, spielen Jüd*innen in der Kunstwelt eine wichtige Rolle. Ihre ästhetischen Vorlieben sind uns heute ein wichtiges Zeugnis ihrer kulturellen Identität.

Dies gilt auch für zeitgenössische Künstler*innen. Indem wir aktuelle Entwicklungen der Bildenden Kunst dokumentieren, reflektieren wir zudem den Umstand, dass ein Museum nur aus der Position der eigenen Gegenwart über Geschichte sprechen kann.

Zuweilen erzählen auch die Wege, auf denen Kunstwerke zu uns gelangt sind, eigene kleine Geschichten im Zusammenhang der deutsch-jüdischen Beziehungsgeschichte, beispielsweise bei Elisabeth Wolffs Skulptur Schreitendes Mädchen, die wir auf unserer Website genauer vorstellen und deren Provenienz wir weiter erforschen. Schauen Sie sich an, was unsere weiteren ausgewählten Sammlungsobjekte hier auf der Website alles über ihre Erschaffer*innen und deren Zeit verraten!

Das Bild zeigt eine Büste Mendelssohns im rechten Profil, links unten liegt Mendelssohns Schrift "Phädon", links stehen die "Psalmen", rechts unten liegt "Jerusalem". Vor der Büste Tintenfaß und Feder.

Johann Gottfried Schadow (1764–1850), Porträt von Moses Mendelssohn (1729–1786) nach einer Büste von Tassaert, 1786-87; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

Kuratorin für Kunst
Inka Bertz
Tel.: 
+49 (0)30 259 93 414
Fax: 
+49 (0)30 259 93 409

Stiftung Jüdisches Museum Berlin
Lindenstraße 9–14
10969 Berlin

Die Ansprechpartnerin für Foto-Reproduktionen ist Valeska Wolfgram (Tel.: +49 (0)30 259 93 433, E-Mail: v.wolfgram@jmberlin.de). Für Leihanfragen wenden Sie sich bitte an Katrin Strube (Tel.: +49 (0)30 259 93 417, E-Mail: k.strube@jmberlin.de).
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Sammlung Bildende Kunst

Werfen Sie einen Blick in unser Kunst-Depot mit Werken der klassischen Moderne von Max Liebermann und Lovis Corinth oder Werbegrafik von Louis Oppenheim. Unter den Motiven finden sich biblische Themen und jüdische Motive ebenso wie intime Porträts oder Felix Nussbaums eindrückliche Verarbeitung seiner Verfolgungs­erfahrung.

»Albertine Mendelssohn als Braut« von August Theodor Kaselowsky

Albertine Heine wirkt auf diesem Gemälde wie eine christliche Madonna: Sie hält den Ring auf Höhe ihres Herzens, trägt ein weißes Kleid und hat den Blick demütig gesenkt.

Biblische Karte des Heiligen Landes

Die »neue und originale biblische Karte des Heiligen Landes« von 1983 war vermutlich nie dafür gedacht, Pilger*innen oder Reisenden vor Ort von Nutzen zu sein.

»Einsamkeit« von Felix Nussbaum

Eindrücklich wie kaum ein anderer Künstler thematisiert Felix Nussbaum mit diesem Gemälde seine Situation als Verfolgter. Es entstand 1942 in Brüssel, wo sich der Maler versteckt hielt.

»Familie Plesch« von Max Slevogt

Max Slevogt malte dieses Bild einer befreundeten Arztfamilie im Jahr 1928: Es stellt familiäre Intimität dar und ist zugleich ein Gruppenporträt repräsentativen Charakters.

»Komposition« von Otto Freundlich

Diese abstrakte Komposition malte Otto Freundlich im Jahr 1938 – ein Jahr nachdem ein anderes Werk von ihm im nationalsozialistischen Deutschland zum Inbegriff der »Entarteten Kunst« geworden war.

»Moses sieht das Gelobte Land« von Lesser Ury

Für den Maler Lesser Ury war das Gemälde der Abschluss seiner lebenslangen Beschäftigung mit der Gestalt des Moses. Erhalten ist jedoch nur eine Pastellzeichnung des Motivs.

»Petermannchen« von Lovis Corinth

Während eines Badeurlaubs an der Ostsee malte Lovis Corinth dieses Porträt seiner Schülerin und späteren Frau Charlotte Berend. Darin versteckt ist eine zweideutige Liebesbotschaft.

»Sabbat« von Jankel Adler

Jankel Adlers Gemälde Sabbat gewährt den Blick in eine heimische Stube am wöchentlichen Ruhetag. Doch der Künstler zeigt nicht den feierlich-freudigen Moment der Begrüßung des Schabbats.

»Schreitendes Mädchen« von Elisabeth Wolff

Die Skulptur von Elisabeth Wolff war 1934 ein Preis beim ersten Sportfest des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände. Das Kunstwerk befindet sich nur zur Verwahrung in unserer Sammlung.

»Selbstportät mit Strohhut« von Max Liebermann

Auf dem späten Selbstporträt zeigt sich der Künstler als Bürger, mit dunklem Anzug und Panamahut. Zwei Jahre nach seinem 80. Geburtstag malte er sich mit einem Anflug von Resignation und Melancholie.

Werbeplakat S. Adam von Louis Oppenheim

Mit einem Plakat des bekannten Werbegrafikers Louis Oppenheim bewarb das Bekleidungsgeschäft S. Adam im Jahr 1908 seine Produkte für sportbegeisterte Frauen und Männer.

»Zug durch’s Rote Meer« von Jakob Steinhardt

Der Holzschnitt von Jakob Steinhardt illustriert eine Haggada aus den 1920er Jahren: Ganz deutlich steht darin Moses ins Gesicht geschrieben, mit welch knapper Not sein Volk das rettende Ufer erreichte.