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Silber aus ehemals jüdischem Besitz

Unge­wöhnliche Objekte unserer Dauer­­ausstelllung erzählen Geschichten jüdischen Lebens

Silberne Schmuckschüsseln, Kannen, Leuchter, Suppenkellen – vom prächtigen Silbergeschirr bis hin zum einfachen Gebrauchs­gegenstand: All dies gehörte einst jüdischen Familien in Hamburg.

Glasvitrine voller Geschirr, Besteck und sonstiger Gegenstände aus Silber

Silber aus ehemals jüdischem Besitz, Provenienz: bis 1939 unbekannter jüdischer Besitz, 1939, Finanzbehörde Hamburg, 1960 per „Silberzuweisung“ von der Stadt Hamburg an das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG); Jüdisches Museum Berlin, Inv.-Nr. L-2018/475/0, Foto: Roman März

„Alle deutschen und staatenlosen Juden müssen die in ihrem Eigentum befindlichen Edelmetalle und Schmuckstücke an staatliche Ankaufsstellen abliefern.“

Als Teil des bürokratischen Verfolgungs- und Enteignungs­prozesses im gesamten Deutschen Reich verordnete im Februar 1939 ein Gesetz die Abgabe von „Silber aus nicht­arischem Besitz“. Allein in Hamburg wurden 20 Tonnen Silber beschlagnahmt. Der Großteil wurde eingeschmolzen, ein kleiner Teil gelangte in öffentliche Sammlungen.

Dr. Silke Reuther, Provenienzforscherin am Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, über den heutigen Umgang mit diesem Erbe, Interview von 2019; Audio aus der JMB App, Foto: Michaela Hille

Silke Reuther arbeitet am Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe als Provenienz­forscherin und hat sich der Silber­bestände angenommen.

Silke Reuther:

„Also, es gibt oder gab unheimliche Berührungs­ängste mit diesem Silber, was man einfach daran sieht, dass diese mehr als 3.000 Objekte einfach in einem Depot weg­geschlossen sind. Das ist erstmal ein riesen Konvolut, [...] und das ist etwas, was wir jetzt eben auch so bearbeiten werden. Also, erstmal haben wir es aus dem Depot herausgeholt und gezeigt und das war einfach auch schon sehr bewegend zu sehen, wie sehr die Menschen, die Besucher aber auch Kollegen daran interessiert sind, sich mit diesem Thema noch einmal auseinander­zusetzen.

Und wir planen jetzt eben auch, diese Silber­bestände digital zu erfassen, um sie dann eben auch in der Sammlung online abrufbar zu machen, weil ich auch immer noch denke, [...] dass es immer noch möglich sein wird, Dinge dann auch vielleicht doch zurück­geben zu können. Und das ist etwas, was wir ganz wichtig finden.

Es wird nie ein normales Sammlungs­gut sein, aber man kann es auch ausstellen. Aber man muss seine Geschichte eben dann miterzählen.“

Dauerausstellung: 13 Dinge – 13 Geschichten (13)

13 Dinge – 13 Geschichten

Ein Tora-Schild, eine Skulptur, ein Kissen: 13 ungewöhnliche Objekte erzählen 13 Geschichten jüdischen Lebens. Eine Tour der JMB App führt quer durch unsere Dauerausstellung zu Hinguckern aller Art, manche klein, manche groß. Was wäre ein Museum ohne seine vielen Dinge, jedes reich an Bedeutung? Einen Vorgeschmack auf die Objekte bekommen Sie auch hier auf unserer Website.

L’amitié au coeur (Herzens­freund­schaft)

Étienne-Maurice Falconet (1716–1791), Paris, 1765, Marmor

Memmelsdorfer Genisa

Memmels­dorf (Fundort), ca. 1725–1830, Papier, Tinte, Textil, Leder, Porzellan

Tora-Schild

gestiftet von Isaak Jakob Gans (1723–1798), Hamburg, 1760–1765, Silber

Schewirat ha-Kelim (Bruch der Gefäße)

Anselm Kiefer, 1990–2019, Blei, Eisen, Glas, Kupfer­draht, Holzkohle und Aquatec

Familienbild Manheimer

Julius Moser (1805–1879), Berlin, 1850, Öl auf Leinwand

Puppen­spiel

König Salomo und die Königin von Saba, Käte Baer-Freyer (1885–1988), Berlin, ca. 1924, Sperrholz, Metalle

Zier­kissen

Daniel Josefsohn (1961–2016), Berlin, 2014/15

Silber aus ehemals jüdischem Besitz

Provenienz: bis 1939 unbekannter jüdischer Besitz, 1939, Finanzbehörde Hamburg

Abschieds­geschenk

Album zum Abschied von Margot (1913–2010) und Ernst Rosenthal (1898–1971), Bruno Heidenheim (gest. 1940), Chemnitz, 1936

Hand­wasch­becken

Hersteller: S. & D. Loewenthal, Frankfurt am Main, 1895–1996, Silber

Bereits ausgewandert

Nicht abgeholte Mitgliedsausweise der jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main, 1949

Komposition

Otto Freundlich (1878–1943), 1938, Tempera auf Karton

„Judenstern“

aus dem Besitz der Familie Lehmann, Berlin, 1941–1945