Welcome to Jerusalem

Unsere große Themenausstellung

Stadtansicht Jerusalem; by Berthold Werner (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Ausstellung Welcome to Jerusalem

Kirchen, Moscheen und Synagogen prägen unser Bild von Jerusalem. Für Jüdinnen*Juden, Christ*innen und Muslim*innen aus aller Welt ist die »heilige Stadt« ein wichtiges Zentrum ihres Glaubens. Gleichzeitig ist Jerusalem von außerordentlicher politischer Brisanz, da sowohl Israelis als auch Palästinenser*innen sie als ihre Hauptstadt beanspruchen.

11. Dezember 2017 – 30. April 2019
Ort

Altbau 1. OG


Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin

Von der Zeit des zweiten Tempels und seiner Eroberung durch Rom über die osmanische Herrschaft und die britische Mandatszeit bis zum 21. Jahrhundert - die Ausstellung Welcome to Jerusalem thematisiert eine Stadtgeschichte, in der Alltag, Religion und Politik unauflöslich miteinander verflochten sind. Zu sehen sind wertvolle historische Objekte und Modelle, die erstmals in Berlin gezeigt werden; ebenso mediale Installationen, die eigens für die Schau entwickelt wurden.

Arbeiten von Yael Bartana, Mona Hatoum, Gustav Metzger, Fazal Sheikh und weiteren internationalen Künstler*innen kommentieren historische Ereignisse und politische Positionen. Eine Filmspur mit Interviews aus der Echtzeit-Dokumentation 24h Jerusalem macht die Besucher*innen mit einer in jeder Hinsicht bemerkenswerten und aufregenden Stadt bekannt. – Welcome to Jerusalem!

Themen der Ausstellung – eine Auswahl

Wir wollen natürlich vor Ihrem Besuch noch nicht alles verraten. Aber in ein paar Themen der Ausstellung können Sie sich im Folgenden schon einlesen:

Jede der drei monotheistischen Religionen errichtete monumentale Bauwerke in der Stadt, die als Heiligtümer verehrt werden.

Nach der jüdischen Tradition werden biblische Urereignisse, wie der Bund, den Gott mit Abraham und seinen Nachkommen schloss, auf jenen Berg projiziert, auf dem später der Tempel stehen sollte. Damit wird der Tempelberg zu einem Ort der ewigen Anwesenheit Gottes, an dem sich das Ende der Geschichte vollziehen und die Schöpfung vollkommen wird.

Christ*innen verehren den Ort der Kreuzigung und Auferstehung Christi, über dem sich die Grabeskirche, nach der orthodoxen Tradition die Auferstehungskirche wölbt.

Die muslimischen Sakralbauten, der Felsendom, das älteste Heiligtum und die Al-Aksa-Moschee, das drittwichtigste Gebetshaus des Islam, bilden das Ensemble des Haram asch-Scharif, des »edlen Heiligtums«, das von vielen Muslim*innen als heilige Einheit gesehen wird.

Jerusalem ist seit fast einem Jahrhundert Schauplatz des Nahost-Konflikts. Unvereinbare Ansprüche von Jüdinnen*Juden und Araber*innen auf einen eigenen Staat in Palästina führten zunehmend zu Konflikten zwischen beiden Bevölkerungsgruppen.

1947 schlugen die Vereinten Nationen eine Teilung des Landes vor, die von den arabischen Staaten nicht anerkannt wurde. Im darauf folgenden Krieg verließ etwa die Hälfte der palästinensischen Bevölkerung durch Flucht und Vertreibung das Land. Am 14. Mai 1948 erklärte Israel seine Unabhängigkeit, Jerusalem wurde zwischen Israel und Jordanien aufgeteilt.

1967 eroberte Israel auch den Ostteil der Stadt. Jerusalem war damit zwar administrativ vereinigt, die palästinensischen Bewohner*innen wurden jedoch nicht als israelische Staatsbürger*innen anerkannt, sondern erhielten lediglich ein Aufenthaltsrecht in der Stadt. Die Hoffnungen auf eine Lösung des Konflikts erfüllten sich bislang nicht: der Friedensprozess der 1990er Jahre scheiterte vor allem an der Frage nach der politischen Zukunft Jerusalems.

Jerusalem ist eine Stadt, in der nicht nur verschiedene Religionen aufeinanderprallen, sondern auch unterschiedliche, oft gegensätzliche Auslegungen innerhalb einer Religionsgemeinschaft. Stellvertretend dafür werden in der Ausstellung drei jüdische Gruppen behandelt: Die ultraorthodoxen Jüdinnen*Juden, die in Teilen den modernen Staat Israel als gotteslästerlich ablehnen, die Mauer-Frauen, die ihre egalitäre Gebetspraxis an der Klagemauer ausführen wollen, sowie die Tempelbewegungen, von denen einige auf dem Tempelberg den dritten jüdischen Tempel errichten wollen.

Auch diese unterschiedlichen Forderungen und Erwartungen führen immer wieder zu kleineren und größeren Konflikten mit anderen Gruppen, mit anderen Religionsgemeinschaften und mit dem Staat.

Die Werke von Künstler*innen verschiedener Herkunft und aus mehreren Generationen setzen sich mit dem Thema Jerusalem auseinander und erweitern den Blick auf die Stadt. Eine kleine Auswahl ist Teil der Ausstellung.

Die frühesten Werke datieren aus den späten, vom Oslo-Friedensprozess gepägten 1990er Jahren. Mona Hatoum schuf in dieser Zeit die Arbeit Present Tense für eine Galerie in Jerusalem, in der sie die Neukartierung Palästinas aufgreift. Nur wenig später entstand von Gustav Metzger, dem Begründer der autodestrukiven Kunst, die Arbeit Jerusalem, Jerusalem – eine Aufforderung zur differenzierten Wahrnehmung historischer Ereignisse. Von Fazal Sheikh stammen die fünf Porträts und Landschaften der Serie Memory Trace, die eine Erinnerungslandschaft der Peripherie Jerusalems von großer Suggestivkraft schaffen. Die textile Gebetsweste von Andi LaVine Arnovitz ist für die Ausstellung entstanden und zugleich die neueste der präsentierten Arbeiten. Außerdem ist eine Fotoserie zur Siedlungslandschaft um Jerusalem von Wolfgang Strassl zu sehen.

Nirgendwo auf der Welt scheint die Dichte an Gotteshäusern größer, die Spaltung der Bevölkerung tiefer. Denn obwohl die Stadt 1967 administrativ vereinigt wurde, leben jüdische Israelis und arabische Palästinenser*innen weitestgehend voneinander getrennt, entweder im westlichen oder im östlichen Teil. Fast die Hälfte der Bürger*innen verdient unter dem Existenzminimum, darunter viele ultraorthodoxe Jüdinnen*Juden und Palästinenser*innen. Doch Jerusalem ist mehr als nur Konflikt

Die Echtzeit-Dokumentation 24h Jerusalem von Volker Heise und Thomas Kufus zeigt den Alltag von 90 Bewohner*innen Jerusalems, die an einem einzigen Tag 24 Stunden filmisch begleitet wurden. Mit 70 Kamerateams, israelischen und palästinensischen Filmemacher*innen sowie Dokumentar- und Spielfilmregisseur*innen aus Deutschland entstand ein umfangreiches Werk, das die gesellschaftliche Vielfalt der Stadt eindrucksvoll spiegelt.

Um die Stimmenvielfalt einzufangen, ließ der Regisseur Volker Heise palästinensische und israelische Protagonist*innen gleichermaßen zu Wort kommen, ohne die Aufzeichnungen zu kommentieren oder zu bewerten. Entstanden ist ein Kaleidoskop an biographischen Einblicken.

Jerusalem ist auch in Berlin präsent. Bei vielen Kirchennamen schwingt ein deutlicher Jerusalembezug mit, seien es Golgatha, Kreuz-, Zions- oder Gethsemanekirche. Die meisten dieser Bauwerke wurden im 19. Jahrhundert errichtet, als das Heilige Land zunehmend ins öffentliche Interesse gerückt war, der Missionsgedanke von höchster Stelle gefördert wurde und im Bürgertum breiten Nachhall fand. Der damals gegründete Jerusalemsverein ist noch heute tätig.

Jerusalems Wurzeln in Berlin liegen weit tiefer: die Geschichte der Jerusalemkirche und die Anfänge von Tempelhof reichen bis in die Kreuzfahrerzeit zurück.

Verweise auf die Heilige Stadt gibt es auch aus jüngerer Zeit. Hierfür stehen die Siedlung Neu-Jerusalem, das Künstlerhaus Bethanien oder der Biergarten Golgatha. Akademisch haben sich die Freie Universität und die Hebrew University verschwistert.

Neben dem christlichen Jerusalem sind aber auch der Felsendom und die Al Aksa-Moschee ein steter Begleiter jener Berliner*innen, die aus Palästina eingewandert sind. Als Motive an Wandbehängen, Schlüsselanhängern, Schals und Plakaten in Läden, Bars, Imbissen und in Privathaushalten findet man sie vor allem in Neukölln.

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Logo der der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

Mit freundlicher Unterstützung der LOTTO-Stiftung Berlin.

LOTTO-Stiftung Berlin (Logo)

Das Begleitprogramm zur Ausstellung wird realisiert mit Unterstützung der Siemens AG.

Medienpartner

WALL, arte, INFOradio, Yorck Kinogruppe, zitty, tip Berlin

Informationen zur Ausstellung im Überblick

  • Wann

    11. Dezember 2017 – 30. April 2019

  • Eintritt

    mit dem Museumsticket (8 Euro, ermäßigt 3 Euro)

  • Wo

    Altbau 1. OG
    Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin Zum Lageplan

Ort

Altbau 1. OG


Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin

Führungen und Workshops zur Ausstellung (10) Alle Angebote für Schulklassen Show all

Alle Angebote für Schulklassen

Schulklassen können während der Laufzeit von Welcome to Jerusalem (11. Dezember 2017 bis 30. April 2019) ausstellungsbegleitende Führungen und Workshops buchen. Hier finden Sie alle Angebote für verschiedene Altersstufen und mit unterschiedlicher thematischer Ausrichtung.

Jerusalem heilig (Klassenstufen 1 bis 6)

Führung zur religiösen Bedeutung Jerusalems, geeignet für Schüler*innen der 1. bis 6. Klasse

Drei Brote & ein Halleluja (Klassenstufen 1 bis 6)

Backworkshop im Anschluss an die Kinderführung Jerusalem heilig, geeignet für Schüler*innen der 1. bis 6. Klasse

Jerusalem heilig (Klassenstufe 5 bis 13)

Führung zur religiösen Bedeutung Jerusalems, geeignet für Schüler*innen der 5. bis 13. Klasse

Drei Brote & ein Halleluja (Klassestufe 5 bis 8 )

Führung und Backworkshop, geeignet für Schüler*innen der 5. bis 8. Klasse

Jerusalem - eine bibliodramatische Annäherung

Workshop, geeignet für Schüler*innen der 9. bis 13. Klasse

Jerusalem historisch (Klassenstufen 5 und 6)

Führung zur historischen und geografischen Entwicklung Jerusalems, geeignet für Schüler*innen der 5. und 6. Klasse

Jerusalem historisch (Klassenstufe 5 bis 13)

Führung zu Entwicklungen und Epochen in Jerusalem, geeignet für Schüler*innen der 5. bis 13. Klasse

Jerusalem steinig (Klassenstufen 5 und 6)

Führung für Schüler*innen der Klassen 5 und 6 zur Kulturgeschichte der Jerusalemer Mauern im Rahmen unserer großen Themenausstellung

Jerusalem steinig (Klassenstufen 5 bis 13)

Führung zur Kulturgeschichte der Jerusalemer Mauern, geeignet für Schüler*innen der 5. bis 13. Klasse

Jerusalem im Konflikt

Führung zu den Auseinandersetzungen um Jerusalem seit der britischen Mandatszeit, geeignet für Schüler*innen der 9. bis 13. Klasse

Führungen (6) Angebote für Erwachsene Show all

Angebote für Erwachsene

Folgende Führungen können Sie als Gruppe, Familie, Paar oder für sich allein buchen.

Jerusalem heilig

Führung für Erwachsene zur religiösen Bedeutung Jerusalems im Rahmen unserer großen Themenausstellung

Jerusalem historisch

Führung für Erwachsene zur geschichtlichen Entwicklung Jerusalems im Rahmen unserer großen Themenausstellung

Jerusalem steinig

Führung für Erwachsene zur Kulturgeschichte der Jerusalemer Mauern im Rahmen unserer großen Themenausstellung

Jerusalem im Konflikt

Führung für Erwachsene zu politischen Auseinandersetzungen um Jerusalem im Rahmen unserer großen Themenausstellung

Deutsche Jüdinnen und Juden zur Zeit des Nationalsozialismus

Führung für Erwachsene durch die Achsen des Libeskind-Gebäudes

Architektur_sichten

Führung für Erwachsene zu Konzept und Wahrnehmung der Architektur Daniel Libeskinds