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Stadtansicht Jerusalem; by Berthold Werner (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Welcome to Jerusalem

Große Themenausstellung

Synagogen, Kirchen und Moscheen prägen unser Bild von Jerusalem. Für Jüdinnen*Juden, Christ*innen und Muslim*innen aus aller Welt ist die „heilige Stadt“ ein wichtiges Zentrum ihres Glaubens. Gleichzeitig ist Jerusalem von außerordentlicher politischer Brisanz, da sowohl Israelis als auch Palästinenser*innen sie als ihre Hauptstadt beanspruchen.

Ausstellung bereits beendet

Übersichtsplan mit allen Gebäuden, die zum Jüdischen Museum Berlin gehören. Der Altbau ist grün markiert

Ort

Altbau 1. OG
Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin

Von der Zeit des zweiten Tempels und seiner Eroberung durch Rom über die osmanische Herrschaft und die britische Mandatszeit bis zum 21. Jahrhundert - die Ausstellung Welcome to Jerusalem thematisierte eine Stadtgeschichte, in der Alltag, Religion und Politik unauflöslich miteinander verflochten sind. Zu sehen waren wertvolle historische Objekte und Modelle, die erstmals in Berlin gezeigt wurden; ebenso mediale Installationen, die eigens für die Schau entwickelt wurden.

Arbeiten von Harun Farocki, Nira Pereg, Yael Bartana, Mona Hatoum, Gustav Metzger, Fazal Sheikh und weiteren internationalen Künstler*innen kommentierten historische Ereignisse und politische Positionen. Eine Filmspur mit Interviews aus der Echtzeit-Dokumentation 24h Jerusalem machte die Besucher*innen mit einer in jeder Hinsicht bemerkenswerten und aufregenden Stadt bekannt.

Ausstellungsplakat mit Aufschrift "Jerusalem ist jetzt in Berlin" in gelben Buchstaben auf blauem Hintergrund. Der Buchstabe 'u' in Jerusalem hat die Form einer Menora

Themen der Ausstellung – eine Auswahl

Sollten Sie die Ausstellung verpasst haben oder nachträglich Ihre Erinnerungen daran auffrischen wollen, können Sie sich hier in ein paar Themen der Ausstellung einlesen:

Die Heilige Stadt

Jede der drei monotheistischen Religionen errichtete monumentale Bauwerke in der Stadt, die als Heiligtümer verehrt werden.

Nach der jüdischen Tradition werden biblische Urereignisse, wie der Bund, den Gott mit Abraham und seinen Nachkommen schloss, auf jenen Berg projiziert, auf dem später der Tempel stehen sollte. Damit wird der Tempelberg zu einem Ort der ewigen Anwesenheit Gottes, an dem sich das Ende der Geschichte vollziehen und die Schöpfung vollkommen wird.

Christ*innen verehren den Ort der Kreuzigung und Auferstehung Christi, über dem sich die Grabeskirche, nach der orthodoxen Tradition die Auferstehungskirche wölbt.

Die muslimischen Sakralbauten, der Felsendom, das älteste Heiligtum und die Al-Aksa-Moschee, das drittwichtigste Gebetshaus des Islam, bilden das Ensemble des Haram asch-Scharif, des „edlen Heiligtums“, das von vielen Muslim*innen als heilige Einheit gesehen wird.

Konflikt

Jerusalem ist seit fast einem Jahrhundert Schauplatz des Nahost-Konflikts. Unvereinbare Ansprüche von Jüdinnen*Juden und Araber*innen auf einen eigenen Staat in Palästina führten zunehmend zu Konflikten zwischen beiden Bevölkerungs­gruppen.

1947 schlugen die Vereinten Nationen eine Teilung des Landes vor, die von den arabischen Staaten nicht anerkannt wurde. Im darauf folgenden Krieg verließ etwa die Hälfte der palästinensischen Bevölkerung durch Flucht und Vertreibung das Land. Am 14. Mai 1948 erklärte Israel seine Unabhängigkeit, Jerusalem wurde zwischen Israel und Jordanien aufgeteilt.

1967 eroberte Israel auch den Ostteil der Stadt. Jerusalem war damit zwar administrativ vereinigt, die palästinensischen Bewohner*innen wurden jedoch nicht als israelische Staatsbürger*innen anerkannt, sondern erhielten lediglich ein Aufenthalts­recht in der Stadt. Die Hoffnungen auf eine Lösung des Konflikts erfüllten sich bislang nicht: Die Frage der politischen Zukunft Jerusalems war eines der Hauptthemen für das Scheitern des Friedensprozesses der 1990er Jahre.

Fromme Provokateure:
Religiöse Positionen zu Jerusalem

Jerusalem ist eine Stadt, in der nicht nur verschiedene Religionen aufeinanderprallen, sondern auch unterschiedliche, oft gegensätzliche Auslegungen innerhalb einer Religions­gemeinschaft. Stellvertretend dafür wurden in der Ausstellung drei jüdische Gruppen behandelt: Die ultraorthodoxen Jüdinnen*Juden, die in Teilen den modernen Staat Israel als gotteslästerlich ablehnen, die Mauer-Frauen, die ihre egalitäre Gebetspraxis an der Klagemauer ausführen wollen, sowie die Tempel­bewegungen, von denen einige auf dem Tempelberg den dritten jüdischen Tempel errichten wollen.

Auch diese unterschiedlichen Forderungen und Erwartungen führen immer wieder zu kleineren und größeren Konflikten mit anderen Gruppen, mit anderen Religions­gemeinschaften und mit dem Staat.

Jerusalem in den Werken zeitgenössischer Künstler*innen

Werke von Künstler*innen verschiedener Herkunft und aus mehreren Generationen setzen sich mit dem Thema Jerusalem auseinander und erweitern den Blick auf die Stadt. Eine kleine Auswahl war Teil der Ausstellung.

Die frühesten Werke datieren aus den späten, vom Oslo-Friedensprozess gepägten 1990er Jahren. Mona Hatoum schuf in dieser Zeit die Arbeit Present Tense für eine Galerie in Jerusalem, in der sie die Neukartierung Palästinas aufgreift. Nur wenig später entstand von Gustav Metzger, dem Begründer der autodestruktiven Kunst, die Arbeit Jerusalem, Jerusalem – eine Aufforderung zur differenzierten Wahrnehmung historischer Ereignisse. Von Fazal Sheikh stammen die fünf Porträts und Landschaften der Serie Memory Trace, die eine Erinnerungslandschaft der Peripherie Jerusalems von großer Suggestivkraft schaffen. Die textile Gebetsweste von Andi LaVine Arnovitz ist für die Ausstellung entstanden und zugleich die neueste der präsentierten Arbeiten. Außerdem war eine Fotoserie zur Siedlungslandschaft um Jerusalem von Wolfgang Strassl zu sehen.

Alltag in Jerusalem

Nirgendwo auf der Welt scheint die Dichte an Gottes­häusern größer, die Spaltung der Bevölkerung tiefer. Denn obwohl die Stadt 1967 administrativ vereinigt wurde, leben jüdische Israelis und arabische Palästinenser*innen weitestgehend voneinander getrennt, entweder im westlichen oder im östlichen Teil. Fast die Hälfte der Bürger*innen verdient unter dem Existenz­minimum, darunter viele ultraorthodoxe Jüdinnen*Juden und Palästinenser*innen. Doch Jerusalem ist mehr als nur Konflikt.

24h Jerusalem

Die Echtzeit-Dokumentation 24h Jerusalem von Volker Heise und Thomas Kufus zeigt den Alltag von 90 Bewohner*innen Jerusalems, die an einem einzigen Tag 24 Stunden filmisch begleitet wurden. Mit 70 Kamerateams, israelischen und palästinensischen Filme­macher*innen sowie Dokumentar- und Spielfilm­regisseur*innen aus Deutschland entstand ein umfangreiches Werk, das die gesellschaftliche Vielfalt der Stadt eindrucksvoll spiegelt.

Um die Stimmenvielfalt einzufangen, ließ der Regisseur Volker Heise palästinensische und israelische Protagonist*innen gleichermaßen zu Wort kommen, ohne die Aufzeichnungen zu kommentieren oder zu bewerten. Entstanden ist ein Kaleidoskop an biografischen Einblicken.

Jerusalem in Berlin

Jerusalem ist auch in Berlin präsent. Bei vielen Kirchen­namen schwingt ein deutlicher Jerusalem­bezug mit, seien es Golgatha, Kreuz-, Zions- oder Gethsemanekirche. Die meisten dieser Bauwerke wurden im 19. Jahrhundert errichtet, als das Heilige Land zunehmend ins öffentliche Interesse gerückt war, der Missionsgedanke von höchster Stelle gefördert wurde und im Bürgertum breiten Nachhall fand. Der damals gegründete Jerusalemsverein ist noch heute tätig.

Jerusalems Wurzeln in Berlin liegen weit tiefer: die Geschichte der Jerusalem­kirche und die Anfänge von Tempelhof reichen bis in die Kreuzfahrer­zeit zurück.

Verweise auf die Heilige Stadt gibt es auch aus jüngerer Zeit. Hierfür stehen die Siedlung Neu-Jerusalem, das Künstlerhaus Bethanien oder der Biergarten Golgatha. Akademisch haben sich die Freie Universität und die Hebrew University verschwistert.

Neben dem christlichen Jerusalem sind aber auch der Felsendom und die Al Aksa-Moschee ein steter Begleiter jener Berliner*innen, die aus Palästina eingewandert sind. Als Motive an Wandbehängen, Schlüssel­anhängern, Schals und Plakaten in Läden, Bars, Imbissen und in Privat­haushalten findet man sie vor allem in Neukölln.

Wechselnde Videoarbeiten in der Ausstellung
von Yael Bartana, Nira Pereg und Harun Farocki

Harun Farocki: Übertragung

Laufzeit: 22. Februar 2019 bis 30. April 2019

Diese Videoarbeit von 2007 beschäftigt sich mit dem ritualisierten Gestus der Berührung von Gegenständen, wie wir ihm an heiligen Orten, an Erinnerungsmalen, Gedenkstätten und Grabmälern in vielen Kulturen begegnen. Die Geste entspringt der Überzeugung, dass diesen Orten eine Energie eigen ist, an der wir teilhaben und zu der wir eine Verbindung herstellen können. Die Berührung drückt eine zutiefst emotionale Erfahrung aus, die der Film als Ausdruck der Conditio Humana dokumentiert. Jerusalem ist in der Arbeit mit der Grabeskirche präsent.

Nira Pereg: Sabbath 2008

Laufzeit: 1. Mai 2018 bis 21. Februar 2019

Die Filmarbeit Sabbat 2008 von Nira Pereg dokumentiert die Schließung der ultra-orthodoxen Viertel in Jerusalem am Vorabend des Sabbat. Die Bewohner stellen Absperrgitter auf, mit Zustimmung und Unterstützung von Jerusalemer Stadtverwaltung und Polizei. Danach werden weder private noch öffentliche Autos mehr in die Vierteln gelassen, sodass die temporären Absperrungen eine Grenze zwischen diesen Gebieten und dem Rest der Stadt bilden.
Die unstabilen Barrieren mögen vor allem von symbolischem Wert sein, sie sind aber häufig Anlass zu Reibereien und Konflikten und scheinen die sakrale von der weltlichen Sphäre klar abzugrenzen.

Yael Bartana: Inferno

Laufzeit: 11. Dezember 2017 bis 30. April 2018

Die Eröffnung eines neu errichteten gigantischen Tempels, seine Zerstörung und die nachfolgende Verehrung der erhaltenen Baureste durch eine wachsende Schar von Anhängern sind der Plot der 22-minütigen Video-Arbeit Inferno von Yael Bartana aus dem Jahr 2013, die Teil der Ausstellung war.

In der mehrere Ebenen umfassenden Erzählung sind historische Monumentalfilme ebenso zitiert, wie Anleihen bei der frühen zionistischen Ästhetik in pathetischen Gesamtklang gesucht wurden. Die Arbeit entstand während eines Aufenthalts der Künstlerin in Brasilien, als der Nachbau des Salomonischen Tempels im Auftrag der Weltkirche des Königreich Gottes, einer evangelikalen Pfingstkirche, in São Paolo entstand. Ihn nutzte Bartana für das „historic pre-enactment“, wie die Künstlerin ihre Arbeit in einem Interview bezeichnete.

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Logo der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

Mit freundlicher Unterstützung der LOTTO-Stiftung Berlin.

LOTTO-Stiftung Berlin (Logo)

Das Begleitprogramm zur Ausstellung wurde realisiert mit Unterstützung der Siemens AG.

Medienpartner

Logos von: WALL GmbH, arte, INFOradio, Yorck Kinogruppe, zitty, tip Berlin

Informationen zur Ausstellung im Überblick

  • Wann

    11. Dez 2017 bis 1. Mai 2019

  • Wo

    Altbau 1. OG
    Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin
    Zum Lageplan

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