Direkt zum Inhalt

Vom 2. bis 30. November bleibt das Jüdische Museum Berlin aufgrund der Corona-Beschränkungen geschlossen.

Film als Methode einer diskriminierungskritischen Pädagogik

Dokumentation der Arbeitsgruppe

Welche Chancen bieten filmpädagogische Projekte, um Diskriminierungen und Zuschreibungen bewusst zu machen? Wie können Filmprojekte Teilnehmende aktivieren, sich mit unterschiedlichen Lebensvorstellungen auseinanderzusetzen? Welche Methoden fördern Multiperspektivität?

Ausgehend von Erfahrungen der Geschichtswerkstatt des Jüdischen Museums Berlin und der Israel/Palästina-Jugendbegegnungsreise der »BildungsBausteine gegen Antisemitismus« wurden Möglichkeiten filmpädagogischer Projekte für eine diskriminierungskritische Pädagogik diskutiert.

Fabian Schnedler moderierte diese Arbeitsgruppe unter Beteiligung von

Unter diskriminierungskritischer Pädagogik verstehen wir eine Bildungsarbeit, die davon ausgeht, dass bestimmten Individuen und Gruppen die gesellschaftliche Teilhabe erschwert oder verweigert wird und dass sie vielen Formen alltäglicher und struktureller Diskriminierung ausgesetzt sind. Diese Tatsache wird in Methoden, Themen und Strukturen des Lernens beachtet und auch zum Gegenstand der Pädagogik gemacht. Grundlage dieses Bildungsverständnisses ist ein kritischer Blick auf gesellschaftliche Macht- und Ungleichheitsverhältnisse.

»Welche Chancen bieten Filmprojekte für eine diskriminierungskritische Pädagogik?« von Vera March-Berg und Fabian Schnedler

Im Projekt Geschichtswerkstatt, das das Jüdische Museum Berlin zusammen mit Lehrer*innen seit 2012 an der Refik-Veseli-Schule als Wahlpflichtfach anbietet, haben wir gute Erfahrungen mit der Arbeit mit Filmen und dem Erstellen eines Filmes gemacht. Film war ein hilfreiches pädagogisches Mittel, um Diskriminierungen aufzugreifen, zu besprechen und zu bearbeiten.

Viele Jugendliche und Erwachsene gehen täglich mit filmischen Medien um. Filmprojekte bieten Teilnehmenden die Möglichkeit, Film als Ausdrucksformen für sich auszuprobieren, d.h. sie können beim Analysieren oder Machen eines Films Filmsprachen kennen lernen (Medienkompetenz). Zu unterscheiden sind Projekte, die kreativ mit fertigen Filmprodukten arbeiten (vgl. Broschüre »Film ab! Clips gegen Antisemitismus!«) und Filmprojekte, bei denen die Teilnehmer*innen selbst einen Film erstellen.

Bereits durch die Verteilung von Aufgaben und Rollen beim Erstellen des Schülerfilms der Geschichtswerkstatt (Kamera, Ton, Skript, Interviewfragen entwickeln) war das Projekt partizipativ. Indem die Mitwirkenden bei der Themenwahl und -umsetzung beteiligt waren, wurde der Film dann auch zum Film der Schüler*innen.

Die inhaltliche Vorbereitung des Films stand an erster Stelle. Diskriminierungsformen und deren Strukturen waren der Ausgangspunkt. Schüler*innen haben zum Thema Diskriminierungen ein Gebiet ausgesucht, das sie besonders interessiert. Leitfragen waren: »Worüber wollt ihr reden, was wollt ihr anderen in dem Film zeigen?« Der daraus entstandene Dokumentarfilm »X-Berg, mein Name« über jüdische und muslimische Kreuzberger*innen bot die Chance, verschiedene Perspektiven kennen zu lernen und im Film zu zeigen (Multiperspektivität). Schüler*innen setzten sich mit unterschiedlichen Positionen und Erfahrungen zu den Themen Heimat, Diskriminierung, Religiösität, Liebe und Sexualität auseinander.

Ein Hauptfallstrick scheint der Wunsch nach einem »perfekten« Film zu sein, so dass der Film als Produkt wichtiger wird als der Lernprozess mit den Teilnehmenden. Die Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten müssen be- und geachtet werden. Zuschreibungen seitens der Pädagog*innen (projektives Othering) sollten reflektiert, unterschiedliche Zugehörigkeitserfahrungen mit den Teilnehmenden besprochen werden.

»Chancen und Fallstricke der medienpädagogischen Arbeit« von Gunnar Meyer

Aus der Praxis möchte ich hier zwei Formate der diskriminierungskritischen medienpädagogischen Arbeit mit Film vorstellen und sie miteinander in Bezug setzen und Chancen und Fallstricke herausarbeiten.

Die »BildungsBausteine gegen Antisemitismus« haben in den letzten drei Jahren sehr positive Erfahrungen mit dem Modellprojekt »Film Ab – Medienseminare gegen Antisemitismus« in Kooperation mit der Jugendbildungsstätte Konradshöhe gemacht. In einer Projektwoche haben sich Jugendliche mit Antisemitismus auseinandergesetzt, anhand der ihnen wichtigen Aspekte ein Skript entwickelt, einen Kurzspiel- oder Interviewfilm gedreht und das Material zu einem Videoclip geschnitten. Positiv an diesem Format ist die konzentrierte und ortsgebundene Arbeitsatmosphäre. Auf Diskussionen und Erfahrungen des Vortags wurde sich direkt bezogen, eine kontinuierliche Entwicklung und Reflexion war so gewährleistet. Auch der überschaubare und stark strukturierte Zeitrahmen spornte die Teilnehmenden an. Ein Fallstrick dieses Formates ist diese starke Vorstrukturierung – nicht allen Impulsen und Fragestellungen der Teilnehmenden konnte in den ersten beiden Tagen ausreichend nachgegangen werden.

Als zweites möchte ich eine AG vorstellen, die der Arbeitskreis »BildungsBausteine gegen Antisemitismus« im Jahr 2012 an der Refik-Veseli-Schule in Kreuzberg durchgeführt hat. Hier konnte im Gegensatz zu der Projektwoche intensiver auf die Fragen und Impulse der Teilnehmenden eingegangen werden. Am Ende der Beschäftigung mit Themen wie Diskriminierung, Antisemitismus und dem Nahostkonflikt stand eine Begegnungsreise nach Tel Aviv und Berlin, die von der Stiftung EVZ gefördert wurde.

Im Zuge dieser sich über ein Jahr lang erstreckenden Auseinandersetzung entstand die Spielfilm-Doku »Verkehrte Welt«, die die Reise nach Israel sowohl dokumentiert, die Erfahrungen der Teilnehmenden einfängt und als vordergründiges Thema sich mit Geschlechterverhältnissen auseinandersetzt. In dem Film werden Geschlechterperspektiven umgekehrt, die Schauspieler*innen erhalten die Möglichkeit, sich in die Rolle des »anderen Geschlechts« einzufühlen. In gegenseitigen Interviews am Ende des Films haben die Teilnehmenden sich die Möglichkeit geschaffen, über eigene Geschlechterrollen zu reflektieren und sie kritisch in einen gesellschaftlichen Kontext zu verorten.

Film ab! Clips gegen Antisemitismus

Projektinformationen und Begleitbroschüre zum Bestellen auf der Website der ver.di Jugendbildungsstätte Berlin-Konradshöhe

Informationen zum Projekt Bestellen der Broschüre

Teilen, Newsletter, Feedback

Tagungsdokumentation: Schule und Museum in der Migrationsgesellschaft (19)

Schule und Museum in der Migrationsgesellschaft

Die einzelnen Panels der Tagung am 13. und 14. Oktober 2014 sind hier dokumentiert.

JMB Logo

Marginalisierte Biografien: Lebensgeschichten von Juden und Roma und Sinti in der Bildungsarbeit

Arbeitsgruppe mit Steffen Jost (Max Mannheimer Studienzentrum, Dachau) und Katharina Obens (Dipl.-Psychologin, Lernkultur – Institut für Bildungsforschung und Evaluation), moderiert von Ulrike Wagner (Universität Leipzig)

JMB Logo

Vielfalt durch Beteiligung

Arbeitsgruppe mit Karin Schreibeis (Serviceagentur Ganztägig Lernen/Deutsche Kinder- und Jugendstiftung) und Sandra Christall (Sozialpädagogin an der Hermann-Hesse-Oberschule, Berlin), moderiert von Andrea Blaneck (Deutsche Kinder- und Jugendstiftung)

JMB Logo

Biografiearbeit als Beitrag zur kulturellen Öffnung

Arbeitsgruppe mit Franziska Bogdanov (Jüdisches Museum Berlin), Beate Klammt (Bildungsreferentin, ehemals Anne Frank Zentrum), Rainer Brieske (Albrecht-Dürer-Gymnasium, Berlin) und Michael Merbitz (B.-Traven-Oberschule, Berlin), moderiert von Sarah Hiron (Jüdisches Museum Berlin)

JMB Logo

Zwischen Identifikation und Außenwahrnehmung: Was macht Schule aus?

Arbeitsgruppe mit Inputs von Heinrich Meise (Refik-Veseli-Sekundarschule, Berlin), Markus Schega und Dr. Michael Senn (Nürtingen Grundschule, Berlin) und Friedhelm Botsch (Hermann-Hesse-Schule, Berlin), moderiert von Meral El (Jüdisches Museum Berlin)

JMB Logo

»Wir wollen etwas verändern – aber nur in Begleitung!«

Arbeitsgruppe mit einem Input von Andrea Blaneck, moderiert von Marlous Behrendt (beide: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Berlin)

JMB Logo

Differenzfreundlich und diskriminierungskritisch – Anforderungen an Bildungsinstitutionen in der Migrationsgesellschaft

Impulsreferat von Prof. Dr. Paul Mecheril (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) mit anschließendem Gespräch, geleitet von Dr. Anja Durdel (Deutsche Kinder- und Jugendstiftung)

JMB Logo

Wie können Politik und Gesellschaft die interkulturelle Öffnung von Schulen unterstützen?

Podiumsdiskussion mit Özcan Mutlu (MdB für Bündnis 90/Die Grünen), Evelin Lubig-Fohsel (Landesausschuss für Migration, Diversität und Antidiskriminierung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), André Barth (Ernst-Schering-Oberschule, Berlin) und Dr. Diana Dressel (Jüdisches Museum Berlin), modieriert von Dr. Nkechi Madubuko (Moderatorin und Autorin, Marburg)

JMB Logo

Diversität in der Jugendliteratur

Arbeitsgruppe mit Impulsen von André Barth (Ernst-Schering-Oberschule, Berlin), Ulrich Hipler (B.-Traven-Oberschule, Berlin) und Nina Wilkens (Jüdisches Museum Berlin)

JMB Logo

Historisches Lernen in der Migrationsgesellschaft

Arbeitsgruppe mit Inputs von Dr. Elke Gryglewski (Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin), Selman Erkovan (Bildungsreferent, Berlin) und Fabian Schnedler (Jüdisches Museum Berlin), moderiert von Ulrike Wagner (Universität Leipzig)

JMB Logo

Ausstellungen werden von Museen gemacht, oder?

Arbeitsgruppe mit Petra Zwaka (Jugend Museum Berlin), Silvia Linnenbürger (B.-Traven-Oberschule, Berlin) und Jutta Dücker (Ernst-Schering-Oberschule, Berlin), moderiert von Dr. Diana Dressel (Jüdisches Museum Berlin)

JMB Logo

Möglichkeiten, Herausforderungen und Ansätze zur gelingenden Kooperation zwischen Schulen und Museum

Weltcafé, moderiert von Jutta Weimar (Großgruppenmoderatorin und Prozessbegleiterin, Berlin)

JMB Logo

Annäherung aus drei Perspektiven

Podiumsdiskussion mit Zahide Doğaç (Lehrerin und Interkulturelle Koordinatorin, Hamburg), Ibrahim Gülnar (Mobiles Beratungsteam »Ostkreuz«, Berlin) und Leontine Meijer-van Mensch (Museum Europäischer Kulturen – Staatliche Museen zu Berlin), moderiert von Dr. Rosa Fava (Jüdisches Museum Berlin)

JMB Logo

Sensibilisierung für Diversität

Arbeitsgruppe mit Dr. Czarina Wilpert (Eine Welt der Vielfalt e. V.) und Grit Gottschalk (Ernst-Schering-Schule, Berlin), moderiert von Meral El (Jüdisches Museum Berlin)

JMB Logo

Durchgängige Sprachbildung

Arbeitsgruppe mit Input von Lilo Martens (Multiplikatorin für Interkulturelle Bildung und durchgängige Sprachbildung, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Berlin)

JMB Logo

Rassistische Diskriminierung zur Sprache bringen

Arbeitsgruppe, moderiert von Toan Nguyen (Bildungswerkstatt Migration und Gesellschaft e. V. Berlin)

JMB Logo

Antisemitismus in Social Media

Arbeitsgruppe mit Gabriele Rohmann und Martin Gegenheimer (Archiv der Jugendkulturen e. V., Berlin), André Barth (Ernst-Schering-Oberschule, Berlin) und Martina Brandes-Parow (B.-Traven-Oberschule, Berlin), moderiert von Jutta Weimar (Großgruppenmoderatorin und Prozessbegleiterin, Berlin)

JMB Logo

Theaterpädagogik. Methoden und Ansätze für Pädagog*innen in Schule und Museum

Arbeitsgruppe mit Laura Söllner (Theaterpädagogin, Berlin), Anja Scheffer (Schauspielerin und Regisseurin), Heidemarie Link (B.-Traven-Oberschule, Berlin) und Eva Albert (Hermann-Hesse-Schule, Berlin), moderiert von Dr. Diana Dressel (Jüdisches Museum Berlin)

JMB Logo

Film als Methode einer diskriminierungskritischen Pädagogik

Arbeitsgruppe mit Gunnar Meyer (BildungsBausteine gegen Antisemitismus, Berlin) und Vera March-Berg (Refik-Veseli-Schule, Berlin), moderiert von Fabian Schnedler (Jüdisches Museum Berlin)

JMB Logo

Tagungsreflexion

Die Veranstaltung moderierten Dr. Anja Durdel (Deutsche Kinder- und Jugendstiftung) und Tanja Petersen (Jüdisches Museum Berlin)