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Mit zehn Klappmaulpuppen ...

... und einer Reise-Chanukkia im Schlafwagen

Eine Puppe in blauem Shirt mit Davidstern vor einer Kiste mit Berliner Pfannkuchen und mit einer Sprechblase: »Buaah, mein lieber Scholli! Pfannkuchen for free!!! Hahahaaaa! Happy Chanukkaaaaa!«

Eine der Klappmaulpuppen aus Shlomit Tripps bubales-Familie; Foto: Shlomit Tripp

Creative-Commons-Lizenz

Neulich wurde ich gefragt, ob ich nicht etwas über meine persönlichen Chanukka-Fest-Erlebnisse im Kreise von Familie und Freund*innen schreiben könnte. Da fiel mir auf, dass mein letztes Chanukka mit Freund*innen oder Eltern schon lange zurückliegt. Ich kramte in meinen alten Fotos herum und fand ein Bild, auf dem ich mit meinem Vater 1988 unsere Chanukkia anzündete. Wir hatten gerade politisches Asyl in West-Berlin beantragt und durften bei Freunden wohnen, um nicht mehr im Flüchtlingsheim bleiben zu müssen. Damals war Chanukka für mich eine private Familiensache.

Heute ist es eigentlich noch immer Familiensache, aber die Familie sieht etwas anders aus. Meine Familie besteht aus ca. 25 Klappmaulpuppen und nennt sich „die bubales“. Seit 2010 toure ich mit den bubales – dem Jüdischen Puppentheater – an meinen Chanukka-Urlaubstagen durch Deutschland und Österreich und lasse zehn der Puppen vom Jüdischen Lichterfest erzählen.

Das Publikum ist bunt durchmischt und aufgetreten sind die bubales nicht nur in jüdischen Gemeinden. Auch Kirchen, Moscheen und andere Kultureinrichtungen wurden schon von den bubales aufgesucht und vom Chanukka-Fieber angesteckt.

Eine junge Frau hält eine Kerze an einen Leuchter, neben ihr ein Mann mit Kippa.

Shlomit Tripp mit ihrem Vater beim Chanukka-Fest 1988, Foto: privat.

Die Handlung ist ebenfalls multikulturell. Shlomo lebt in Kreuzberg und bekommt von seiner Klassenfreundin Aische zu Chanukka eine Wunderlampe aus Istanbul geschenkt. Schon bald springen drei drollige Chanukka-Geister aus der Wunderlampe und erzählen vom Tempel im alten Jerusalem. Am Ende lüftet die Lampe ein Geheimnis, das alles in ein neues Licht wirft. Auch für Erwachsene ist die bunte Komödie unterhaltsam. Musikalisch begleitet wird die Show vom rockenden Kerzen-Chor, dem Latkes bratenden Papa Lotterstein, einem hyperaktiven Dreidel und dem humorlosen Schaf Mendel.

Fast jeden Tag treten die bubales in einer anderen Stadt auf. Sie sind praktisch der Chanukka-Express der Deutschen Bahn. Da passierte es nicht selten, dass ich die Chanukka-Abende an Schlafwagen-Fenstern diverser Züge verbrachte.

Acht bunte Klappmaulpuppen liegen mit den Köpfen zueinander im Kreis und lachen die Betrachtenden an.

Die bubales; Foto: Shlomit Tripp

Worauf ich mich jedes Jahr von Neuem freue sind die Einzelabteil-Schlafwagen. Naja, ganz alleine bin ich ja nicht wirklich, aber die Puppen verhalten sich relativ ruhig in ihren Transportkisten. Ich bringe dann immer mein indisches Lieblingsessen Palak-Panir in den Zug mit, decke auf meinen Transportkisten eine feierliche Tafel, zünde meine Reise-Chanukkia an und genieße, wie man es auf dem Foto erkennen kann, diesen feierlichen Augenblick des Alleine-Reisens. Lange hält das Alleinsein auf den Reisen allerdings nie an. An jeder Station erwarten mich glänzende Kinder- und Elternaugen und wenn ich das schallende Lachen des Publikums hinter meiner Puppenbühne höre, weiß ich, dass es für mich kein besseres Chanukka geben könnte.

Shlomit Tripp hat Kunstpädagogik studiert und konzipiert als Mitarbeiterin unserer Bildungsabteilung die Kinder-, Familien- und Feiertagsprogramme. Ihre Leidenschaft zum Puppenspiel lebt sie in ihrer Freizeit mit den bubales aus.

Ein Schlafwagen der Bahn mit einem Metallkoffer, auf dem Essen in Plastik- und Aluschalen angerichtet ist sowie ein Chanukka-Leuchter mit acht brennenden Kerzen.

Zitierempfehlung:

Shlomit Tripp (2015), Mit zehn Klappmaulpuppen .... ... und einer Reise-Chanukkia im Schlafwagen.
URL: www.jmberlin.de/node/6697

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