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Das Jüdische Museum Berlin bleibt bis auf Weiteres wegen Umbaus geschlossen. Aufgrund der Corona-Pandemie kommt es leider zur Verzögerungen beim Bau der neuen Ausstellung. Über den Eröffnungstermin informieren wir Sie sobald wie möglich.

Gedankenfutter

Menurkeys für Thanksgivukka?

Signe Rossbach

Chanksgiving! Als feierfröhliche Familie mit deutschen, amerikanischen, jüdischen, protestantischen, katholischen und puritanischen Wurzeln versuchen wir so viele Feste wie möglich in unserem Familienkalender unterzubringen. So ergibt sich für die ersten zwölf Novembertage, in denen es Halloween, den Geburtstag unserer Zwillinge und den traditionellen Laternenumzug zu St. Martin zu feiern gilt, ein dicht gedrängtes Feiertagsprogramm.

Kaum zu Atem gekommen, blicken wir schon in die nächste Festsaison, dieses Jahr in ungewöhnlicher Konstellation. Oft wird Chanukka, das jüdische Fest der Lichter und Wunder, mit dem christlichen Lichterfest zur Feier einer wundersamen Geburt assoziiert, mit Weihnachten also. Und das leuchtet auch ein. Jedenfalls oberflächlich besehen. Vor ein paar Jahren haben wir eine ganze Ausstellung dem Thema Weihnukka gewidmet, in der die kulturelle Evolutions­geschichte der beiden Feste aufgerollt wurde. Und dieses Jahr, am 3. Dezember 2013, wird Rabbiner Daniel Katz einen sehr unterhaltsamen Vortrag über Weihnachten und die Juden halten.

Doch Thanksgiving? Was kann dieses große, typisch nordamerikanische Erntedank­fest, dieses zutiefst demokratische, den nicht-religiösen Zusammenhalt betonende Fest mit seinem überaus preiswerten (wenn auch – wie böse Zungen behaupten – ziemlich faden) Schmuckstück, dem Truthahn, mit Chanukka gemein haben?

Eine Menora, ein Blumenstrauß und das Buch „Curious George“

Intensive Recherchen in der Vorbereitung für Thanksgivukkah; Jüdisches Museum Berlin, Foto: Signe Rossbach

Lasst uns genauer hinsehen. Zunächst hätten wir da jeweils eine kleine Gruppen religiöser Eiferer, die Pilgerväter und die Makkabäer. Die ersten entkamen religiöser Verfolgung, indem sie an fremde Ufer flüchteten, mit dem Ziel, sich dort niederzulassen und die einheimische Bevölkerung zu unterwerfen. Die zweite Gruppe dagegen wehrte sich in einer Art Guerillakampf gegen eben solche Besiedler, die im Namen einer fremden Macht – den syrischen Seleukiden – ihr Land besetzen und besiedeln wollten. Das Thanksgiving der Pilgerväter feiert das Überleben einer Gruppe von Einwander*innen, die dies mit Hilfe bzw. auf Kosten (je nach Auslegung der folgenden Ereignisse) der einheimischen Bevölkerung bewerkstelligten. Mit Chanukka wird dagegen der Sieg einer einheimischen Bevölkerung über eine Fremdherrschaft gefeiert (wenngleich die Niederschlagung der Seleukiden in einem blutigen Bürgerkrieg tatsächlich erst viele Jahre nach der Wiedereinweihung des Tempels und dem angeblichen Lichtwunder stattfand).

Diese Vergleiche bringen uns also nicht wirklich weiter. Es ist jedoch kein Zufall, dass ich von der Überschneidung von Thanksgiving und Chanukka zuerst aus der Rubrik „Dining & Wine“ der New York Times erfuhr. Es gibt da nämlich doch etwas, das beide Festtage eint: Beide sehen als Zeichen des Danks für das Überleben die Zubereitung von Unmengen fettiger Speisen vor. Dem in Bratensoße schwimmenden Truthahn (um ihm wenigsten ein Quäntchen Geschmack abzuringen) und den mit Marshmellows überbackenen Süßkartoffeln (wirklich!) stehen die in ‚wundersamem‘ Öl gebratenen Kartoffelpuffer (Latkes) und Krapfen (Sufganiot) gegenüber. Und da sich diese Gelegenheit erst in etwa 79.000 Jahren wieder bietet, sollten wir die Frage der Kolonist*innen und Kolonisierten kurz beiseitelassen und uns einem viel dringenderen Problem zuwenden: Was kochen wir nun zu Thanksgivukka?

Judas Makkbäus-Stoffpuppe

Juda Makkabi zum Kuscheln, Heroic Productions Inc., hergestellt in China, 2001-04. Jüdisches Museum Berlin, Inv.-Nr.: 2004/247/0/1-2, Foto: Jens Ziehe. Weitere Informationen zu diesem Objekt finden Sie in unseren Online-Sammlungen.

Inspiriert von der New York Times habe ich mich also angeboten, den Chanukka-Part bei der alljährlichen Thanksgiving-Party unserer deutsch-amerikanischen Freund*innen beizusteuern – den Leuchter und die Latkes. Nachdem ich verschiedene Online-Rezepte für Zusammengewürfeltes durchgesehen hatte, beschloss ich, meinem üblichen Joan Nathan-Rezept für Latkes treu zu bleiben, es jedoch mit den für Thanksgiving so typischen Süßkartoffeln abzuwandeln. Wahrscheinlich werde ich den Sellerie, den Apfel, die Frühlingszwiebeln und den Majoran des Originalrezepts weglassen und stattdessen Zimt oder Piment und vielleicht ein wenig mehr Mehl als üblich hinzufügen, damit die Mischung gut zusammenhält. Und dann werde ich die Latkes mit einer wunderbaren, an Thanksgiving erinnernden Apfel- und Cranberry-Soße krönen, die ich bei buzzfeed.com unter deren Thanksgivukka-Rubrik gefunden habe.

Holidays Holding Hands

Zum Artikel in der New York Times

Ich wünsche allen einen fröhlichen Menurkey Day, auf dass Truthahn und Menora eine bekömmliche Verbindung eingehen!

Signe Rossbach, Kuratorin für Veranstaltungen

Süßkartoffel-Latkes

nach Joan Nathan

ZUTATEN:
500 g Süßkartoffeln, geschält und in Stücke geschnitten
1 mittelgroße Zwiebel, in Viertel geschnitten
1 großes Ei
¾ Teelöffel Salz
½ Teelöffel gemahlener Pfeffer
½ Teelöffel Zimt oder Piment
ca. 30g Mehl, evtl. etwas mehr
Pflanzenöl zum Braten

ZUBEREITUNG:
Den Ofen auf 160° vorheizen. Ein Ofenblech mit Backpapier versehen. Ein Sieb mit einem Küchenhandtuch auslegen und in eine große Schüssel stellen.

Die Süßkartoffeln und die Zwiebel grob reiben und zusammen auf das Handtuch legen. Das Handtuch aufnehmen und die Mischung fest ausdrücken, um so viel Flüssigkeit herauszupressen wie möglich. Flüssigkeit entsorgen. Die Kartoffelmischung in die Schüssel geben und Ei, Salz, Pfeffer, Zimt oder Piment zufügen und vermischen. Schließlich das Mehl dazugeben.

Den Boden einer großen, schweren Pfanne mit Öl bedecken. Die Pfanne über mittlerer Hitze heiß werden lassen. Portionsweise mit einem Löffel die Latkesmischung in die Pfanne geben und mit einem Pfannenwender in eine runde Form drücken. Die Mischung braten, bis sie durch und kross ist, etwa 3 Minuten pro Seite.

Cranberry Apfelsoße

nach Christine Byrne, BuzzFeed
Für 10-12 Personen

ZUTATEN:
2 Tassen frische oder gefrorene Cranberrys
½ Teelöffel gemahlener Zimt
½ Teelöffel gemahlener Muskat
55g Zucker
½ Tasse Manischewitz-Concorder Traubenwein
4 große Äpfel (Granny Smith)

ZUBEREITUNG:
Die Cranberrys, Gewürze, den Zucker und Wein in einen Topf mittlerer Größe geben. Die Mischung aufkochen lassen und dann auf niedriger Flamme 20 Minuten köcheln lassen. Die Äpfel schälen, das Kerngehäuse entfernen, in große Stücke schneiden und der Cranberry-Mischung beigeben. Mit Deckel die Soße weitere 20 Minuten köcheln lassen und dabei gelegentlich umrühren. Wenn die Soße anzusetzen droht, ein wenig Wasser hinzugeben.
Vom Herd nehmen und vor dem Servieren auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.

Zitierempfehlung:

Signe Rossbach (2013), Gedankenfutter. Menurkeys für Thanksgivukka?.
URL: www.jmberlin.de/node/6551

Feiertage: Alte Riten, neue Bräuche (14)

Alte Riten, neue Bräuche

Mitarbeiter*innen des Museums erzählen von besonderen Traditionen zu einzelnen jüdischen Feiertagen.

Taschlich-Schiffchen statt Brotkrumen

Shlomit Tripp über einen alten Neujahrsbrauch, neu praktiziert

Bild von Gelehrten mit Talar und Hut und Büchern in der Hand

Das Kol Nidre und die „bürgerliche Verbesserung der Juden“

Haim Mahlev über einen jahrhundertelangen Streit

Äpfel in Honig und Gefilte Fisch

Wie Museums­mitarbeiter*innen die Hohen Feiertage verbringen und was sie persönlich damit verbinden

Interview
2013

Das Fest des Fahrrads

Avner Ofrath über Jom Kippur in Israel

Jüdisches Halloween

Naomi Lubrich über Süßigkeiten an Simchat Tora

Menurkeys für Thanksgivukka?

Signe Rossbach liefert Gedankenfutter und Rezepte für den außergewöhnlichen Fall, dass Thanksgiving und Chanukka zusammenfallen.

„8 Facts“ rund um Chanukka

David Studniberg über den Tempel, die Makkabäer, Dreidel, Leuchter und Öl

„If I were a rich mouse ...“

Michal Friedlander über Micky, Minnie und das Chanukkageld


2015

Mit zehn Klappmaulpuppen und einer Reise-Chanukkia im Schlafwagen

Shlomit Tripp über ihre Chanukka-Tage mit der bubales-Familie

Israelische Traditionen zu Tu bi-schwat

Avner Ofrath über Bäume, Obst und einen Hauch von New Age

„Die schlaue Esther“ – nichts für Kinder?!

Shlomit Tripp berichtet über das Buchprojekt mit ihrer kindgerechten Neuerzählung der biblischen Esther-Geschichte.

Mit dem Mazze-Mobil durch Mannheim

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Bericht
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Das große Putzen

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