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Vom 2. bis 30. November bleibt das Jüdische Museum Berlin aufgrund der Corona-Beschränkungen geschlossen.

Die Artur-Brauner-Sammlung in unserer Bibliothek

Schwarz-Weiß-Fotografie: Artur Brauner steht inmitten anderer Trauergäste, er hält die linke Hand an sein Kinn und winkelt den rechten Arm an.

Artur Brauner auf der Trauerfeier für Heinz Galinski am 24.07.1992, Fotografie von Michael Kerstgens; Jüdisches Museum Berlin

Die Mediathek in unserem Lesesaal präsentiert einen Ausschnitt aus dem Werk eines der erfolgreichsten Filmproduzenten der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte. Artur Brauner wurde 1918 in Lodz als Abraham Brauner geboren. 1940 flüchtete er in die Sowjetunion und kam wie Hunderttausende polnischer Jüd*innen nach Kriegsende in die westliche Besatzungszone Deutschlands. Im zerstörten Nachkriegsberlin gründete er 1946 zusammen mit seinem Schwager Joseph Einstein die Filmgesellschaft Central Cinema Company (CCC).

Ort

W. M. Blumenthal Akademie, Bibliothek
Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 1, 10969 Berlin Postanschrift: Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin

Obwohl er zunächst über keine Lizenz zur Film­herstellung verfügte, begann Brauner noch im selben Jahr mit der Produktion eigener Filme. Nach dem Lustspiel Herzkönig konnte er 1947 mit Unterstützung der sowjetischen Militär­verwaltung den künstlerisch anspruchs­vollen Film Morituri herstellen, der sich mit dem national­sozialistischen Vernichtungs­antisemitismus auseinander­setzt. Beim Publikum stieß der Film auf Ablehnung, teilweise sogar auf Proteste, die Besucher­zahlen blieben weit hinter den Erwartungen zurück.

Trotz dieses finanziellen Misserfolgs begann damals Brauners Aufstieg. Er wurde zu einem der führenden Film­produzenten der Bundesrepublik Deutschland. In den Folgejahren produzierte er selbst knapp 250 abend­füllende Spielfilme, viele davon in den eigenen Studio­hallen, die er ab 1950 in einer ehemaligen Versuchs­anstalt für chemische Kampf­stoffe in Berlin-Haselhorst aufbaute. In den Hallen wurden bis in die 1970er Jahre kontinuierlich CCC-Film- und Fernsehproduktionen sowie Projekte von Fremd­firmen realisiert.

Brauners Filmschaffen spiegelt das Spektrum des bundes­deutschen Films der ersten Nachkriegs­jahrzehnte: Es wurde von leichten Unterhaltungs­filmen dominiert und wandte sich eher selten ernsten Themen zu. Die CCC produzierte Heimatfilme und Komödien ebenso wie Krimis, Erotikfilme, Historien­dramen und Abenteuer­filme. Immer wieder engagierte Brauner mit Fritz Lang und Robert Siodmak Regisseure, die nach 1933 emigriert waren.

Seit dem Beginn seines Wirkens in Berlin trat Brauner in der Öffentlichkeit selbstbewusst als Jude auf und engagierte sich in vielfältiger Weise für und im Staat Israel. Anknüpfend an Morituri bestimmte seit den 1980er Jahren das Interesse an der filmischen Auseinander­setzung mit der Verfolgung und Ermordung der europäischen Jüdinnen*Juden sein filmisches Wirken, das er zusammen mit bedeutenden Regisseur*innen wie Andrzej Wajda, István Szabó und Agnieszka Holland verwirklichte.

Artur Brauner starb am 7. Juli 2019 in Berlin.

Literaturhinweise

  • Brauner, Artur, Mich gibt's nur einmal. Rückblende eines Lebens, München: Herbig 1976.
  • Dillmann-Kühn, Claudia, Artur Brauner und die CCC. Filmgeschäft, Produktionsalltag, Studiogeschichte 1946–1990, Frankfurt am Main: Deutsches Filmmuseum 1990.
  • CCC Film (Hg.), CCC Filme in aller Welt, Berlin 2013.
Artur Brauner

Artur Brauner ist ein deutscher Filmproduzent polnischer Herkunft, der während der Besetzung Polens von den Nationalsozialisten verfolgt wurde.

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Central Cinema Company (CCC)

CCC ist die 1946 von Artur Brauner gegründete Filmproduktionsfirma mit Sitz in Berlin.

Zur Website von CCC Filmkunst

Fritz Lang

Der österreichisch-deutsch-US-amerikanische Filmregisseur, Drehbuchautor und Schauspieler wurde 1890 in Wien geboren und starb 1976 in Berverly Hills, Kalifornien.

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Robert Siodmak

Der deutsche Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent wurde 1900 in Dresden geboren und starb 1973 in Locarno.

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Andrzej Wajda

Der polnische Film- und Theaterregisseur wurde 1926 in Suwałki geboren.

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István Szabó

Der ungarische Filmregisseur wurde 1938 in Budapest in eine jüdische Familie geboren.

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Agnieszka Holland

Die polnische Filmregisseurin und Drehbuchautorin wurde 1948 in Warschau geboren.

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Filmsammlung: Sammlung Artur Brauner (21)

Sammlung Artur Brauner

In der Mediathek unserer Bibliothek präsentieren wir einen Ausschnitt aus dem Werk eines der erfolgreichsten Film­produzenten der bundes­deutschen Nachkriegs­geschichte.

Filmplakat von

Morituri (1947/48)

Mit Walter Richter, Lotte Koch und Klaus Kinski. Regie: Eugen York

Filmplakat »Eine Liebe in Deutschland«

Eine Liebe in Deutschland (1983)

Mit Hanna Schygulla, Armin Mueller-Stahl und Otto Sander. Regie: Andrzej Wajda

Filmstill »Von Hölle zu Hölle«

Von Hölle zu Hölle (1996/97)

Mit Anja Kling. Regie: Dmitri Astrachan

Filmstill »Der Daunenträger«

Der Daunenträger (1992)

Mit Hanna Schygulla, Lambert Wilson und Julie Delpy. Regie: Janusz Kijowski

Filmstill »Der Gehetzte«

Der Gehetzte/Izgoj (1991)

Mit Jossi Pollak. Regie: Vladimir Saveljev

Filmstill »Hitlerjunge Salomon«

Hitlerjunge Salomon (1989/90)

Mit Marco Hofschneider, Julie Delpy und Hanns Zischler. Regie: Agnieszka Holland

Filmstill »Der Rosengarten«

Der Rosengarten (1989)

Mit Maximilian Schell und Liv Ullmann. Regie: Fons Rademakers

Filmstill »Hanussen«

Hanussen (1987/88)

Mit Klaus Maria Brandauer. Regie: István Szabó

Filmstill »Bittere Ernte«

Bittere Ernte (1984/85)

Mit Armin Mueller-Stahl und Elisabeth Trissenaar. Regie: Agnieszka Holland

Filmstill »Zu Freiwild verdammt«

Zu Freiwild verdammt/Blutiger Schnee (1983/84)

Mit Sharon Brauner, Günter Lamprecht und Mathieu Carrière. Regie: Jerzy Hoffman

Filmstill »Die Spaziergängerin von Sans Souci«

Die Spaziergängerin von Sans-Souci (1982)

Mit Romy Schneider, Michel Piccoli und Helmut Griem. Regie: Jacques Rouffio

Filmstill »Der 20. Juli«

Der 20. Juli (1955)

Mit Wolfgang Preiss, Annemarie Düringer und Robert Freitag. Regie: Falk Harnack

Filmstill »Die weiße Rose«

Die weiße Rose (1981/82)

Mit Lena Stolze, Ulrich Tukur und Martin Benrath. Regie: Michael Verhoeven

Filmsstill »Charlotte«

Charlotte (1980)

Mit Birgit Doll, Elisabeth Trissenaar und Derek Jacobi. Regie: Frans Weisz

Filmplakat »Sie sind frei, Doktor Korczak«

Sie sind frei, Dr. Korczak (1973/74)

Mit Leo Genn. Regie: Aleksander Ford

Filmstill »Der Garten der Finzi Contini«

Der Garten der Finzi Contini (1970)

Mit Lino Capolicchio, Dominique Sanda und Helmut Berger. Regie: Vittorio De Sica

Filmstill »Zeugin aus der Hölle«

Zeugin aus der Hölle (1965–67)

Mit Irene Papas, Heinz Drache und Daniel Gélin. Regie: Živorad Mitrović

Filmstill »Mensch und Bestie«

Mensch und Bestie/Die Flucht (1963)

Mit Götz George und Günther Ungeheuer. Regie: Edwin Zbonek

Filmplakat »Eichmann und das Dritte Reich«

Eichmann und das Dritte Reich (1961)

Drehbuch und Regie: Erwin Leiser

Filmstill »Liebling der Götter«

Liebling der Götter (1960)

Mit Ruth Leuwerik, Peter van Eyck und Harry Meyen. Regie: Gottfried Reinhardt

Filmstill »Babij Jar«

Babij Jar – Das vergessene Verbrechen (2001–03)

Mit Michael Degen, Katrin Saß und Axel Milberg. Regie: Jeff Kanew