Direkt zum Inhalt

Der Besuch des Museums ist nur mit einem Zeitfenster-Ticket möglich, das Sie in unserem Online-Shop erhalten.

Erinnerungsorte. Vergessene und Verwobene Geschichten

Tagung (mit Video-Mitschnitt)

Ein Gebäude spiegelt sich im Wasser, schwarz-weiß Foto

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas; CC BY-ND 2.0: mini malist

Sprechen wir über das kollektive Berliner Gedächtnis, dann bleiben die Geschichten vieler Minderheiten häufig unberücksichtigt. Mit der Abschlusstagung des Projekts »Erinnerungsorte. Vergessene und verwobene Geschichten« werden global- und stadthistorische Ereignisse und Narrative aus der Perspektive von Schwarzen Deutschen, Jüd*innen, Sinti und Roma/Romnja* und Sintezza* und anderen People of Color in Berlin in ihrer Verwobenheit thematisiert. Professor Michael Rothberg (University of California, Los Angeles) führt mit einer Programmrede in seinen Ansatz der »Multidirectional Memory« ein und beleuchtet Perspektiven auf Erinnerungs- und Gedächtniskulturen. Im Abschlussgespräch wird diskutiert, wie marginalisierte Geschichten erzählt und sichtbar gemacht werden können.

Die Tagung findet in Kooperation mit der Alice Salomon Hochschule Berlin statt.

Mitschnitt verfügbar

Übersichtsplan mit allen Gebäuden, die zum Jüdischen Museum Berlin gehören. Der Altbau ist grün markiert

Ort

Altbau 2. OG, Großer Saal
Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin

Kontakt

Monika Starke
T +49 (0)30 259 93 378
F +49 (0)30 259 93 411
m.starke@jmberlin.de

Das Projekt »Erinnerungsorte. Vergessene und verwobene Geschichten« wird vom Institut für angewandte Forschung (IFAF Berlin) gefördert und ist an der Alice Salomon Hochschule Berlin unter Leitung von Prof. Dr. Iman Attia angesiedelt. Es wird in Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (Prof. Thomas Bremer), dem August-Bebel-Institut, der Stiftung Jüdisches Museum Berlin, Berlin Postkolonial e.V. und Solidaritätsdienst International e.V. durchgeführt.

Mitschnitt der Tagung »Erinnerungsorte. Vergessene und verwobene Geschichten« am 16. September 2016. Der Videomitschnitt beinhaltet die Begrüßung, Projektvorstellung, Lesung und Keynote. Tagung in deutscher und englischer Sprache; Jüdisches Museum Berlin

Programm

9:00 Uhr Grußworte

Dr. Rosa Fava, Leiterin Akademieprogramme, Jüdisches Museum Berlin
Juliane Jurewicz, Forschungskoordinatorin des Kompetenzzentrums Integration und Gesundheit des Instituts für angewandte Forschung (IFAF Berlin), Alice Salomon Hochschule Berlin

9:30 Uhr Projektvorstellung »Erinnerungsorte«: Biographien und Orte in ihrer Verwobenheit mit Berliner Geschichte

Prof. Dr. Iman Attia, Olga Gerstenberger, Ozan Keskinkiliç, Erinnerungsorte, Alice Salomon Hochschule Berlin

Lesung von Anita Awosusi und Ilona Lagrene

11:00 Uhr Kaffeepause

11:30 Uhr Keynote »Multidirectional Memory: Entangled Narratives, Implicated Subjects« – Prof. Dr. Michael Rothberg, University of California, Los Angeles (UCLA)
mit Simultanübersetzung ins Deutsche
Moderation: Serpil Polat, Jüdisches Museum Berlin

13:00 Uhr Mittagspause

14:30 Uhr Parallele Panels

Panel 1:
Stadtgeschichte in Lernkontexten – Zur Relevanz des stadthistorischen Erkundens

Dr. Noa Ha, Berlin als postkoloniale Stadt kartieren, Technische Universität Berlin
Saraya Gomis, King Code Projekt und Black Diaspora School
Hajdi Barz, Stadtrundgang Gestern mit den Augen von heute sehen
Christian Kopp, Just Listen – Globalgeschichte von unten und zivilgesellschaftlicher Dialog und Erinnerungsorte, Berlin Postkolonial

Panel 2:
Geschichte autor/isieren – neue Realitäten erschaffen: Zur Arbeit mit marginalisierten Selbstzeugnissen und Biografien

Diane Izabiliza, Erinnerungsorte
Melanie Weiß, Dikhen amen! Seht uns!
Nicola Lauré al-Samarai, Homestory Deutschland und Erinnerungsorte
Moderation: Judith Rahner, Vergessene Biografien

16:00 Uhr Kaffeepause

16:30 Uhr Abschlussdiskussion:
Wie können marginalisierte Geschichten erzählt und sichtbar gemacht werden?

Prof. Dr. Iman Attia, Erinnerungsorte, Alice Salomon Hochschule Berlin
Dr. Alina Gromova, Jüdisches Museum Berlin
Aischa Ahmed, Arabische Präsenzen in Berlin, Freie Universität Berlin
Isidora Randjelovic, RomaniPhen
Silke Güç, EOTO – Each One Teach One
Moderation: Dr. Manuela Bauche, Museum für Naturkunde Berlin / Humboldt-Universität zu Berlin

18:00 Uhr Pause
Wein & Snackbar in der W. Michael Blumenthal Akademie des Jüdischen Museums Berlin

18:30 Uhr Konzert: Tayo Onutor & Ernie Schmiedel
(Ort: W. Michael Blumenthal Akademie)
Die Sängerin Tayo Onutor bezeichnet sich selbst als Afro-Sintezza. Sie singt mit warmer Soulstimme und liefert eine Mischung aus Soul, Jazz und R’n’B auf Englisch, Deutsch und Romanes, die Sprache der Sinti und Roma. Begleitet wird sie an diesem Abend vom Pianisten Ernie Schmiedel.

Durch den Abend führt Iris Rajanayagam, xart splitta

Erinnerungsorte. Vergessene und verwobene Geschichten

Im Rahmen dieses Praxisforschungsprojekts wurde eine Website erstellt:

Projektwebsite

Hintergrundinformationen zu diesem Forschungsprojekt finden Sie auf der Website der Alice Salomon Hochschule Berlin:

Website der Alice Salomon Hochschule

Kurzbeschreibung des Einführungsvortrags (Keynote):
Multidirektionales Gedächtnis: Verwobene Geschichten, implizierte Subjekte

In seinem Vortrag wird Michael Rothberg zunächst auf den Rahmen der »Erinnerungsorte« eingehen, der die Konferenz definiert. Er wird die Vor- und Nachteile dieses Rahmens für das Anliegen prüfen, »verlorene und verwobene Geschichten« sichtbar zu machen, und seine Theorie des »multidirektionalen Gedächtnisses« als ergänzendes Modell anbieten, um der Frage nachzugehen, was geschieht, wenn sich verschiedene historische Hintergründe im öffentlichen Raum überschneiden. In Anlehnung an den afroamerikanischen Denker und Aktivisten W.E.B. Du Bois wird Rothberg die fortlaufende Tradition untersuchen, einen speziellen multidirektionalen Erinnerungs-Nexus – das Warschauer Getto und das Denkmal für das Warschauer Getto – zu pflegen, indem der nationalsozialistische Völkermord an den europäischen Juden in einen Zusammenhang mit Geschichtsschreibungen des Kolonialismus, der Sklaverei und des Rassismus gerückt wird. Ein abschließendes Beispiel aus einer Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin wird die Frage aufwerfen, was es für Migranten und Minderheiten bedeutet, in nationale Gewaltgeschichten einbezogen zu sein und andere Positionen zu besetzen als die von Opfer oder Täter.

Kurzbeschreibung Panel 1:
Stadtgeschichte in Lernkontexten – Zur Relevanz des stadthistorischen Erkundens

Dieses Panel führt mit interaktiven Methoden aus der Perspektive von Jugendlichen und Erwachsenen die Teilnehmenden an die gesellschaftspolitische Relevanz des stadthistorischen Erkundens heran. Im Zentrum steht die Methode des Erkundens von städtischen Räumen für die aktive Aneignung von stadthistorischen Prozessen, Narrativen und Räumen, die bisher vernachlässigt, unterschlagen oder verbaut wurden. Die vier Referent*innen werden in zwei Tandems der Frage nachgehen, inwiefern historische Verwobenheiten sich im städtischen Kontext für die praktische und politische Bildungsarbeit fruchtbar machen lassen und von konkreten Erfahrungen aus unterschiedlichen Lernkontexten berichten. In den zwei Gruppen haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich anhand von Übungen aktiv einzubringen.

Kurzbeschreibung Panel 2:
Geschichte autor/isieren – neue Realitäten erschaffen: Zur Arbeit mit marginalisierten Selbstzeugnissen und Biografien

Ausgehend von verschiedenen Projekten, in denen marginalisierte Lebensgeschichten eine zentrale Rolle spielen, wird das Begriffskonzept »Geschichte autor/isieren« diskutiert. Im Vordergrund stehen Fragen, die einerseits ungleichberechtigte Sprechpositionen kritisch in den Blick nehmen und andererseits das sichtbare Potential von Selbstzeugnissen und Biografien ausloten: Welche Funktionen erfüllen individuelle Lebensgeschichten innerhalb von Communities und innerhalb von dominanzgesellschaftlichen Kontexten? Wer erzählt wessen Geschichte warum und wie? Inwieweit können Lebensgeschichten neue Realitäten erschaffen? Von besonderem Interesse sind mögliche Fallstricke, die – je nach Sprechposition – in der Arbeit mit marginalisierten Selbstzeugnissen und Biografien zutage treten, sowie verschiedene Spannungsfelder, die zwischen kollektiver Wertschätzung und dominanzgesellschaftlicher Aneignung pendeln.

Einladung und Programm der Tagung »Erinnerungsorte. Vergessene und verwobene Geschichten«

Download (PDF / 0.39 MB / auf Deutsch / nicht barrierefrei)

Kurzbiografien der Referent*innen der Tagung

Download (PDF / 0.53 MB / auf Deutsch / nicht barrierefrei)

Was, wann, wo?

  • Wann 16. Sep 2016
  • Wo Altbau 2. OG, Großer Saal

    Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin

    Zum Lageplan
  • Eintritt

    frei

  • AnmeldungTel: +49 (0)30 25 993 488

Teilen, Newsletter, Feedback

Video-Mitschnitte: Vergangene Veranstaltungen ansehen (52)

Akademieprogramme: Veranstaltungen zum Nachhören und -sehen (57)